Strom vom Seeufer Weltweit erste schwimmende Solarplattform mit vertikalen Modulen in Betrieb genommen

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Auf einem Kiessee in Gilching bei München hat Sinn Power die weltweit erste schwimmende Photovoltaikanlage mit vertikal angeordneten Modulen eröffnet. Die Anlage mit 1,87 Megawatt Leistung ist Teil eines Pilotprojekts, das neue Wege für die Energiegewinnung auf künstlichen Gewässern erprobt.

Die erste Anlage mit schwimmenden vertikalen Solarmodulen ist in Betrieb.(Bild:  Sinn Power GmbH)
Die erste Anlage mit schwimmenden vertikalen Solarmodulen ist in Betrieb.
(Bild: Sinn Power GmbH)

Die Module liegen nicht flach auf dem Wasser, sondern ragen senkrecht in die Höhe. Zwischen den Reihen bleiben vier Meter breite Korridore offen, damit Licht und Luft an die Wasseroberfläche gelangen. Nach Angaben des Unternehmens belegt die Anlage nur rund 4,6 Prozent der Seefläche. Damit bleibt sie deutlich unter der gesetzlichen Grenze von 15 Prozent, die das Wasserhaushaltsgesetz erlaubt. Der Strom soll rund zwei Gigawattstunden pro Jahr liefern und den Energiebedarf des angrenzenden Kieswerks deutlich senken.

Vertikale Solarpaneele auf dem Wasser

Die Plattform trägt den Namen Skipp Float und stammt aus dem schwimmenden PV-Portfolio von Sinn Power. Anders als klassische Floating-PV-Systeme nutzt sie bifaziale Module, die Licht von beiden Seiten einfangen. Durch ihre Ost-West-Ausrichtung erzeugen sie ein gleichmäßigeres Leistungsprofil über den Tag hinweg. Nach Herstellerangaben lassen sich dadurch bis zu 30 Prozent mehr Module installieren, ohne die Seefläche stärker zu versiegeln.

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Die Konstruktion ist flexibel ausgelegt, um Wind und Wellengang auszugleichen. Schwimmkörper und Seilsysteme halten die Plattform stabil, ohne den Seegrund stark zu beeinträchtigen. Ein Vorteil im Winter: Schnee soll an den glatten Modulflächen leicht abrutschen. Die Anlage ist in etwa 1,6 Meter Tiefe verankert und über ein schwimmendes Kabelsystem mit dem Ufer verbunden.

Energiegewinnung und Ökologie im Gleichgewicht

In den ersten Wochen nach der Inbetriebnahme konnte das Kieswerk laut Betreiber rund 60 Prozent seines Netzstrombezugs einsparen. Langfristig soll der Anteil auf bis zu 70 Prozent steigen. Erweiterungen um weitere 1,7 Megawatt sind bereits geplant. Auch dann bliebe die genutzte Wasserfläche unter zehn Prozent.

Sinn Power verweist zudem auf positive ökologische Begleiterscheinungen. Messungen zeigten laut dem Unternehmen eine leicht verbesserte Wasserqualität. Wasservögel nutzten die Schwimmkörper als Brutplätze, Fischschwärme sammelten sich in den Schattenbereichen unter der Anlage. Eine Fraunhofer-Studie (Projekt „FPV4Resilience“) fand bei künstlichen Seen in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden kaum signifikante negative Effekte auf Wasserqualität, Sauerstoff- oder Nährstoffgehalte. Kritiker fordern dennoch unabhängige Studien über langfristige Auswirkungen auf Lichtdurchlässigkeit, Sauerstoffaustausch und Sedimente.

Neue Perspektiven für begrenzte Flächen

Mit dem Projekt will Sinn Power zeigen, dass Photovoltaik auch dort möglich ist, wo Land knapp und Wasserflächen vorhanden sind. Für Betreiber von Baggerseen oder Tagebaugewässern könnten solche Lösungen eine zusätzliche Einnahmequelle und ein Schritt zur eigenen Energieautarkie werden. Ob sich das Konzept wirtschaftlich trägt, hängt jedoch von den Kosten pro Kilowattstunde und der Haltbarkeit der Technik ab. Beides muss sich im Betrieb noch beweisen. (mc)

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