Die Arbeitswelt 2020 Worauf sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber einstellen müssen
Vor 20 Jahren galten acht Arbeitsstunden an fünf Tagen sowie ein lebenslanger Arbeitgeber noch als Selbstverständlichkeit. Inzwischen gibt es in Deutschland 900.000 befristete Arbeitsverhältnisse. Worauf sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der Elektronik-Branche einstellen müssen, wenn sie 2020 noch erfolgreich sein wollen, diskutierten Vertreter namhafter Unternehmen auf der electronica 2010.
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An der Gesprächsrunde, die von der Karriereplattform semica initiiert wurde, beteiligten sich Brancheninsider von Arrow Central Europe, Betrandt, Elmos Semiconductor, Leoni Special Cables sowie SchuhEder Consulting.
Befristete Arbeitsverhältnisse werden zunehmen, sind aber nicht per se schlechter als unbefristete
Befristete Arbeitsverhältnisse und Teilzeit gehören bereits heute zum Arbeitsalltag. Sie werden etwa bei Leoni und Elmos genutzt, um Peaks abzudecken und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Doch je mehr Zeit die Einarbeitung eines Mitarbeiters in Anspruch nimmt, desto größer sind die Bedenken bezüglich einer Teilzeitarbeit. Alle Diskussionsteilnehmer sind sich einig, dass insbesondere das Knowhow von Mitarbeitern einen erheblichen Wettbewerbsvorteil darstellt.
Es gelte, so Sandra Fischer (Bertrandt), den Ingenieur zu hegen und zu pflegen und so Knowhow zu erhalten.
Ob Zeitarbeit oder nicht muss für einzelne Unternehmensbereiche oder Projekte flexibel bestimmt werden. So können sich die Diskussionsteilnehmer Zeitarbeitsverhältnisse im Backoffice vorstellen, nicht jedoch im Verkauf und in der Entwicklung. „Denn hier ist der Mitarbeiter das erste Gesicht des Unternehmens zum Kunden hin“, wie Susanne Delmer (Arrow) betont.
Die Diskussionsteilnehmer sehen die Zeitarbeit nicht nur positiv für Unternehmen, sondern auch für Arbeitnehmer, insbesondere für die Berufseinsteiger unter den Elektroingenieuren: Zeitarbeitsfirmen würden nämlich auch solchen Hochschulabsolventen eine Chance geben, die im Abschlusszeugnis nicht gerade die besten Noten vorweisen können und die deshalb bei Bewerbungen um eine Festanstellung oft das Nachsehen haben.
Mobilität und Flexibilität werden in der Arbeitswelt 2020 verstärkt gefordert
Mobilität und örtliche wie geistige Flexibilität sind heute bereits Basis der Arbeitswelt. Das Home-Office wird 2020 wesentlich stärker vertreten sein als heute, was jedoch sowohl von Arbeitnehmern als auch von Arbeitgebern mehr Flexibilität fordert.
Arbeitnehmer müssen in Zukunft noch mehr Bereitschaft zu Ortswechsel zeigen. Dabei stellten die Diskussionsteilnehmer fest, dass selbst Arbeitnehmer mit Familie einen befristeten Auslandsaufenthalt eher in Kauf nehmen, als einen Umzug innerhalb von Deutschland. Der Grund: Einen Auslandsaufenthalt verbinden Arbeitnehmer mit einem Karrieresprung - nicht jedoch einen Umzug innerhalb Deutschlands. Hier, so die Diskussionsteilnehmer, ist ein Umdenken bei den Arbeitnehmern erforderlich.
Nicht nur Arbeitnehmer, auch Arbeitgeber müssen flexibler werden
Mehr Flexibilität wird im Jahr 2020 nicht nur von den Arbeitnehmern gefordert. Auch die Arbeitgeber müssen ihren Beitrag leisten: Wer gute Mitarbeiter halten möchte, muss mehr Bereitschaft zum Homeoffice zeigen und verstärkt auf moderne Kommunikationsmittel wie Videokonferenzen setzen. Denn diese entkoppeln eine Arbeitsstelle von Ort und Zeit.
Doch auch in der Arbeitswelt der Zukunft lässt sich nicht jede Tätigkeit via Homeoffice erledigen. Bereits heute pendeln etliche Arbeitnehmer am Wochenende etliche 100 Kilometer zwischen Arbeitsplatz und der Familie hin und her. „Hier müssen Unternehmen mehr Bereitschaft zu einer flexiblen Arbeitszeit zeigen, um eine Abreise Freitag Nachmittag und die Anreise Montag Vormittag zu ermöglichen“, betont Barbara Graf, deren Arbeitgeber Leoni dieses Konzept bereits heute erfolgreich praktiziert.
Auch soziale Unterstützung wie Kindergärten werden für Arbeitnehmer immer wichtiger.
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