Leaders in Electronics „Wir müssen die Simulation demokratisieren“ – Thorsten Koch von COMSOL über die Zukunft von Simulation

Von Maria Beyer-Fistrich 12 min Lesedauer

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Simulationen sind heute in Forschung, Entwicklung und Produktion unverzichtbare Werkzeuge, die von der Effizienz moderner Algorithmen und zunehmenden Rechenkapazitäten profitieren. Doch trotz der technischen Fortschritte bleibt die Anzahl qualifizierter Simulationsexperten begrenzt – ein entscheidender Engpass, den COMSOL-Geschäftsführer Thorsten Koch in Angriff nimmt.

Der Einsatz von COMSOL ermöglicht Simulation und Modellierung über die Simulationsabteilung hinaus. Durch Simulations-Apps werden Entwickler, Konstrukteure und Produzierende in den Simulationsprozess eingebunden.(Bild:  Comsol)
Der Einsatz von COMSOL ermöglicht Simulation und Modellierung über die Simulationsabteilung hinaus. Durch Simulations-Apps werden Entwickler, Konstrukteure und Produzierende in den Simulationsprozess eingebunden.
(Bild: Comsol)

ELEKTRONIKPRAXIS: Welche Grenzen hat Simulation?

Thorsten Koch: Das ist eine sehr komplexe Frage, da sie verschiedene Aspekte umfasst. Grundsätzlich stoßen wir bei der Simulation an Grenzen, die sowohl durch die Rechenkapazitäten als auch durch die Algorithmen gesetzt werden. Aber ich denke, der größte und praxisnähere limitierende Faktor ist heute die Verfügbarkeit von Simulationsexperten. Wir befinden uns in einer Zeit, in der enorme Rechenkapazitäten zur Verfügung stehen und die Algorithmen, die die Simulationen antreiben, unglaublich leistungsfähig geworden sind.

Dennoch gibt es nicht genug Experten, die in der Lage sind, diese Software effizient zu nutzen. Dies ist besonders in den Bereichen problematisch, die eher alltägliche Simulationsaufgaben betreffen. Die vorhandenen Experten sind oftmals sehr stark ausgelastet, sodass viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, diese Ressourcen angemessen einzusetzen.

Thorsten Koch(Bild:  Comsol)
Thorsten Koch
(Bild: Comsol)

Um dem entgegenzuwirken, haben wir uns vor einigen Jahren intensiv Gedanken gemacht, wie wir diese Situation verbessern können. Unser Ansatz ist es, Simulationen breiter zugänglich zu machen – nicht nur für die klassischen Simulationsexperten, sondern auch für Ingenieure und Fachleute in anderen Abteilungen. Hier kommen sogenannte Simulations-Apps ins Spiel. Diese ermöglichen es, Simulationsanwendungen auf einfache Weise in den Arbeitsalltag zu integrieren, sodass auch Nicht-Experten Simulationen selbst durchführen können. Wir sind davon überzeugt, dass dies ein wichtiger Teil der Lösung ist.

Wie wirken sich die geopolitischen Spannungen auf die Geschäftsbeziehungen und den Softwarevertrieb bei COMSOL aus? Sehen Sie eine Notwendigkeit, Ihre Marktstrategien neu zu strukturieren oder zu diversifizieren?

Glücklicherweise sind wir als COMSOL-Gruppe hier bereits sehr gut aufgestellt. Wir sind weltweit in zahlreichen Ländern und auf verschiedenen Kontinenten mit Niederlassungen vertreten. Eine dieser Niederlassungen ist die deutsche, die ich leite. Jede dieser Niederlassungen ist eng in den jeweiligen lokalen Markt integriert, was uns eine stabile Basis bietet.

Unser Produktportfolio, die Multiphysics-Simulationssoftware, ist zudem von Natur aus sehr divers aufgestellt, da wir damit ingenieurwissenschaftliche, naturwissenschaftliche und auch pharmatechnische Fragestellungen adressieren können. Diese Breite ermöglicht es uns, flexibel auf unterschiedliche Marktanforderungen und geopolitische Veränderungen zu reagieren.

Für den deutschen Markt heißt das für mich konkret, dass wir uns verstärkt darauf konzentrieren, unseren Kunden bei den aktuellen Herausforderungen zu helfen – seien es die Energiewende, die Elektrifizierung oder andere Transformationsprozesse. Mit unserer Software bieten wir leistungsstarke Lösungen, um innovative Ideen zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Das sehe ich auch als unsere Verantwortung: unseren Kunden in diesen turbulenten Zeiten zur Seite zu stehen.

Wie beurteilen Sie die aktuelle politische Situation in Europa und deren Auswirkungen auf die Softwarebranche? Welche politischen Maßnahmen wären Ihrer Meinung nach notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Softwareunternehmen in Deutschland und Europa zu stärken?

Meine Antwort wird hier wahrscheinlich wenig überraschend sein. Zunächst einmal sollten wir uns regelmäßig auf unsere Stärken besinnen. Gerade in den Bereichen, in denen wir tätig sind – also Forschung und Entwicklung – hat Europa traditionell eine starke Position. Wir haben hier eine lange Tradition und umfassende Expertise aufgebaut. Aber das darf keineswegs zu Selbstzufriedenheit führen. Im Gegenteil, wir müssen weiter vorangehen.

Das bedeutet vor allem, dass mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung notwendig sind – sowohl durch die öffentliche Hand als auch durch die Unternehmen selbst. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen, um Innovationen zu fördern. Was ich mir in diesem Zusammenhang wünsche, ist deutlich mehr Geschwindigkeit bei der Umsetzung solcher Maßnahmen.

Ein konkretes Beispiel ist der Ausbau der digitalen Infrastruktur: Ein leistungsfähiges Netz, das flächendeckend verfügbar ist, ist heute eine Grundvoraussetzung. Hier besteht in Europa eindeutig Nachholbedarf. Mehr Tempo bei der Umsetzung solcher Projekte wäre ein entscheidender Faktor, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen nachhaltig zu sichern.

Wie stehen Sie dann zu den milliardenschweren Subventionen, die aktuell verteilt werden?

Das ist tatsächlich eine gute Frage, aber ich habe darauf keine wirklich eindeutige Antwort.

Lassen Sie uns dann über die strategischen Ziele von COMSOL sprechen: Welche Pläne haben Sie für die nächsten fünf bis zehn Jahre? Gibt es Bestrebungen, in neue Märkte oder Anwendungsbereiche zu expandieren?

Schauen wir zunächst auf die nächsten fünf Jahre, das ist in unserer Branche ein überschaubarerer Zeitraum. Unser Hauptfokus liegt darauf, unsere bestehenden Stärken weiter auszubauen. Wie bereits erwähnt, sind wir aufgrund unseres Multiphysics-Ansatzes schon sehr breit aufgestellt. In den kommenden Jahren wollen wir unsere Algorithmen weiterentwickeln, ihre Leistungsfähigkeit steigern und die Grenzen in verschiedenen Anwendungsbereichen noch weiter verschieben.

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Das ist ein kontinuierlicher Prozess, der uns bereits seit jeher begleitet und auch weiterhin im Zentrum unserer Arbeit stehen wird. Ein wichtiger Aspekt dabei ist es, genau auf die Bedürfnisse unserer Kunden zu hören. Dies tun wir seit jeher und werden diesen Ansatz auch beibehalten. Gleichzeitig verfolgen wir das Ziel, Simulationen noch zugänglicher zu machen, was oft als Demokratisierung der Simulation bezeichnet wird.

Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist unser Simulations-App-Ansatz. Hierdurch möchten wir die Einstiegshürden senken und den Zugang zu unseren Lösungen für Anwender so einfach wie möglich gestalten – unabhängig davon, ob es sich um Simulationsexperten oder Fachleute aus anderen Bereichen handelt.

COMSOL ist für sein leistungsstarkes Multiphysics-Softwarepaket bekannt. Welche neuen Technologien und Entwicklungen im Bereich Simulation und Modellierung halten Sie für die Zukunft des Unternehmens für besonders vielversprechend und warum?

Da gibt es einige spannende Entwicklungen. Besonders hervorzuheben ist sicherlich die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI), die gerade in aller Munde ist. Wir sehen bereits erste Schritte in diese Richtung. In der letzten Version unserer Software, die Ende des vergangenen Jahres veröffentlicht wurde, haben wir beispielsweise die sogenannte Ersatzmodelle-Technologie eingeführt. Diese Technologie nutzt neuronale Netze, um Simulationsergebnisse erheblich schneller zur Verfügung zu stellen. Das ermöglicht deutlich verkürzte Berechnungszeiten, was besonders in zeitkritischen Anwendungsfällen ein großer Vorteil ist. Das ist ein erster Schritt, aber das Potenzial in diesem Bereich ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Ein weiterer Trend sind die sogenannten Large Language Models und KI-gestützte Automatisierungen, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Auch hier sehen wir großes Potenzial für unsere Branche. Bereits jetzt können diese Modelle über unsere API, die COMSOL API, automatisierte Modellierungsprozesse übernehmen oder zumindest unterstützen, um die Entwicklungszeiten zu verkürzen. Das ist erst der Anfang, aber es zeigt, wie solche Technologien helfen können, den aktuellen Engpass an qualifizierten Simulationsexperten zu überbrücken. Wenn wir es schaffen, dass bestehende Experten durch solche Tools effizienter und schneller arbeiten können, könnten wir das volle Potenzial der verfügbaren Rechenkapazitäten besser ausschöpfen.

Diese Entwicklungen werden in Zukunft entscheidend dazu beitragen, die Simulationserstellung zu vereinfachen und unsere Kunden bei ihren Projekten noch besser zu unterstützen.

Wie integriert COMSOL Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein in seine Geschäftsstrategie?

Das Thema Nachhaltigkeit spielt für uns eine wichtige Rolle und hat viele Facetten. Zum einen haben wir einen Verhaltenskodex, der die Grundlage für unser Handeln bildet. Alle unsere Mitarbeiter weltweit werden regelmäßig geschult, um sicherzustellen, dass wir nach ethischen und nachhaltigen Prinzipien arbeiten.

Mit dieser Simulations-App einer Batteriezelle können Zellspannung, Leerlaufspannung und Innenwiderstands im Rahmen eines Batterietestzyklus in Echtzeit vorhergesagt werden. Solche Apps werden von COMSOL-Anwendern selbst erstellt und mit einem Klick und zu eigenständigen Programmen kompiliert, die dann ohne COMSOL Installation und Lizenz beliebig im Unternehmen oder darüber hinaus genutzt werden können.(Bild:  Comsol)
Mit dieser Simulations-App einer Batteriezelle können Zellspannung, Leerlaufspannung und Innenwiderstands im Rahmen eines Batterietestzyklus in Echtzeit vorhergesagt werden. Solche Apps werden von COMSOL-Anwendern selbst erstellt und mit einem Klick und zu eigenständigen Programmen kompiliert, die dann ohne COMSOL Installation und Lizenz beliebig im Unternehmen oder darüber hinaus genutzt werden können.
(Bild: Comsol)

Ein weiterer Aspekt ist der direkte Einfluss unserer Produkte. Unsere Simulationssoftware ermöglicht es unseren Kunden, umweltfreundliche Technologien zu entwickeln und neue Ideen zu erforschen, die den ökologischen Fußabdruck reduzieren. Sei es durch die Optimierung von Produkten, die Untersuchung von Materialeigenschaften oder die Entwicklung innovativer, umweltschonender Technologien – dies ist aus meiner Sicht unser größter Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Gleichzeitig bedeutet Nachhaltigkeit für uns auch, im Kleinen bewusste Entscheidungen zu treffen. Obwohl wir keine energieintensiven Produktionsprozesse haben, können wir durch einfache Maßnahmen wie das Ausschalten der Computer nach Feierabend oder die Reduktion von Ressourcenverbrauch ebenfalls einen positiven Beitrag leisten.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die zählen.

Genau.

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Ihre Geschäftsprozesse? Welche Rolle spielt Industrie 4.0 in Ihrer Softwareentwicklung und im Vertrieb und welche Vorteile geben Sie an Ihre Kunden weiter?

Industrie 4.0 ist für uns ein äußerst spannendes Thema. Ich habe bereits die Simulations-Apps und die Ersatzmodelle erwähnt, die wir kürzlich in unsere Software integriert haben. Diese beiden Technologien zusammen bieten hervorragende Möglichkeiten, um Konzepte wie digitale Zwillinge in die Praxis umzusetzen. Ein zentraler Bestandteil von digitalen Zwillingen sind physikbasierte Simulationsmodelle – genau hier liegen unsere Stärken.

Durch die Kombination von Simulations-Apps, die mit den neuen Ersatzmodellen beschleunigt werden, haben wir eine Lösung geschaffen, die für Industrie 4.0-Anwendungen noch nützlicher geworden ist. So können Unternehmen beispielsweise ihre physischen Prozesse in Echtzeit überwachen, optimieren und Vorhersagen treffen. Wir sind gespannt darauf, bald erste Erfahrungsberichte von unseren Kunden zu erhalten, wie sie diese neuen Möglichkeiten in ihren Produktionsumgebungen nutzen.

Für uns ist das ein Bereich, der sich dynamisch weiterentwickelt und in dem wir künftig eine wichtige Rolle spielen wollen. Es ist spannend zu sehen, wie diese Technologien in der Praxis eingesetzt werden, und wir hoffen, unseren Kunden damit einen echten Mehrwert bieten zu können.

Wie stellt COMSOL sicher, in einem wettbewerbsintensiven Umfeld weiterhin innovativ zu bleiben? Gibt es spezielle Initiativen oder Programme zur Förderung von Innovationen innerhalb des Unternehmens?

Ich würde sagen, Innovation ist bei uns Teil des gelebten Alltags. Wir haben sehr talentierte Mitarbeiter in allen Bereichen des Unternehmens, nicht nur in der Entwicklung. Uns war es immer wichtig, auf allen Ebenen Feedback einzuholen und dieses in die Weiterentwicklung unserer Produkte einfließen zu lassen.

Kundenorientierte Entwicklung ist ein zentraler Bestandteil unserer Strategie. Das erreichen wir, indem wir sicherstellen, dass unsere Mitarbeiter ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Kunden haben und ihre Erkenntnisse gezielt weitergeben können. Wir haben interne Prozesse etabliert, die dieses Feedback systematisch sammeln und es dann in die Produktentwicklung einfließen lassen. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass wir kontinuierlich an der Verbesserung und Weiterentwicklung unserer Lösungen arbeiten. Unser Ansatz, Innovationen zu fördern, liegt also weniger in speziellen Programmen, sondern vielmehr darin, unsere talentierten Mitarbeiter in den richtigen Positionen zu haben und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Ideen einzubringen.

Wie haben sich die Anforderungen und Erwartungen Ihrer Kunden in den letzten Jahren verändert? Wie reagiert COMSOL auf diese Veränderungen, um weiterhin ein verlässlicher Partner zu bleiben?

Ich denke, die grundsätzlichen Erwartungen unserer Kunden haben sich gar nicht so stark verändert. Unsere Kunden erwarten von uns schon immer höchste Qualität und Effizienz. Was sich jedoch in den letzten Jahren klar verändert hat, ist die Art und Weise, wie Simulationen genutzt werden und welche Anforderungen an die Präzision gestellt werden.

Der Einsatz von COMSOL ermöglicht Simulation und Modellierung über die Simulationsabteilung hinaus. Durch Simulations-Apps werden Entwickler, Konstrukteure und Produzierende in den Simulationsprozess eingebunden.(Bild:  Comsol)
Der Einsatz von COMSOL ermöglicht Simulation und Modellierung über die Simulationsabteilung hinaus. Durch Simulations-Apps werden Entwickler, Konstrukteure und Produzierende in den Simulationsprozess eingebunden.
(Bild: Comsol)

Die Frage, ob Simulation überhaupt sinnvoll ist, wird heute kaum noch gestellt. In den meisten Fällen haben Unternehmen diese Entscheidung bereits getroffen oder erste Erfahrungen mit Simulationstools gesammelt. Dadurch hat sich Simulation in vielen Bereichen fest etabliert. Der Fokus liegt heute mehr darauf, hochgenaue Modelle zu erstellen, die verschiedene physikalische Phänomene berücksichtigen.

Genau hier spielt unser Multiphysik-Ansatz eine zentrale Rolle, denn die Berücksichtigung mehrerer physikalischer Effekte gleichzeitig ist für viele Unternehmen entscheidend geworden. Das ist auch einer der Bereiche, in denen wir stark aufgestellt sind und unseren Kunden helfen können, ihre Modelle noch präziser und anwendungsorientierter zu gestalten.

Welche Ratschläge würden Sie jungen Menschen geben, die eine Karriere in der Software- oder Technologiebranche anstreben? Welche Fähigkeiten und Qualifikationen sind entscheidend für den Erfolg in diesem Bereich?

Zunächst einmal: Unbedingt machen! Die Technologie- und Softwarebranche ist ein unglaublich spannendes Arbeitsfeld. Natürlich sage ich das aus meiner Perspektive, da ich selbst einen Hintergrund in diesem Bereich habe, aber ich kann es wirklich jedem empfehlen, der Interesse daran hat.

Meiner Meinung nach ist es nicht entscheidend, welche spezielle Richtung man wählt. Eine solide Grundausbildung ist wichtig, sei es in den Naturwissenschaften, in einer Ingenieursdisziplin oder in der angewandten Mathematik. Am Ende sollte man sich aber vor allem auf das konzentrieren, was einen wirklich begeistert. Denn in der Praxis arbeiten wir an interdisziplinären Fragestellungen, für die ein breiter Wissenshorizont gefragt ist.

Neben den fachlichen Qualifikationen sind vor allem die sogenannten Soft Skills entscheidend: Kommunikationsfähigkeit, die Bereitschaft, kontinuierlich zu lernen, und eine echte Leidenschaft für Fortschritt und Innovation. Wer diese Eigenschaften mitbringt und offen für neue Entwicklungen bleibt, wird in dieser Branche seinen Weg machen.

Gibt es in diesem Zusammenhang besondere Herausforderungen, denen Sie als Geschäftsführer der deutschen Niederlassung von COMSOL begegnet sind? Wie haben Sie diese gemeistert?

Ich bin seit einigen Jahren Geschäftsführer und die größte Herausforderung war sicherlich die Pandemie, auch wenn ich dieses Thema mittlerweile ungern aufbringe. Dennoch war es eine sehr prägende Zeit. Der plötzliche Wechsel ins Homeoffice war für uns als Software-Unternehmen technisch gesehen kein Problem, da unsere Mitarbeiter problemlos von zu Hause aus arbeiten konnten.

Die eigentliche Herausforderung lag vielmehr darin, den menschlichen Zusammenhalt aufrechtzuerhalten und in diesen unsicheren Zeiten Zuversicht zu vermitteln. Es ging nicht darum, die Motivation künstlich hochzuhalten, sondern darum, das Teamgefühl zu stärken und für ein Gefühl von Sicherheit zu sorgen. Das haben wir geschafft, indem wir trotz der Isolation im Homeoffice auf digitale Weise intensiven Kontakt zueinander gehalten haben – vermutlich sogar mehr als im Büroalltag. Dieser regelmäßige Austausch war essenziell und hat uns letztlich geholfen, die schwierige Zeit erfolgreich zu bewältigen.

Was treibt Sie persönlich an, und wie schaffen Sie es, Ihre Visionen und Ideen innerhalb des Unternehmens zu verwirklichen? Welche Werte sind Ihnen in Ihrer Rolle als Geschäftsführer der deutschen Niederlassung von COMSOL besonders wichtig?

ch denke, das ist bereits an einigen Stellen durchgeklungen: Ich glaube fest daran, dass technologische Innovation einen großen Teil zur Lösung unserer aktuellen Herausforderungen beitragen kann. COMSOL bietet mir die Möglichkeit, in einem Unternehmen zu arbeiten, das genau dies vorantreibt – sowohl mit unseren eigenen Produkten als auch durch das, was unsere Kunden mit diesen Lösungen erreichen.

Es ist unglaublich spannend und motivierend, jeden Tag zu sehen, wie unsere Kunden unsere Software einsetzen, um damit innovative und zukunftsweisende Produkte auf den Markt zu bringen. Diese Zusammenarbeit und der sichtbare Erfolg treiben mich an. Das ist nicht nur meine persönliche Motivation, sondern auch etwas, das das gesamte Team inspiriert.

In meiner Rolle als Geschäftsführer ist es mir besonders wichtig, diese Begeisterung am Leben zu halten, dafür zu sorgen, dass sie nicht in den alltäglichen Herausforderungen verloren geht. Werte wie Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit sind für mich dabei zentrale Leitlinien. Ich bin überzeugt, dass diese traditionellen Werte die Basis für eine nachhaltige und vertrauensvolle Zusammenarbeit bilden.

Was hat Sie dazu bewegt, Ihre Karriere in der Elektronik- bzw. Softwarebranche einzuschlagen, und welche Erfahrungen haben Sie auf Ihrem Weg am meisten geprägt?

Das Interesse an diesem Bereich hat bei mir schon sehr früh begonnen. Ich kam bereits in der Grundschule mit Computern in Kontakt, und das Programmieren hat mich von Anfang an fasziniert. Es war ein großartiges Gefühl, ein Programm zu schreiben und zu sehen, wie der Computer genau das tut, was man ihm aufgetragen hat. Diese Faszination hat mich dazu motiviert, in diese Richtung weiterzugehen.

Später habe ich Physik studiert, und auch dort hat mich besonders die Verbindung von Naturgesetzen und numerischer Berechnung mit dem Computer fasziniert. Es war für mich von Anfang an klar, dass dies der Weg ist, den ich beruflich einschlagen wollte. Deshalb war es vielleicht auch nicht überraschend, dass ich schließlich in der Simulationssoftware-Branche gelandet bin.

Geprägt haben mich am meisten die zahlreichen Auslandsaufenthalte während meines Studiums, meiner Promotion und auch später bei COMSOL. Diese Erfahrungen haben mir nicht nur beruflich, sondern auch persönlich neue Perspektiven eröffnet.

Vielleicht noch ein zusätzlicher Tipp für junge Menschen, die in die Technologiebranche einsteigen möchten: Nutzt die Chancen, die sich bieten, um internationale Erfahrungen zu sammeln – gerade am Anfang der Karriere. Wenn man jung und flexibel ist, gibt es großartige Möglichkeiten, in der Welt herumzureisen und dabei wertvolle berufliche und kulturelle Eindrücke zu gewinnen. Ich würde diese Zeit auf keinen Fall missen wollen und kann es jedem nur empfehlen.

 (mbf)

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