Auf der Auto Shanghai 2025 zeigt sich die Zukunft des Fahrzeuginnenraums: Statt klassischer Bildschirme verwandeln Holografie und intelligente Glasflächen das Cockpit in eine interaktive Erlebniswelt. Der deutsche Optikspezialist Zeiss micht kräftig mit.
Mit dem holografischen, transparenten Display bieten sich laut der Entwickler bei Zeiss zahlreiche neue Darstellungsformen auf der Windschutzscheibe und anderen Glasflächen.
(Bild: Zeiss)
Auf der Auto Shanghai 2025 in Halle 1.2 am Stand 1BG060 hat sich eine Menschentraube gebildet. Die Besucher bestaunen dort ein futuristisches Fahrzeugmodell. Es gibt keinen Bildschirm im Cockpit. Stattdessen leuchten die Windschutzscheibe und die Seitenscheiben selbst auf und zeigen alle möglichen Informationen. Navigationspfeile und Fahrdaten wie die Geschwindigkeit schweben vorn direkt auf dem Glas. Über die Seitenscheibe flimmert ein farbenfrohes Video.
Der deutsche Optik-Hersteller Zeiss nennt das ausgestellte Gefährt seinen „1:1-Demonstrator“. Hier sollen die Besucher eine Neuigkeit ausprobieren, die künftig die Welt der Instrumenten-Displays im modernen E-Auto revolutionieren könnte. Das Stichwort heißt Holografie. Die neue Technologie verwandelt „Fahrzeugglas in eine interaktive Komfort-, Sicherheits- und Informationsschnittstelle“, kündigt Zeiss in der Presseerklärung zu dieser Demonstration an. Das Interesse ist groß.
Vom Smart Display zum Smart Glass
In den vergangenen Jahren hatten immer größere Anzeigen die Cockpits der neuen „Smart Cars“ dominiert. Diese Ära könnte nun aber bald enden. Ein chinesisches Fachportal kommentiert, dass die Verbreitung traditioneller Riesenbildschirme im Auto dem Markt nicht mehr genügt. Er rufe nach „bahnbrechenden Innovationen“. Tatsächlich kündigt sich in Shanghai so etwas wie ein Paradigmenwechsel an.
Hersteller stapeln nicht mehr Bildschirme ins Cockpit, sondern lassen sie komplett verschwinden. Die Anzeige wandert auf das ohnehin vorhandene Glas. Zeiss, derzeit weltweit einziger Anbieter holografischer Mobilitäts-Lösungen, richtet sich mit dem Messeauftritt gezielt an den dynamischen chinesischen Markt. Das Ziel der neuen „Multifunctional Smart Glass“-Technologie sei, das Konzept Fahrzeugglas gänzlich neu zu denken und es als interaktive Schnittstelle für Information, Kommunikation und Sicherheit zu etablieren, sagt der Zeiss-Manager Dr. Roman Kleindienst im Pressetext seines Unternehmens.
Konkret nennt Zeiss drei Anwendungsbereiche für die Holografie im Auto. Die Windschutzscheibe dient als durchsichtiges Head-up-Display. Seitenfenster verwandeln sich in Entertainment-Displays. Und Glasflächen können nahezu unsichtbare Kameras für Sicherheit und Assistenzsysteme integrieren. Die Geschwindigkeit, Navigationshinweise oder Warnmeldungen könne der Fahrer so direkt auf der Windschutzscheibe ablesen, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. Das holografische Frontscheiben-Display von Zeiss erreicht Angaben des Herstellers zufolge über 12.000 Nits Helligkeit und mehr als 95 Prozent Transparenz. Das Ganze erhöhe die Sicherheit beim Fahren, versichern Experten.
Glasklare Anzeige
Selbst bei grellem Sonnenlicht bleiben die virtuellen Anzeigen so angeblich klar erkennbar, während der freie Blick nach draußen unbeeinträchtigt bleibt. Der gesamte Projektionsapparat beansprucht weniger als einen Liter Volumen. Damit entfallen auch klobige Instrumententafeln, und Designer gewinnen neue Freiheiten für aufgeräumte Innenräume mit minimalistischem Design. Auch die Seitenfenster erhalten so eine neue Funktion. Sie dienen nun als Bildfläche für Fond- und Beifahrer. Autos werden ohnehin zunehmend als „dritter Lebensraum“ neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz verstanden, in dem immer mehr personalisierte, interaktive Erlebnisse gefragt sind.
Über die neuen Bildschirme können Passagiere HD-Videos streamen, in sozialen Netzwerken surfen, Spiele spielen oder an Videokonferenzen teilnehmen. All das fügt sich harmonisch ins Wageninnere ein und schafft so ein modernes Tech-Ambiente. Als weiteres Highlight zeigt Zeiss Kameras, die ins Glas integriert sind. Mithilfe holografischer Lichtleiter-Technologie werden optische Sensoren nahezu unsichtbar in die Fensterflächen eingebettet. Über 95 Prozent Transparenz sorgen dafür, dass die Kameras, obwohl kaum sichtbar, dennoch hochauflösende Bilddaten liefern.
Eine in die Windschutzscheibe integrierte Kamera kann die Mimik des Fahrers erfassen, seine Aufmerksamkeit überwachen und gleichzeitig die Außenumgebung für Assistenzsysteme scannen. Auch Videoanrufe auf Augenhöhe der Insassen sind möglich, da in die Seitenscheibe eingelassene Kameras direkte Blickkontakte erlauben.
Stand: 08.12.2025
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Freiheit für das Armaturenbrett
All diese Entwicklungen sind Teil einer umfassenderen Trendwende. Die Armaturen entwickeln sich vom Hardware-Overkill im Cockpit hin zu einer digitalen Anzeige, die nur bei Bedarf sichtbar wird. Die transparente Displaytechnologie könne als neue Generation der Interaktion Mensch-Maschine gelten, die Science-Fiction mit Realität verschmelzen lässt, urteilt ein chinesisches Fachportal. Holografische Displays – ob als Head-up-Display, als Fensteranzeige oder als frei im Raum schwebendes Bild – werden als Game-Changer für das Design zukünftiger Fahrzeug-Innenräume angepriesen.
Die Technologie basiert auf innovativer Optik. Spezielle flache Linsen mit negativer Brechung und Lichtfeld-Rekonstruktion bündeln das Licht so, dass ein in der Luft frei schwebendes Bild entsteht. Es sieht so aus, als schwebe etwa ein Tacho direkt vor dem Fahrer. In Kombination mit berührungslosen Bedienelementen können Fahrer und Passagiere sogar mit diesen virtuellen Bildern interagieren, als drückten sie reale Knöpfe. Holografie wird also zu einem integralen Bestandteil neuer Bedienkonzepte.
Chinesische Unternehmen mischen schon kräftig in diesem neuen Segment für Zulieferer mit. Zwar noch nicht mit Holografie für die Hauptarmaturen, aber über Technologien mit ähnlichem Effekt.
Kontaktlose Bedienung
Easpeed präsentiert ein kontaktloses Anzeige-System, das fünf verschiedene Anwendungen kombiniert. Dazu zählen ein schwebendes 3D-Kombi-Instrument, ein virtueller Sprachassistent, ein holografisches Entertainment-Display für den Beifahrer, eine Bedieneinheit für Passagiere auf dem Rücksitz sowie Projektionen auf den Rückseiten der Vordersitze. Ein weiterer Vorreiter ist Shenzhen Photonic Crystal, bekannt für das Produkt „NanoAR“. Das Unternehmen zeigt auf der Messe in Shanghai dieses Mal ebenfalls eine neue transparente Displaytechnologie für Fahrzeuge.
NanoAR verspricht, herkömmliches Autoglas und andere Fensterscheiben in hochauflösende Bildschirme zu verwandeln. Dabei gibt es zwei Varianten. Eine bietet extrem hohe Transparenz bei starker Leuchtkraft und eignet sich für Frontscheiben, Panorama-Dächer und Seitenfenster. Die zweite Variante ist auf maximale Miniaturisierung ausgelegt und bleibt unter einem Volumen von einem Liter. Laut CTO Dr. Wang Yongjing waren kleine Sichtfelder, großer Bauraumbedarf und geringe Helligkeit bisher die Schwachpunkte von Smart-Cockpit-Displays. Mit der firmeneigenen NanoAR-Technologie wolle man diese Hürden nun überwinden. Das erklärte Ziel lautet, „jedes Fenster zum Bildschirm zu machen“.
Diese transparente Revolution im Auto kommt zu einem Zeitpunkt, in dem Chinas Display-Industrie immer stärker traditionelle Platzhirsche aus Südkorea herausfordert. Samsung und LG arbeiten mit Hochdruck an neuen OLED-Technologien, etwa an dehnbaren und transparenten Bildschirmen, um dem Vormarsch chinesischer Konkurrenten zu begegnen. Im Jahr 2024 lagen Samsung und LG im globalen OLED-Markt noch vorn. Doch Unternehmen wie BOE und Visionox holen rasant auf. BOE investiert gerade mehr als 60 Milliarden Yuan (rund 7,3 Mrd. Euro) in eine neue OLED-Großfabrik, die ab 2026 produzieren soll. Auf der Auto Shanghai 2025 wird also möglicherweise deutlich, wohin die Reise geht. Das Fahrzeugcockpit der Zukunft könnte transparent sein. Klassische Bildschirme könnten verschwinden. Holografie und intelligente Glasflächen sind im Kommen. (sb)