Augmented Reality im Fahrzeug-Cockpit AR Deluxe: Xpeng und Huawei überraschen durch gemeinsame HUD-Entwicklung

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Ist das die Zukunft des Armaturenbretts? Xpeng und Huawei haben gemeinsam die gesamte Windschutzscheibe in ein „AR-HUD“ verwandelt. Es zeigt nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ wie Geschwindigkeit und Navi-Pfeile, sondern eine ganze Reihe neuer Sicherheits-Infos, die HUDs bisher noch nicht kannten.

Jüngst kündigte Xpeng die Ultra-Smart-SUVs der Modelle G6 und G9 für Europa an. Der G7 (nicht im Bild) wird vorerst nur auf dem chinesischen Markt veröffentlicht.(Bild:  Xpeng)
Jüngst kündigte Xpeng die Ultra-Smart-SUVs der Modelle G6 und G9 für Europa an. Der G7 (nicht im Bild) wird vorerst nur auf dem chinesischen Markt veröffentlicht.
(Bild: Xpeng)

Das neue Head-up-Display (HUD) heißt „Light Chaser Panorama“ und ist das Ergebnis einer selbst für Industrie-Insider überraschenden Kooperation zwischen dem chinesischen Autohersteller Xpeng und Huawei. Beide Unternehmen konkurrieren in verschiedenen Bereichen und waren sich in der Vergangenheit nicht immer nur grün, wollen nun aber offenbar demonstrieren, dass auch führende Technologie-Unternehmen in China noch von gemeinsamen Anstrengungen profitieren können.

Auf ihrer gemeinsamen Vorstellung des neuen Produktes haben Xpeng und Huawei beeindruckende Videos gezeigt, auf denen das System nicht nur klar sichtbare Informationen über die gesamte Breite der Windschutzscheibe verteilt, ohne die üblichen Kinderkrankheiten von HUD wie Flimmern und Verzögerungen. Nein, auch dank gemeinsam entwickelter Algorithmen werden grafisch dargestellte Sicherheitswarnungen direkt über die Realität hinter der Scheibe projiziert.

Bei reduzierter Sicht durch Regen oder Nebel helfen blaue Linien, denen der Fahrer oder die Fahrerin leicht folgen kann, um die Spur zu halten. Auch der Abstand zum Fahrzeug davor wird angezeigt, Warnungen vor Menschen in der Nähe der Fahrbahn oder von links und rechts näher kommenden Autos.

„Das Sicherheits-System geht weiter als existierende HUD, indem es potenzielle Gefahren wie das plötzliche Auftauchen von Fußgängern, Risiken durch tote Winkel und schwierige Wetterbedingungen identifiziert, und so letztlich ein umfassendes Sicherheitsnetz rund um das Fahrzeug spannt“, schreibt Inside Auto China.

Revolution auf vier Rädern

Huawei, das seit seiner Anfeindung durch die USA viel Geld in Richtung automobiler Zulieferer investiert und ein Team mit mehreren Tausend Entwicklern dafür beschäftigt, hat die Hardware zu verantworten. Die setzt im Hinblick auf Klarheit und Helligkeit neue Standards für HUD.

Angaben der zwei Hersteller zufolge hat ihr neues AR-HUD eine Kontrast-Ratio von 1800:1 und leuchtet mit mehr als 12.000 nits und dies auf einer Fläche von 2,2 Metern – also weit bis ins Sichtfeld auch des Beifahrers hinein, was die Darstellung von mehreren Infoblöcken gleichzeitig ermöglicht.

Xpeng wiederum habe seine KI-gestützten End-to-End-Algorithmen für die Fahrassistenz und autonome Fahrfunktionen beigesteuert, schreibt das chinesische Autoportal Gasgoo. Auch Gasgoo äußert sich begeistert. „Das revolutionäre System repräsentiert die erste echte Integration von KI-getriebener Fahrassistenz mit HUD-Technologie“, kommentiert das üblicherweise recht kritische Fachmedium.

Das Ergebnis der Kooperation dieser beiden Unternehmen sei „die erste Navigation auf Fahrspur-Niveau mit Augmented Reality“, schreibt Inside China Auto. Xpeng selbst spricht von der „weltweit ersten HUD-Lösung, die smartes Fahren mit KI integriert“. Das erste Modell, in dem dieses AR-HUD erhältlich sein wird, ist das später in diesem Jahr auf den Markt kommende Elektro-SUV „G7“ von Xpeng. Es wird Medienberichten zufolge ca. 250.000 Yuan (rund 30.000 Euro) kosten. Der Vorverkauf hat am 11. Juni 2025 begonnen und ist vorerst auf China beschränkt.

Kritische Stimmen

Bei der Frage, ob über die gesamte Breite der Windschutzscheibe verteilte Zahlen und Pfeile nun eine Erleichterung für die Fahrer oder eine große Ablenkung sind, dürften sich die Geister scheiden. „Wenn sich das alltägliche Autofahren anfühlt, als ob man in dem Videospiel lebt“, kommentierte Techradar das neue Produkt.

Huawei und Xpeng insistieren aber, dass ihr neues AR-HUD klar die Fahrsicherheit erhöhen wird. Durch die nahtlose Überlagerung der realen Umgebung mit digitalen Navigationsinfos müsse der Fahrer nicht mehr den Blick senken, was ihm bessere und schnellere Entscheidungen ermögliche, argumentieren die beiden Hersteller. In der für sie typischen Ironie verweisen die Auto-Experten des britischen Magazins „Top Gear“ darauf, dass das neue Mega-HUD-Display nicht nur vor Gefahren an unübersichtlichen Stellen warnen könne, sondern auch vor „äh, zerstreutem Fahrverhalten“. (sb)

(ID:50456244)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung