SiC-Chips Beginnt in China ein Preiskrieg im SiC-Markt?

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Siliziumkarbid ist insbesondere für Anwendungen im Automotive-Bereich eine gefragte Lösung und der Bedarf an SiC-Chips nimmt mit zunehmender Elektrifizierung des Individualverkehrs zu. Von dieser Nachfrage wollen selbstverständlich auch chinesische Player profitieren.

In China häufen sich die Hinweise darauf, dass ein Preiskrieg für SiC-Substrate bevorstehen könnte.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
In China häufen sich die Hinweise darauf, dass ein Preiskrieg für SiC-Substrate bevorstehen könnte.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

In China häufen sich die Hinweise auf einen beginnenden Preiskrieg im Markt für SiC-Substrate. Obwohl die Wachstumsaussichten in dem Segment langfristig gut bleiben, ist seit Beginn dieses Jahres eine deutliche Korrektur zu beobachten.

Die steigende Nachfrage nach SiC-Chips vornehmlich in der Autoindustrie habe in jüngster zu einer rasanten Ausweitung der Produktionskapazitäten geführt, berichtet das chinesische Fachportal Huxiu. In China habe der Verkauf von 6-Inch-SiC-Wafer im Jahr 2023 den Meilenstein von einer Million Stück überschritten.

Dennoch geht der Bau von Produktionslinien und Fabriken weiter. Zwischen 2023 und 2032 werde der globale Markt für SiC-Chips voraussichtlich mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 11,6 % wachsen (CAGR), heißt es in einer Prognose von Emergen Research.

Chinas Anteil am Weltmarkt nimmt immer weiter zu. Während die Produktion in China im vergangenen Jahr einen Anteil von 42 % am globalen Markt von Siliziumkarbid-Substraten ausmachte, werde dieser Anteil bis 2026 auf rund 50 % wachsen, schätzt Huxiu.

Kampfansage mit Niedrigpreisen

Chinesische Unternehmen, die neu in das Geschäft mit SiC-Chips eingestiegen sind, dabei aber erstaunlich schnelle Erfolge am Markt erzielt haben, wie Tanke Blue, SICC und Epiworld, kämpfen mit niedrigen Preisen um Marktanteile. Das ist ein Grund für die Preiskorrekturen. Der andere ist die insgesamt starke Ausweitung von SiC-Substrat-Kapazitäten weltweit, die sowohl von internationalen als auch von chinesischen Unternehmen betrieben worden ist.

Internationale SiC-Hersteller, die besonders den Markt für hochwertige Chips wie jene für die Hauptwechselrichter in E-Autos beherrschen, haben bereits ihre Profit-Vorhersagen für SiC gesenkt – auch wenn diese noch recht gut sind.

STMicroelectronics, das noch im vergangenen Jahr 500 Millionen US-Dollar Steigerung seiner Einnahmen in dem Segment vermelden konnte, sagt für das laufende Jahr einen Anstieg seiner Einnahmen von „nur noch“ 150 Millionen US-Dollar voraus.

Infineon war von einem Anstieg seiner SiC-Einnahmen von 50 % in diesem Jahr ausgegangen, musste dies aber in seinen jüngsten Wachstumsprognosen auf 20 % senken. Der japanische Hersteller Rohm sieht seine Einnahmen aus dem SiC-Segment ebenfalls weniger stark wachsen und Wolfspeed hat neue Greenfield-Investitionen in SiC-Produktionslinien vorerst gestoppt.

8-Inch-Wafer im Fokus

Im vergangenen Jahr hatten alle Hersteller noch stark expandiert und sich gleichzeitig immer stärker auf die Produktion von 8-Inch-Wafer verlegt, die nach allgemeiner Ansicht die derzeit populären 6-Inch-Wafer schnell ablösen werden.

Mindestens zwölf Projekte von Produktionserweiterungen für 8-Inch-Wafer sind 2023 weltweit durchgeführt worden, so hat das Fachmedium Trendforce gezählt. Acht davon von internationalen, also nicht chinesischen Herstellern wie Wolfspeed, Onsemi, STMicroelectronics, Infineon oder Rohm. Drei Projekte stammten von den chinesischen Unternehmen Global Power Technology, United Nova Technology und J2 Semiconductor.

Kooperationspotenzial

STMicroelectronics hat auch gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Sanan Optoelectronics in eine neue SiC-Fabrik in China investiert. Er sehe das rasche Wachstum der Industrie in China, auch das von chinesischen Unternehmen, nicht nur als Risiko, sondern auch als Chance, sagte der CEO von STMicroelectronics, Jean-Marc Chery, der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Kürzlich war er auf einer Industriekonferenz in London dazu befragt worden, wo er die Gründe für die Investition seiner Firma in ein gemeinsames Joint-Venture mit Sanan Optoelectronics sehe.

„China ist heute für 15 % unserer Einnahmen verantwortlich. Wir wissen, dass China in einigen Märkten, darunter dem für Siliziumkarbid, der schnellste Wachstumsmarkt sein wird. Daher wird unsere China-Penetration steigen“, zitierte Reuters den CEO.

Gleichzeitig drängen immer mehr chinesische Hersteller auf diesen lukrativen Markt. Mehr als zehn von ihnen haben laut Trendforce bereits mit der Produktion kleiner Serien von 8-Inch-Wafer begonnen: Semisic Crystal Co., Jingsheng Mechanical & Electrical Co., SICC Co., Summit Crystal Semiconductor Co., Synlight Semiconductor Co., TanKeBlue Semiconductor Co, Harbin KY Semiconductor, IV Semitec, Sanan Semiconductor, Hypersics und Yuehajin Semiconductor Materials Co. (sb)

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* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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