Restrukturierung Bosch Mobility will 13.000 Stellen bis 2030 abbauen

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Bosch Mobility hat angekündigt, bis zum Jahr 2030 weltweit etwa 13.000 Arbeitsplätze einsparen zu wollen. Die Maßnahme sei Teil eines umfassenden Restrukturierungsprogramms, mit dem eine jährliche Kostendifferenz von 2,5 Milliarden Euro ausgeglichen werden soll. Deutsche Standorte sind besonders betroffen.

Der Forschungscampus von Bosch im schwäbischen Renningen. Die Mobility-Sparte von Bosch hat angekündigt, bis 2030 weltweit etwa 13.000 Stellen abbauen zu wollen. Grund seien unter anderem der anhaltende Druck auf die Automobilindustrie und eine notwendige Umstrukturierung der Geschäftstätigkeit auf zukunftsträchtige Technologien.(Bild:  Bosch)
Der Forschungscampus von Bosch im schwäbischen Renningen. Die Mobility-Sparte von Bosch hat angekündigt, bis 2030 weltweit etwa 13.000 Stellen abbauen zu wollen. Grund seien unter anderem der anhaltende Druck auf die Automobilindustrie und eine notwendige Umstrukturierung der Geschäftstätigkeit auf zukunftsträchtige Technologien.
(Bild: Bosch)

In seiner Pressemitteilung führte Bosch Faktoren an, die für die Umstrukturierung verantwortlich seien. Die derzeit schwache weltweite Nachfrage nach Fahrzeugen ist hierbei einer der Hauptgründe. Aber auch regulatorische Unsicherheiten und die langsamer als erwartete Einführung von Elektromobilität und automatisiertem Fahren tragen dazu bei, dass die Umsätze nicht so stark ausfallen wie noch vor einigen Jahren erwartet. Das Unternehmen wies auch auf eine Verlagerung der Nachfrage weg von Europa hin, was den Wettbewerb um Standorte in Europa verschärft.

Um die Lücke von 2,5 Milliarden Euro zu schließen, plant Bosch laut eigenen Angaben eine Reihe von Maßnahmen. Neben dem geplanten Stellenabbau soll demnach unter anderem verstärkt auf den Einsatz von KI in Fertigung und Entwicklung gesetzt werden. Auch die Senkung der Material- und Ausrüstungskosten sowie zusätzliche Effizienzsteigerungen in der Logistik und Lieferkette sind Teil des Programms.

Ein umfassender Personalabbau sei allerdings trotz allem unvermeidlich. „Wir müssen dringend an unserer Wettbewerbsfähigkeit im Mobilitätsgeschäft arbeiten und unsere Kosten dauerhaft weiter senken,“ sagt Stefan Grosch, Mitglied der Bosch-Geschäftsführung und Direktor für Arbeitsbeziehungen, in der Pressemitteilung des Unternehmens. „Dazu setzen wir viele Hebel ein. Leider werden wir über die bereits angekündigten Stellenstreichungen hinaus weitere Stellenkürzungen nicht vermeiden können.“

Mehr als 8.000 Stellen alleine in Deutschland betroffen

Der Stellenabbau wird sich ganz besonders auf die deutschen Standorte von Bosch auswirken. Ein Schwerpunkt wird hier auf die Bereiche Power Solutions und Electrified Motion entfallen. Folgende Stellebkürzungen sind unter anderem geplant:

  • Feuerbach: Rund 3.500 Stellen, darunter 1.500 im Werk für Antriebskomponenten. Bosch begründet dies mit der sinkenden Nachfrage nach Dieselmotoren und dem nur langsam vorankommenden Ausbau der Wasserstofftechnologie;
  • Schwieberdingen: Rund 1.750 Stellen in den Bereichen Vertrieb, Einkauf, Verwaltung und Entwicklung;
  • Waiblingen: Komplette Einstellung der Produktion von Verbindungstechnik, was 560 Mitarbeiter betrifft;
  • Bühl/Bühlertal: Rund 1.550 Stellen in der Entwicklung und Produktion von Elektroantrieben;
  • Homburg: 1.250 Stellen, wobei die Aktivitäten innerhalb des Geschäftsbereichs Power Solutions konsolidiert werden sollen.

Trotz dieser Kürzungen bekräftigte Bosch sein Bekenntnis zu Deutschland als industriellem Kernstandort und wies darauf hin, dass Effizienzsteigerungen für die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und die Sicherung künftiger Aufträge unerlässlich sind.

Die Führungskräfte von Bosch unterstrichen die Dringlichkeit der Umstrukturierung und betonten, dass Verzögerungen die Situation verschlimmern könnten. „Geopolitische Entwicklungen und Handelsbarrieren wie Zölle führen zu erheblicher Unsicherheit – und damit müssen wir uns wie alle Unternehmen auseinandersetzen. Wir müssen mit einem noch intensiveren Wettbewerb rechnen“, sagte Dr. Markus Heyn, Vorstandsmitglied von Bosch.

„Ich bin überzeugt, dass Bosch Mobility sich auf dem hart umkämpften Weltmarkt behaupten kann. Aber wir müssen jetzt den Weg dafür ebnen und unsere eigenen Ressourcen nutzen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, denn die Zeit drängt“, fügte er ergänzend hinzu.

Die Ankündigung unterstreicht noch einmal den Druck, dem die Automobilindustrie derzeit unterliegt, vor allem was die mangelnde Nachfrage nach Verbrennern betrifft. 2019 hatte die gesamte Robert Bosch Gruppe noch angekündigt, bis zum Jahr 2024 sogar 25.000 neue Stellen schaffen zu wollen. Vor allem in den Bereichen Software-Entwicklung und Künstliche Intelligenz wollte der Konzern seine Kompetenzen radikal ausbauen. Diese Pläne waren aber im Zuge der Corona-Pandemie 2020 aufgegeben oder wenigstens ausgesetzt worden. Die nun aktuellen Restrukturierungsankündigungen stellen dem gegenüber einen radikalen Richtungswechsel dar. (sg)

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