Funktionale Sicherheit in der Robotik Warum ein Roboter unkontrolliert ausschlägt

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Ein Video geht viral, wie ein humanoider Roboter der Baureihe Unitree H1 bei Tests in einer chinesischen Fabrik plötzlich mutmaßlich Menschen schlägt. Was aussieht wie die Rache eines Roboters ist für Fachleute ein logisches und erklärbares Verhalten.

Der Unitree H1.(Bild:  Unitree)
Der Unitree H1.
(Bild: Unitree)

Die Szene wirkt zunächst harmlos: In einer Fabrikhalle hängt der humanoide Roboter Unitree H1 an einem Sicherheitsgestell. Dieses Verfahren nutzen Ingenieure regelmäßig, um komplexe Bewegungsabläufe zu testen, ohne dass der Roboter umkippt oder Schaden nimmt. Doch plötzlich gerät der H1 außer Kontrolle, schlägt unkontrolliert um sich und zwingt einen der Testingenieure zur schnellen Flucht. Ein Kollege schafft es schließlich, die verrutschte Aufhängung wieder zu fixieren und den Roboter abzuschalten. Verletzt wird bei diesem Zwischenfall niemand.

Technischer Hintergrund des wild gewordenen Roboters

Während die heftigen Bewegungen wie ein bedrohlicher Angriff wirkt, sind sie laut Experten logisch erklärbar. Die Ursache der Fehlfunktion dürfte in der Software liegen. Laut ersten technischen Analysen könnten die Sensoren des Roboters fälschlicherweise einen Sturz erkannt haben, ausgelöst durch die instabile Aufhängung. In der Folge versuchte der Roboter offenbar, automatische Ausgleichsbewegungen durchzuführen – eine Sicherheitsfunktion, die normalerweise Stürze verhindern soll. Aufgrund eines Fehlers im Programmcode führten diese Korrekturbewegungen jedoch zu unkontrollierten Arm- und Beinbewegungen.

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Experten weisen darauf hin, dass solche Fehler in der Testphase humanoider Roboter durchaus vorkommen. Typischerweise sorgen Sicherheitsprotokolle dafür, dass die Roboter automatisch abschalten oder ihre Bewegungen auf ungefährliche Muster beschränken, sobald ungewöhnliche Sensorwerte auftreten. Dass der Roboter in diesem Fall trotzdem außer Kontrolle geraten konnte, zeigt Schwachstellen in den Sicherheitsvorkehrungen.

Zunehmende Sicherheitsrisiken durch autonome Roboter

Bereits im Februar 2025 hatte ein Unitree-Roboter auf einem Festival in China für Aufsehen gesorgt, als er sich unerwartet auf eine Menschenmenge zubewegte. Sicherheitspersonal konnte ihn damals rechtzeitig stoppen. Auch damals war ein Fehler in der Software Ursache des Vorfalls.

Humanoide Roboter verfügen über starke Gelenkmotoren von bis zu 360 Newtonmeter und über hochentwickelte Sensorik wie 3D-Lidar und Tiefenkameras, um ihre Umgebung zu erfassen. Das macht eine umfassende und sichere Testphase umso wichtiger. Besonders bei autonomen Robotern, die perspektivisch auch in Bereichen wie Pflege, Produktion oder öffentlichem Raum eingesetzt werden sollen.

Der aktuelle Vorfall zeigt die Gratwanderung zwischen technologischer Innovation und Sicherheitsmanagement. Die Verantwortlichen bei Unitree betonen inzwischen, dass man aus dem Vorfall gelernt habe und die Sicherheitsprotokolle umfassend überarbeitet würden. (mc)

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