Die Sanktions- und Boykott-Drohungen aus den USA gegenüber China sorgen dafür, dass sich die Verantwortlichen der Volksrepublik auf alte Verbündete besinnt - in Seoul hat ein trilaterales Gespräch zwischen China, Südkorea und Japan stattgefunden.
Die Regierungschefs von Südkorea, Japan und China wollen sich wieder regelmäßig zu Gesprächen treffen, um Maßnahmen für den Schutz ihrer Hightech-Lieferketten zu beschließen.
Um sich gegen die Chip- und Technologie-Boykotte aus Washington zu wehren, umwirbt China nun wieder stärker seine asiatischen Nachbarländer Japan und Südkorea. Das erste „trilaterale Gipfeltreffen“ zwischen Beijing, Tokio und Seoul hat vergangene Woche in der südkoreanischen Hauptstadt stattgefunden.
Man wolle gemeinsam „eine transparente und vorhersagbare Umgebung für Handel und die Lieferketten aufbauen“, sagte der südkoreanische Präsident der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge nach dem Treffen.
Diese Aussage ist zwar vage, aber doch ein deutlicher Kontrapunkt zur Politik in Washington, die China international zu isolieren und die Hightech-Lieferketten der Elektronik- und Halbleiterindustrien wieder stärker auf die USA zu konzentrieren versucht.
Das letzte trilaterale Treffen zwischen den drei asiatischen Nachbarn hatte 2019 stattgefunden. Seit der asiatischen Finanzkrise im Jahr 1997 hatte man sich regelmäßig getroffen, um geopolitische Risiken zu minimieren. Die Treffen der Regierungschefs wurden seither von Arbeitstreffen auf Ministerebene und mehr als 70 verschiedenen Dialog-Mechanismen flankiert, hatten in der jüngsten Vergangenheit jedoch in der Folge der Coronakrise und des Handelskrieges der USA gegen China jahrelang auf Eis gelegen.
Gemeinsam gegen Washington?
Nun kam es also zu einer seltenen Wiederauflage dieses trilateralen Dialogs, obwohl sowohl Japan als auch Südkorea enge politische Verbündete der USA sind und von Washington dazu gedrängt werden, sich dessen Strategie der wirtschaftlichen Eindämmung der Volksrepublik China anzuschließen.
Die beiden asiatischen Nachbarländer fürchten, zu Bauernopfern im US-chinesischen Handels- und Chipkrieg zu werden. Gerade die Halbleiterindustrie ist stark in Asien konzentriert, und südkoreanische und japanische Unternehmen haben Milliarden US-Dollar in Produktionsstätten in China investiert und profitieren stark von Exporten nach China.
Es gibt in Asien ein gemeinsames Interesse daran, die Lieferketten in Hightech-Industrien zumindest zu „stabilisieren“, wofür sich die drei Regierungschefs auf einem Forum mit Geschäftsleuten in Seoul im Anschluss an ihre Gespräche jetzt auch öffentlich ausgesprochen haben.
An dem formalen Gipfel in Seoul haben Chinas Ministerpräsident Li Qiang, der südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol und Japans Premierminister Fumio Kishida teilgenommen. Auf der Agenda ihrer Gespräche stand unter anderem die „digitale Kooperation“ zwischen ihren Ländern.
Freihandelsabkommen
Alle drei Regierungschefs haben auf dem Gipfel auch eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein trilaterales Freihandelsabkommen zwischen China, Japan und Südkorea beschlossen. Obwohl bekannt ist, dass sich solche Verhandlungen über Jahre oder Jahrzehnte hinziehen können, ist auch diese Ankündigung ein symbolischer Schulterschluss in Asien, der Washington nicht gefallen dürfte.
Welche wichtige Schlüsselrolle die beiden Nachbarländer aus der Perspektive Pekings innehaben, wenn es um ein Abwehren der Technologie-Boykotte aus Washington geht, zeigt ein Treffen des chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang mit dem Vorstandsvorsitzenden von Samsung, Jay Y. Lee am Rande des Gipfels.
Der chinesische Regierungschef forderte Samsung in dem Treffen auf, mehr in China zu investieren. Samsung, das bereits 24 Milliarden US-Dollar in Produktionsstätten für Memory Chips und Handys in der Volksrepublik China investiert hat, sei dort weiterhin „willkommen“, sagte Li Qiang in seinem Treffen mit dem Samsung-Chef im Shilla-Hotel in Seoul. Der südkoreanische Konzern, einer der führenden Halbleiterproduzenten der Erde, wird derzeit auch stark von Washington umworben.
„Ein weit entfernter Verwandter ist weniger nützlich als ein enger Nachbar“, war einer der Kommentare, mit der Peking um das Wohlwollen seiner Nachbarländer und um Investitionen von Tech-Konzernen wie Samsung warb. Die Lieferketten zwischen China und Südkorea seien „eng miteinander verflochten“, sagte der chinesische Ministerpräsident in Seoul. Wirtschafts- und Handelsfragen sollten nicht politisiert werden, sagte der Chinese in einem klaren Seitenhieb auf Washington.
Alle Optionen offenhalten
Der trilaterale Gipfel sei „ein Wiederanfang und ein Neuanfang“ für die wirtschaftliche Kooperation zwischen China, Südkorea und Japan, sagte der chinesische Ministerpräsident in Seoul. Protektionismus und ein „Decoupling“ von Lieferketten müssten aufhören, so Li Qiang in klarer Anspielung auf die Chinapolitik in Washington.
Stand: 08.12.2025
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Aus der Perspektive Tokios und Seouls, wo man sowohl die wirtschaftlichen Interessen der eigenen Unternehmen in China, als auch diplomatische Verpflichtungen gegenüber Schutzmacht USA bedenken muss, war die Teilnahme an dem Gipfeltreffen eine Möglichkeit, die Gesprächskanäle mit Peking zumindest offenzuhalten und ein gemeinsames Risikomanagement für weitere geopolitische Spannungen nach einer potenziellen Wiederwahl von Donald Trump zum US-Präsidenten später in diesem Jahr zu etablieren. Man versprach in Seoul, sich ab jetzt wieder regelmäßig in diesem trilateralen Format zu treffen. (sb)
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.