AEMtec Wie ein Produkt in der End-of-Life-Phase Gewinn statt Verlust einbringt

Redakteur: Margit Kuther

Naht die End-of-Life-Phase (EOF) eines Produktes, rutscht dieses rasch in die Verlustzone. Lieferverpflichtungen können die Situation noch verschärfen. Ein Product-Lifecycle-Management kann helfen, die EOF-Phase hinauszuzögern und zudem Raum für neue Entwicklungen zu schaffen.

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Die EOL-Phase eines Produktes ist Teil des normalen Produktlebenszyklus: Sie beginnt, nachdem die Entscheidung für das Auslaufen eines Produktes (Phase out) getroffen wurde, und erstreckt sich über die Periode der Produktion, des Ramp down und kompletten Phase out sowie der Langzeitlagerung.

Wirtschaftliche Aspekte der End-of-Life-Phase

In der EOL-Phase ändert sich die Profitabilität. Sie kann rasch sinken und das Produkt dadurch schnell in die Verlustzone rutschen. Dazu tragen interne und externe Faktoren bei.

Interne Faktoren, die ein Produkt in die Verlustzone rutschen lassen

­ - Verlust an Wirtschaftlichkeit: Produktion und Lieferkette sind für eine bestimmte Menge optimiert worden. Doch in der EOL-Phase sind diese nicht mehr ausgelastet, da die Stückzahlen sinken und die Losgrößen nicht mehr optimal sind. Die Folge sind höhere Produktionskosten.

­ - Erhöhter logistischer Aufwand: EOL-Produkte blockieren die Produktionslinien. Das hindert die Nutzung für neue profitablere Produktfamilien.

­ - Teurere Beschaffung: Manche Komponenten sind obsolet. Dies verteuert ihre Beschaffung, da der Einkauf mehr Arbeit investieren muss, um ihre Verfügbarkeit zu sichern.

­ - Lagerhaltung: Die Komponenten müssen über eine längere Zeit gelagert werden, ihr MHD (Mindest-Haltbarkeits-Datum) ist dabei besonders zu berücksichtigen.

­ - Blockierte Ressourcen: Der Änderungsprozess am Produkt blockiert in den meisten Fällen Ressourcen in der Entwicklung, die sonst besser eingesetzt werden könnten.

­ - Eine Neuqualifizierung des Produktes ist meist ausgeschlossen, da sie mit sehr hohem Aufwand und Kosten verbunden ist.

Externe Faktoren, die ein Produkt in die Verlustzone rutschen lassen

­ - Lieferverpflichtungen: Besteht für auslaufende Produkte oder Ersatzteile eine Lieferverpflichtung, muss sichergestellt werden, dass solche Produkte auch zukünftig über einen längeren Zeitaum verfügbar sind.

­ - Kostendruck: Das auslaufende Produkt kommt jetzt unter Kostendruck auf den Markt, da bereits äquivalente Produkte mit einem höheren Features-/Preis-Niveau verfügbar sind.

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End-of-Life-Phase in der Medizintechnik

Die Medizintechnik weist einige Besonderheiten in der EOL-Situation auf. Zum einen besteht hier oft eine ausgeprägte Nachlieferverpflichtung, zum anderen führen langwierige klinische Prüfungen zu längeren Entwicklungszyklen als in anderen Bereichen. Die Medizintechnik-Branche ist außerdem stark IP-trächtig. Ein möglicher Verlust oder die Übertragung von Knowhow ist nicht erwünscht.

Im Falle von Re-Engineering ist die Startposition in „Perceived Costs - Perceived Benefits“ ungünstig und wird nur dann als sinnvoll erachtet, wenn die komplette Verantwortung für das Re-Engineering, die Produktion und Qualifikation vom Unterlieferanten übernommen werden kann. Die Qualifikation der Produkte nach Produktionsauslagerung oder nach Re-Engineering könnte jedoch zeitaufwändig und kostenintensiv sein. Für ihre Dauer und Tiefe ist die Risikobetrachtung ausschlaggebend.

Die EOL-Dienstleistungen von AEMtec helfen Kosten sparen

Die zwei möglichen Eintrittspunkte in einer Zusammenarbeit im Bereich EOL sind Outsourcing von Produktion- und Material-Management sowie Re-Engineering.

Outsourcing hilft Unternehmen, sich auf ihre Kernkompetenzen zu fokussieren

Das Outsourcing der Produktion beinhaltet Dienstleistungen, angefangen von einzelnen Prozessschritten bis hin zur Übernahme von ganzen Produktionslinien. Es erfolgt eine Re-Qualifikation des Produktionsprozesses nach Vorgaben des Kunden. Auf der logistischen Seite wird ein ausgereiftes Ramp down- / Ramp up-Szenario zur Sicherstellung der Lieferfähigkeit durchgeführt.

Der Unterlieferant übernimmt die komplette Verantwortung für die Komponentenbeschaffung, inklusive Abklärung des Bauteilstatus in Bezug auf Verfügbarkeit, Langlebigkeit und sachgerechter Lagerung. Zudem führt er alle PCN- / PDN-Prozesse (Product Change Notification / Product Discontinuation Notification) durch.

Der Dienstleister sollte folgende drei Kompetenzen vorweisen können: er sollte technische Dokumentationen und Fehlerstatistiken führen; es sollten Kompetenzen hinsichtlich Fehleranalyse, -diagnose und Reparaturen vorhanden sein und er sollte bei ungeplanten Bauteilabkündigungen Alternativen recherchieren und auswählen können.

Re-Engineering kann die Langzeitverfügbarkeit der Komponenten sicher stellen

Das Re-Engineering birgt das größte Kosteneinsparungspotenzial, sowohl in Bezug auf die Produktkosten als auch hinsichtlich der Entlastung der Organisation. Es wird gar als neues Projekt betrachtet und stützt sich auf Pflichtenheft, Form-Fit-Function-Anforderungen, Historie des Produktes im Markt (Schwachstellen, bekannte Fehler) und auf die Verfügbarkeitsanalyse der Komponenten.

Der normative Teil der Entwicklung von medizinischen elektrischen Geräten ist grundsätzlich von der EN 60601-1-4 geprägt (V-Model). Die Neuentwicklung von Software wird im Sinne der Norm EN 62304 (Software Life Cycle Processes) betrachtet, mit besonderem Fokus auf Risikomanagement.

Grundsätzlich sollten im Re-Engineering-Prozess Änderungen so gering wie möglich gehalten und nicht das System neu entwickelt werden. Wird nur die Hardware geändert, ohne Eingriff in die Software aufgrund 100%tiger Kompatibilität, ist dies ideal. Allerdings ist dies nur in wenigen Fällen möglich, da die meisten Produkte als elektro-mechanische Software-Systeme einzustufen sind.

Im Rahmen des Re-Engineering werden drei Prozessschritte durchgeführt: Die Übernahme der gesamten Kundendokumentation, die Übernahme oder Ausarbeitung einer produktspezifischen Test- und Prüfstrategie inklusive Einführung modernerer Prüfmethoden (AOI, AXI, Boundary scan, ICT) sowie die Erarbeitung von Re-Design-Vorschlägen, wozu auch die Hebung von Rationalisierungspotenzialen und die Komponenten-Langzeitverfügbarkeit gehören.

Das Re-Design birgt das höchste Potenzial für signifikante Kostenreduktionen. Diese realisieren sich infolge der Software-Anpassung und -Entwicklung bei Design-Changes, einer Verifizierung und Validierung bei allen Modulen und Subsystemen, bei der Qualifikation und Fertigungseinführung der Produkte und Prozesse, durch eine lückenlose Dokumentation der Abläufe und durch Hard- und Softwareupdates.

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