Konsequenz aus Chipstreit mit USA? China leitet Kartellrechtsprüfung gegen NVIDIA ein

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

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Inmitten der sich weiter zuspitzenden Handelsstreitigkeiten bei Chiptechnolgien zwischen den USA und China haben chinesische Wettbewerbsprüfer jetzt ein Verfahren gegen NVIDIA eingeleitet. Demnach habe der amerikanische GPU-Spezialist gegen Vorgaben verstoßen, die dem US-Unternehmen bezüglich seiner Übernahme von Mellanox im Jahr 2020 gestellt worden seien.

NVIDIA-CEO Jensen Huang heißt die Mitarbeiter von Mellanox im Unternehmen willkommen: Im April 2020 hatte der amerikanische GPU-Spezialist das isrealische Unternehmen für Netzwerktechnologien für 6,9 Mrd. US-$ übernommen. Zuvor war die Akquise ein Jahr lang von den globalen Marktaufsichtsbehörden geprüft worden. Nun leiten die chinesischen Kartellbehörden ein Verfahren gegen NVIDIA ein.(Bild:  NVIDIA)
NVIDIA-CEO Jensen Huang heißt die Mitarbeiter von Mellanox im Unternehmen willkommen: Im April 2020 hatte der amerikanische GPU-Spezialist das isrealische Unternehmen für Netzwerktechnologien für 6,9 Mrd. US-$ übernommen. Zuvor war die Akquise ein Jahr lang von den globalen Marktaufsichtsbehörden geprüft worden. Nun leiten die chinesischen Kartellbehörden ein Verfahren gegen NVIDIA ein.
(Bild: NVIDIA)

NVIDIA hatte 2019 eine Übernahme des isrealischen Netzwerktechnologieanbieters Mellanox angestoßen und diese im April 2020 erfolgreich zum Abschluss gebracht. Der GPU-Spezialist hatte sich damals in einem mehrmonatigen Bieterstreit gegen Intel durchgesetzt und für die Akquise 6,9 Mrd. US-$ hingelegt. Mit dem erworbenen technologischen Know-How wollte NVIDIA gemäß Ankündigung insbesondere sein Angebot entlang der kompletten Funktionskette eines Rechenzentrums – bestehend aus Prozessoren, Netzwerk und Storage – optimieren. Nachdem der Kauf im März 2019 angekündigt worden war, konnte die Akquise im April 2020 nach eingehender Prüfung der weltweiten Marktaufsichtsbehörden erfolgreich abgeschlossen werden.

Nun, mehr als vier Jahre später und inmitten eines sich sich stetig weiter verschärfenden Handelsstreits zwischen den USA und China bei Chip-Technologien, werden die chinesischen Kartellwächter aktiv: Chinas staatliche Behörde für Marktregulierung kündigte vergangenen Montag an, dass man eine Untersuchung gegen NVIDIA wegen Verstoßes gegen die lokalen Antimonopol-Gesetze eingeleitet habe.

Die chinesischen Kartellwächter hatten die Übernahme von Mellanox im April 2020 unter der Bedingung genehmigt, dass Nvidias Grafikprozessor-Beschleuniger, Mellanox-Hochgeschwindigkeits-Netzwerkverbindungsgeräte sowie die dazugehörige Software und das Zubehör weiterhin auf der Grundlage „fairer, angemessener und nicht diskriminierender Grundsätze“ auf den chinesischen Markt geliefert werden, heißt es in der Begründung. Die chinesische Regierung zu den Bedingungen der Übernahme zählte, dass Mellanox die Wettbewerber innerhalb von 90 Tagen nach der Lieferung an Nvidia über neue Produkte informiert. Darüber hinaus hatte Nvidia zugesagt, dafür zu sorgen, dass chinesische Chiphersteller ihre Produkte effektiv mit der Technologie von Mellanox integrieren können. Mit der neuerlichen Verschärfung der Exportregelungen seitens der USA sind diese Grundsätze offenbar nicht mehr gegeben.

„Ein kalkuliertes geopolitisches Manöver“

Die kartellrechtliche Untersuchung gegen Nvidia „markiert den Beginn einer wahrscheinlich systematischen Vergeltungsstrategie gegen die USA [und] einen Vorboten künftiger aggressiverer Maßnahmen“, sagte Nigel Green, CEO der Finanzberatungsfirma deVere Group, anlässlich der Ankündigung gegenüber dem Nachrichtendienst Bloomberg. „Dies ist nicht nur eine regulatorische Angelegenheit, sondern ein kalkuliertes geopolitisches Manöver“, sagte er und fügte hinzu, dass China eine deutliche Botschaft aussende, dass es nicht zögern werde, zurückzuschlagen.

In einer Stellungnahme erklärte Nvidia, dass man den Kartellbehörden „gerne alle Fragen der Regulierungsbehörden zu unserem Geschäft beantworte“. Das Unternehmen betonte außerdem seine Verpflichtung, „in jeder Region die bestmöglichen Produkte anzubieten und unsere Verpflichtungen überall dort einzuhalten, wo wir geschäftlich tätig sind.“ Die in den USA notierten Aktien des Unternehmens fielen am Montag nach Bekanntwerdung der Untersuchungen vorbörslich um 1,8 Prozent auf 142,44 US-$.

Pekings regulatorischer Schritt gegen Nvidia kommt nur wenige Tage, nachdem Chinas staatlich unterstützte Industrieverbände ihre Mitglieder als Reaktion auf Washingtons jüngste Restriktionsrunde zur Vorsicht beim Kauf von US-Chips mahnten. Der chinesische Verband der Halbleiterindustrie, dem auch der in Peking ansässige Nvidia Technical Service angehört, rief seine Mitglieder auf, Chips von US-Lieferanten zu meiden, da diese „nicht mehr sicher und nicht mehr zuverlässig“ seien. (sg)

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