Mehr als ein Viertel der Aussteller auf der diesjährigen „International Consumer Electronics Show“ im Spielerparadies Las Vegas kamen aus China. Und sie hatten vorwiegend Produkte im Gepäck, die Künstliche Intelligenz für unterschiedlichste Funktionen nutzen.
Neuronale Netze bilden die Basis für Künstliche Intelligenz. Diese kann in elektronischen Produkten ganz verschiedene Aufgaben übernehmen – etwa die Bildverbesserung bei Fernsehern oder Personen- und Objekterkennung in Fahrerassistenzsystemen.
Der letzte Schrei auf der Elektronikmesse CES 2024 in Las Vegas war eindeutig alles, was auch nur entfernt mit Künstlicher Intelligenz assoziiert werden kann. Das war ein gefundenes Fressen für chinesische Hersteller der Elektronikindustrie, die ihre Fähigkeit zur schnellen Adaption der Technologie zur Schau stellen konnten.
Mehr als 1.000 und damit mehr als ein Viertel aller Aussteller auf der „International Consumer Electronics Show“ kamen diesmal aus China. Die Messe markierte damit das Comeback der Chinesen, die wegen der Corona-Reisebeschränkungen ihrer eigenen Regierung im vergangenen Jahr nur mit einer halb so großen Delegation vertreten waren.
China ist nicht mehr nur „Copy Cat“
Mit einer Reihe von innovativen KI-Anwendungen in Industriesegmenten wie Displays, Robotik, Tablets oder Smart Cockpits zeigten chinesische Unternehmen, wie weit das alte Klischee inzwischen überholt ist, dass sie hartnäckig als reine „Copy Cats“ in der Welt der Elektronik darstellen will.
Der chinesische Computerhersteller Lenovo stellte auf der diesjährigen CES gleich zehn neue PC-Modelle vor, die mit KI-Fähigkeiten aufgerüstet worden sind, darunter das „ThinkPad X1 Carbon“ mit eingebauten CPU-, GPU- und NPU-Engines und das „ThinkBook Plus Gen 5 Hybrid“, das zwischen Windows und Android als Betriebssystem hin- und herwechseln kann.
Im Bereich Software stellte Lenovo seinen neuen PC-Assistenten „AI Now“ vor, der auf der Basis von Alibabas Antwort auf ChatGPT entwickelt worden ist und Interaktionen in natürlicher Sprache für die Steuerung des Betriebssystems, sowie für das Arbeiten und Lernen mit den ThinkPads ermöglicht. Schon in der ersten Hälfte dieses Jahres wird AI Now in die neuesten ThinkPad-Produkte integriert werden, berichtet TechNode vom Lenovo-Stand auf der CES.
Bildqualität per KI verbessern
Der chinesische TV-Produzent Hisense, führend auf dem US-amerikanischen Fernsehmarkt, stellte ebenfalls seine neuen KI-Anwendungen ins Zentrum seiner Präsentationen. Seine KI-Chips verbessern eigenen Angaben zufolge die Bildqualität, weil sie eigenständig die Quelle eines Videos identifizieren können, also ob es von einem Streaming-Dienstleister, aus dem Kabel oder einer sonstigen Quelle stammt.
Künstliche Intelligenz ermögliche der jüngsten Generation von Fernsehgeräten, sich von der derzeit noch üblichen, fixen Voreinstellung für die Wiedergabe auf dem Bildschirm zu befreien, sagte David Gold von Hisense USA Reportern der South China Morning Post. „Normalerweise legst du eine Einstellung fest und änderst sie nie wieder. Was wir nun mit KI versuchen, ist automatisch zu erkennen ‚Oh, du siehst gerade Fußball, lass´ uns zu einem Sport-Setting wechseln‘.“
Auch der Konkurrent TCL aus der Provinz Guangdong, inzwischen der zweitgrößte TV-Produzent der Erde, warb mit seinen neuen KI-Fähigkeiten – übrigens genauso wie die Wettbewerber Samsung und LG aus Südkorea.
Multifunktions-Roboter für den Vorgarten
Auch eine große Zahl kleinerer Elektronik-Unternehmen aus China konnte zeigen, wie schnell sie auf den fahrenden KI-Zug aufgesprungen sind. Ein Beispiel war Yarbo, ein Unternehmen, das einen Multifunktions-Roboter für den Vorgarten herstellt, der dank seiner „Intelligenz“ nun sämtliche Geräte für das Rasenmähen, Schneeschaufeln, Blätterwegpusten und Einbrecher-Erkennen in einem Gerät vereint.
In allen erdenklichen Sparten, von modernen Displays mit KI-Chips bei BOE über das autonome Fahren und „Smart Cockpits“ bis hin zu AR-Brillen oder AR-Bildschirmen im Auto hätten chinesische Unternehmen auf der CES „ihre fortschrittlichen Technologien und Produkte vorstellen“ können, hieß es in chinesischen Medien wie der China Daily.
Es sei eine kleine Revolution von „Made in China“ zu „Created in China“ zu beobachten, kommentierte das der Kommunistischen Partei Chinas nahestehende Blatt stolz, aber nicht völlig unbegründet.
Während die politische Debatte weltweit momentan China-kritisch gefärbt ist, zeigte Chinas Elektronikindustrie in Las Vegas davon völlig unbeeindruckt, dass sie auf dem Weg von der billigen „Werkbank der Welt“ zum von der Regierung ausgerufenen Ziel, globaler Technologieführer zu werden, bereits ein Stück vorangekommen ist. (me)
Stand: 08.12.2025
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* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.