PV-Steckverbinder Warum „kompatible“ PV-Steckverbinder gefährlich sind

Autor / Redakteur: Sascha Schmidt * / Kristin Rinortner

Steckverbinder-Imitate, die dem Original oft sehr ähnlich sehen, werden gern als „kompatibel“ angepriesen und günstiger angeboten. Doch diese Steckverbinder sind weder sicher noch zertifiziert.

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Kompatible Steckverbinder: Ein Hallenbrand dieses Ausmaßes ist eine unternehmerische Katastrophe. Solch ein Brand kann durch eine Photovoltaikanlage ausgelöst werden.
Kompatible Steckverbinder: Ein Hallenbrand dieses Ausmaßes ist eine unternehmerische Katastrophe. Solch ein Brand kann durch eine Photovoltaikanlage ausgelöst werden.
( © Carola Vahldiek - Fotolia)

Die Solar-Anlage auf dem Dach einer Lagerhalle hatte sich entzündet. Es war innerhalb weniger Wochen der dritte Brand an einer 450 m2 großen Photovoltaikanlage. Wurde die Feuerwehr bislang stets rasch Herr der Lage, kam sie diesmal einfach zu spät und die Halle brannte komplett aus. Der Auslöser für die Brände war die unzulässige Erwärmung von PV-Steckverbindern. Die Auswirkungen: eine unternehmerische Katastrophe und eine Schadensersatzklage gegen den Installateur.

Das Fraunhofer Institut ISE untersucht das Brandrisiko von PV-Anlagen und berichtet, dass es an den derzeit 1,3 Mio. installierten PV-Anlagen in Deutschland in den letzten 20 Jahren 350 Brände gab. In 120 Fällen war die Solaranlage Auslöser des Brandes. In 75 Fällen gab es größere Schäden, in zehn Fällen brannte das Gebäude vollständig ab.

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Projektleiter Dr. Heribert Schmidt erklärt: „Brände entstehen oft dann, wenn unerfahrene Installationstrupps im Akkord Anlagen installieren. Werden die PV-Steckverbinder mit der Kombizange statt mit Spezialwerkzeugen angebracht oder nicht zertifizierte Steckverbinder-Systeme verwendet, dann ist die Schwachstelle vorprogrammiert. Hier dürfen Anlagenbetreiber nicht an der falschen Stelle sparen.“

Auch im Fall der niedergebrannten Halle waren Steckverbinder die Brandursache. Diese hatten sich so stark erhitzt, dass sie in Brand gerieten. Der PV-Installateur wählte konfektionierte Steckersysteme, die laut Hersteller „kompatibel“ oder „steckbar“ zu den an den Modulen befindlichen Steckverbindern waren. Die Ersparnis gegenüber den Originalkabeln betrug wenige Hundert Euro. Im Preiskampf der PV-Anbieter um das Projekt verschaffte sie dem Installateur allerdings die nötige Luft und bescherte ihm den Auftrag.

Zurückblickend sagt er: „Die Steckverbinder hatten auch prima gepasst, bei flüchtigem Hinschauen sah man in Farbe und Oberfläche des Kunststoffs keinen Unterschied.“ Jetzt hat er eine Zivilklage am Hals, deren Ausgang ihn die Existenz kosten kann.

Marktführer im Fadenkreuz der Fälscher

Einer der Pioniere auf dem Gebiet der PV-Steckverbindungen ist das Schweizer Unternehmen Multi-Contact. Mit den PV-Steckerverbinderserien MC3 und MC4 hat das Unternehmen ein weit verbreitetes und bewährtes System etabliert, das auf Lamellentechnik basiert (Bild 1). Die Kontaktlamellen-Bänder aus einer Kupferlegierung bestehen aus zahlreichen Lamellenstegen. Sie erlauben eine elektrische Kontaktierung über eine Vielzahl stromübertragender Berührungsflächen.

Jeder Lamellensteg bildet eine unabhängige, federnde Strombrücke. Die vielen parallel angeordneten Lamellenstege vermindern den Übergangswiderstand und somit die Verlustleistung des Gesamtkontaktes erheblich. Zusätzlich wird auf diese Weise das Unterwandern von korrosivem Gas unterbunden, so dass die Verbindung langzeitstabil und dicht ist.

Als Marktführer ist ein Unternehmen ständig im Visier der Produktfälscher. Bei Multi-Contact unterscheidet man zwischen Plagiaten einerseits und Imitaten beziehungsweise Nachahmungen andererseits.

Plagiate sind so gefertigt, dass der Kunde überzeugt davon ist, das Original vor sich zu haben. Die Fälscher übernehmen deshalb auch den Originalnamen und/oder das Originallogo.

Gegen diese Unternehmen, die die Kunden bewusst täuschen, geht man rigoros vor. Rückendeckung bekommen die Schweizer von der „Aktion Plagiarius e.V.“, die jedes Jahr Betrüger mit Negativpreisen „auszeichnet“: „Billige Kopien passieren nicht >aus Versehen<. Die Fälscher handeln vorsätzlich, skrupellos und rein aus Profitgier. Sie kopieren das fertige, am Markt erfolgreich etablierte Endprodukt und minimieren ihr eigenes unternehmerisches Risiko“.

Geringere rechtliche Handhabe haben die Hersteller bei den „Imitaten“, die dem Original unter Umständen sehr ähnlich sehen. Sie werden auch gern als „kompatibel“ angepriesen. Eine Haftung bei Verwendung solcher Fremdfabrikate schließt das Unternehmen allerdings kategorisch aus.

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