Spezialglas im Auto Von der Windschutzscheibe zum Solardach: der Einsatz von Hochleistungsglas

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Hightech-Glas im Fahrzeug bietet nicht nur ästhetische, sondern auch ganz praktische Vorteile. So lassen sich beispielsweise Sensoren hinter dem Spezialglas verbauen oder Solarzellen integrieren. Auf der diesjährigen IAA Mobility präsentiert AGC die verschiedenen Möglichkeiten.

Glas im und am Fahrzeug: Vom Solardach, über die Windschutzscheibe bis zum Spezialglas für Radar und Lidar.(Bild:  AGC)
Glas im und am Fahrzeug: Vom Solardach, über die Windschutzscheibe bis zum Spezialglas für Radar und Lidar.
(Bild: AGC)

Glas im Fahrzeug ist nicht neu, sogenanntes Hochleistungsglas allerdings schon. Denn es spielt eine entscheidende Rolle, weit über den Einsatz für Scheiben hinaus. Dieses spezialisierte Glas unterscheidet sich von gewöhnlichen Glas durch Eigenschaften wie erhöhte Festigkeit, verbesserte optische Eigenschaften oder multifunktionale Anwendungen zur Sicherheit und des Komforts.

Hochleistungsglas wie das von AGC Automotive Europe kommt beispielsweise in Fahrerassistenzsystemen oder autonomen Fahrzeugen zum Einsatz. Mit Technologien wie p-polarisierten Head-up-Displays sorgen es für Schärfe und Leistung, während das spezielle Glas auch für Solardächer von Fahrzeugen zum Einsatz kommt. Auf der diesjährigen IAA Mobility zeigt AGC, wie es mit seinen speziellen Gläsern die Automobilwelt prägt und die neue Mobilität mitgestaltet.

Bildergalerie

Die Windschutzscheibe als Head-up-Display

Die polarisierte Windschutzscheibe mit dem schwarzen Emailleband am unteren Rand.(Bild:  AGC)
Die polarisierte Windschutzscheibe mit dem schwarzen Emailleband am unteren Rand.
(Bild: AGC)

Ein Highlight ist die Windschutzscheibe mit p-polarisiertem „Black Band“ Head-up-Display (HUD). Mit dieser Technik werden Probleme wie das Ghosting und die Inkompatibilität mit polarisierten Sonnenbrillen kein Problem. Ein schwarzes Emailleband am unteren Rand der Windschutzscheibe dient als Projektionsfläche und garantiert zusammen mit einer p-polarisierten Lichtquelle selbst bei ungünstigen Lichtverhältnissen ein scharfes Bild bei hohem Kontrast. Bereits 2025 wird diese Windschutzscheibe in einem Modell einer deutschen Premium-Automarke verbaut.

Eine weitere Entwicklung ist das sogenannte FeellnGlass Reflective Blade für HUDs, das traditionelle Bildschirme mit Windschutzscheiben-HUDs kombiniert und nahtlos in das Cockpit integriert werden kann. Diese Lösung bietet nicht nur eine luxuriöse Ästhetik, sondern entspricht auch allen Sicherheitsanforderungen. Es lässt sich direkt in das Cockpit integrieren, was den Austausch der Windschutzscheibe überflüssig macht und eine nahtlose Integration in das Armaturenbrett ermöglicht. Die Reflective Blade verwendet dünnes bis ultradünnes Glas, mit Dicken von 0,5 bis 2,1 mm.

Panorama-Solardach

Das Solardach mit rückseitenkontaktierten Solarzellen.(Bild:  AGC)
Das Solardach mit rückseitenkontaktierten Solarzellen.
(Bild: AGC)

Neben dem Spezialglas für Windschutzscheibe und HUD bietet AGC ein Panorama-Solardach für die Elektromobilität an. Es vereint rückseitenkontaktierte Hochleistungs-Solarzellen mit ansprechendem Design. Die Solardächer sorgen für Energiegewinnung und steigern damit Fahrkomfort und Energieautarkie. Dabei handelt es sich um Verbundglas mit integrierten Solarzellen, die auch bei einer Teilverschattung noch Energie gewinnen. Gerade für Panoramadächer interessant: Optionale Low-E- und IR-Beschichtung für geringere Heiz- und Klimakosten, höhere Kopffreiheit und verbesserte UV-Schutzfunktion. Die Lichtdurchlässigkeit kann durch den Abstand und die Dichte der verbauten Solarzellen individuell angepasst werden. Dabei ist transparent bis teiltransparent möglich.

Autonomes Fahren mit Lidar

Lidar-Sensor hinter der Windschutzscheibe. Dank des Spezialglases mit der Wideye-Technik lasen sich neben Lidar-Sensoren Kameras und Radar verbauen. Das Glas ist speziell für die maximale Durchlässigkeit entwickelt. (Bild:  AGC)
Lidar-Sensor hinter der Windschutzscheibe. Dank des Spezialglases mit der Wideye-Technik lasen sich neben Lidar-Sensoren Kameras und Radar verbauen. Das Glas ist speziell für die maximale Durchlässigkeit entwickelt.
(Bild: AGC)

Mit der Wideye-Technik von AGC lassen sich Kameras, Radar und Lidar hinter eine Scheibe oder anderen Stellen im Fahrzeug verbauen. Drei Hauptansätze stehen im Fokus: die Integration im Fahrzeugdach, Panorama-Glasdächern und hinter der Windschutzscheibe. Das Wideye-Glas ist speziell für eine maximale Durchlässigkeit von Nahinfrarotlicht (Lidar) entwickelt – laut AGC wird die IR-Transmission im Vergleich zu herkömmlichem Automobilglas um über 20 % gesteigert. Damit wird die Reichweite der Lidar-Sensoren erhöht. Im Gegensatz zu Polycarbonat- oder Kunststoffabdeckungen ist Wideye-Glas langlebiger und UV-beständig. Es bleibt langfristig klar und vergilbt nicht.

Von transparent zu blickdicht

Wonderlite ist in der Lage, Glasflächen von transparent auf blickdicht umzuschalten.(Bild:  AGC)
Wonderlite ist in der Lage, Glasflächen von transparent auf blickdicht umzuschalten.
(Bild: AGC)

Schließlich zeigt AGC seinen Digital Curtain Wonderlite. Dahinter verbirgt sich eine Lichtsteuerung für Fahrzeugscheiben und Interieur-Glasflächen. Per Knopfdruck lassen sich Glasflächen schnell von transparent auf blickdicht wechseln. Dazu wird eine elektrische Spannung angelegt, um die Transparenz des Glases zu steuern. Die Schaltzeiten liegen laut Hersteller unter einer Sekunde.

Bei Anwendung an den Seitenfenstern verwandelt sich der Innenraum in einen privaten Bereich, der vor Blicken geschützt ist. Bei Bedarf wechselt das schaltbare Glas unmittelbar von einem opaken Schwarz zu voller Transparenz. Interessant ist die Möglichkeit der Segmentierung, mit der die Fahrgäste ihre individuelle Komfortzone noch genauer einstellen können. So kann beispielsweise ein Teil der Verglasung abgedunkelt werden, während ein anderer Teil transparent bleibt. (heh)

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