Haptivity-Display

Wenn das Display einen Tastenhub simuliert

Seite: 3/3

Anbieter zum Thema

Ein Demonstrator für das Haptivity-Display

Kyocera hat die Ergebnisse in einem Patent EP2461233B1 veröffentlicht und plant, Lizenzen zu vergeben. Ein eigener Steuerungsbaustein als fertiger IC zur Ansteuerung und Auswertung von Piezo-Elementen ist inzwischen ebenfalls verfügbar. Als besondere Lösung hat der Hersteller den Drucksensor und den Aktuator in einem Piezo-Element zusammengefasst. Damit entstand ein Haptivity-Display-Demonstrator, mit dem bei zahlreichen Kundenvorstellungen eine vielfache Bestätigung der zuvor erläuterten Laborergebnisse gemacht wurde.

So kann beispielsweise eine virtuelle Taste durch das Berühren der Oberfläche erkannt und durch Drücken ausgelöst werden. Eine Zwei-Stufen-Taste, wie sie von Kameras bekannt ist (leichtes Drücken dient zum Fokussieren, stärkeres Drücken löst aus), ist damit ebenfalls möglich. Führt man das weiter aus und macht die Taste mehrstufig, kann die Lautstärke durch kontinuierliche Druckerhöhung stufenweise verändert werden.

Wie realitätsnah die virtuelle Haptivity ist, erfuhren die Entwickler bei einer Kundenpräsentation. Vorgestellt wurde eine Haptivity-Taste ohne Display. Ein Konstrukteur, der später hinzukam und den Vortrag nicht gehört hatte, betätigte die Taste, empfand die Haptik als angenehm, war aber ansonsten sehr enttäuscht. Solche Tasten hatte er in den letzten Jahren zu hunderten selbst konstruiert. Erst bei dem Hinweis, dass sich die Charakteristik per Software ändern ließ, und das sogar mehrstufig, wurde ihm klar, dass er keine mechanische Taste bedient hatte.

Ein authentisches und angenehmes Bediengefühl

Der wesentliche Aspekt der Entwicklung eines Haptivity-HMI-Touch-Bildschirms mit haptischem Feedback war ein möglichst authentisches und angenehmes Bediengefühl zu erzeugen. Mit den Ergebnissen der Kyocera-Versuchsreihe sind die technischen Voraussetzungen zu einer erfolgreichen Umsetzung im Markt gegeben. Vor allem die Wertigkeit einer Bedieneinheit lässt sich durch geeignete Parameter deutlich steigern. Zusätzlich lassen sich auch reine Bedienelemente ohne Display einsetzen. Tasten, deren haptische Parameter per Software an das markentypische Schaltgefühl und/oder an die Gewohnheiten eines Benutzers angepasst werden können, tragen wesentlich zur Akzeptanz eines HMI bei.

Inzwischen wurde die Mechanik optimiert, so dass bereits mit zwei Piezo-Aktuatoren ein 7''-Display betrieben werden kann. Wie bei einem Lautsprecher muss das Signal so effektiv wie möglich an die Oberfläche übertragen werden. Für alle Konstrukteure, die ihre eigene Erfahrung hier umsetzen wollen, entwickelt Kyocera ein Haptivity-Developers-Kit, das unter anderem Elektronik, Aktuatoren und Software enthält, um eine Bedienoberfläche zu „haptivieren“. Das HMI-Display wird mehr und mehr zum einzigen Bedienterminal und kann mit virtuellen Tasten, erzeugt durch Haptivity, im Showroom einen wesentlichen Beitrag zur Kaufentscheidung beitragen.

Lesen Sie aus dem Themenumfeld HMI

* Eberhard Schill ist Sales Manager Distribution & Marketing bei Kyocera in Dietzenbach.

(ID:44201649)