Perfekt Präsentieren und Referieren - Teil 1

Wie Sie Ihre Präsentation entrümpeln und Ihre Zuhörer überzeugen

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Überzeugen und sich auf das Wesentliche beschränken

Sändner hat deshalb trainiert, so aufzutreten, dass die Aufmerksamkeit auf ihm liegt. Das war nicht immer so. Er erinnert sich noch daran, wie auch er halb zu seinen Folien gedreht, weitgehend ohne Gestik und relativ monoton sprach. Das entsprach seinem Persönlichkeitstyp. Als ihm jedoch mehrmals aufgefallen ist, dass Kollegen sich nach einigen Tagen kaum erinnern konnten, was er präsentierte, ärgerte er sich sehr darüber.

Er begann an seinem Präsentationsstil zu arbeiten. Statt als erstes die Inhalte in PowerPoint zu tippen, begann er nun auf einem Blatt Papier eine funktionierende Struktur zu erarbeiten. Ganz ohne Computer. Diese Struktur spielte er dann in Gedanken durch, machte sich Notizen dazu. Das entscheidende in seiner Struktur war dabei, sich auf drei wesentliche Kernpunkte zu konzentrieren.

Ein, zwei oder drei Kernpunkte kompetent darstellen

Eine Präsentation wird nicht wirkungsvoller, wenn alle Inhalte und Argumente drin sind. Sie wirkt dann überzeugend, wenn die richtigen ein, zwei oder drei Punkte kompetent dargestellt werden. Geht es dabei um drei Argumentationen, so hat es sich bewährt, mit der mittelstarken zu beginnen und auf die stärkste der drei hin zu arbeiten. Jede weitere nimmt den anderen wieder Bedeutung und mutet den Zuhörern zu viel zu.

Hat Sändner seine Struktur stehen, überlegt er, wie er die Kernpunkte lebendig und verständlich ausarbeiten kann. Er sucht dazu nach Bildern, Vergleichen und Beispielen. Ziel ist es dabei, in den Köpfen etwas zu erzeugen und zu hinterlassen. Argumente und Fakten bleiben nur dann hängen, wenn sie Emotionen oder Bilder erzeugen, die eine Bedeutung für den Zuhörer haben. So berichtet er das eine Mal über Erfahrungen beim Kunden, erzählt mal locker wie es beim Entstehungsprozess im Team zuging oder wie er am Sonntagmorgen unter der Dusche seine Idee geboren hat.

Bei der Präsentation muss es nicht immer PowerPoint sein

PowerPoint ist für Sändner keine Selbstverständlichkeit mehr. Er glaubte früher, es würde erwartet, stets mit PowerPoint zu präsentieren. Als er jedoch trotzdem ohne Folien präsentierte, kam das selbst bei seinem Chef so gut an, dass dieses ungeschriebene Gesetz sofort außer Kraft gesetzt war. Sändner überlegt vielmehr bei jedem Schritt, was die ideale Lösung ist.

Mal ist es eine Zeichnung auf dem Flip-Chart, mal ist es ein skurriles Demonstrationsobjekt – neulich hatte er ein Bügeleisen dabei – und dann ist es wieder eine PowerPoint-Folie. Der Erfolg gibt ihm Recht. Das Bügeleisen diente ihm übrigens dazu, zu zeigen, dass etwas schweres doch leicht zu bewegen sei. Eine gelungene Metapher.

Stolz ist Sändner auch auf seine Idee, die er neulich hatte. Zu Beginn seiner Präsentation stellte er eine offensichtlich gefüllte Kiste in die Mitte des Tisches. Das erzeugte Neugierde bei seinen Kollegen. Als er dann beim entscheidenden Punkt seiner Präsentation angelangt war, bat er die Anderen, in die Kiste zu sehen und sich etwas herauszunehmen.

Das hat sofort Bewegung in die Gruppe gebracht. Alle standen auf, reckten die Hälse und jeder nahm sich ein Teil heraus. So entstand schnell die gewünschte Diskussion und lockere Atmosphäre im Raum. Nun wurde diskutiert und mit den Teilen – es waren sehr alte Bauteile – herumgealbert. Sändner zeigte dadurch die Entwicklung von damals zu heute, um dadurch ein Gefühl für die bevorstehenden Entwicklungspläne zu erzeugen.

Wenn er einmal eine Folie einsetzt, dann ist darauf nur so viel zu sehen, wie es seinen Vortrag unterstützt. Oberstes Kriterium ist dabei: So wenig auf einmal zeigen, dass die Zuschauer das Neue binnen zwei Sekunden erfassen und verstehen können. Und so viel zeigen, dass es die Überzeugungskraft unterstützt. Wenn einmal Text-Charts nötig sind, dann sind die Texte auf Stichworte begrenzt und werden Zeile für Zeile eingeblendet. So liest niemand die ganze Folie, sondern nur das aktuell relevante Stichwort.

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