Billig, beweglich, begrenzt Humanoider Roboter für unter 5.000 Euro

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Das chinesische Robotik-Startup Unitree verkauft seinen neuen humanoiden Roboter zum Kampfpreis. Der Unitree R1 zeigt Akrobatik und soll sogar sprechen können. Doch steckt hinter dem auffällig niedrigen Preis nur Show oder auch echter Mehrwert?

Neuer Bastel-Roboter Unitree R1: Schlägt vorerst nur in Videos ein Rad.(Bild:  Unitree)
Neuer Bastel-Roboter Unitree R1: Schlägt vorerst nur in Videos ein Rad.
(Bild: Unitree)

Mit dem R1 präsentiert Unitree einen humanoiden Roboter, der mit seinem Einstiegspreis von 39.999 Yuan (umgerechnet etwa 4.800 Euro) deutlich günstiger ist als vergleichbare Modelle anderer Hersteller. Der 121 Zentimeter große Roboter wiegt rund 25 Kilogramm und besitzt 26 Gelenke, die ihm Bewegungen wie Handstand, Radschlag oder Boxsequenzen ermöglichen. Gesteuert wird er von einem 8-Kern-Prozessor, verfügt über Kameras, Sprach- und Bilderkennung, ein Vier-Mikrofon-Array, Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.2. Der Akku soll für rund eine Stunde Laufzeit reichen und ist austauschbar.

Show statt Servicedienst

Was die Videos von Unitree zeigen, wirkt spektakulär. Der R1 springt, läuft, turnt und boxt. Doch was davon autonom passiert und was ferngesteuert ist, bleibt offen. Auch Greifhände oder feinmotorische Funktionen fehlen bislang. In den sozialen Medien regt sich Skepsis. Viele Nutzer fragen: Was kann der R1 wirklich, außer Show?

Tatsächlich verweist Unitree selbst auf Risiken. Der Hersteller warnt vor unsachgemäßem Einsatz und rät Käufern, sich vorab mit den Grenzen des Systems vertraut zu machen. „Wir empfehlen, Abstand zum Gerät zu halten, wenn es sich bewegt“, heißt es in der offiziellen Produktbeschreibung.

Forschungsplattform statt Haushaltsroboter

Mit seinem Preis ist der R1 deutlich günstiger als andere humanoide Roboter wie etwa der Tesla Optimus, der Apollo von Apptronik oder der Figure 02. Selbst Unitrees eigenes Modell G1 kostete bei Markteintritt rund 16.000 Dollar. Damit rückt der R1 nicht in die Nähe industrieller Serviceroboter, sondern adressiert vor allem ein anderes Publikum: Forschungslabore und Entwickler-Communitys.

Denn für den Alltagseinsatz fehlt dem Roboter vieles: Greifhände, ausgeprägte Sensorik für den Nahbereich, ausdauernde Energieversorgung, echte Autonomie. Auch zur Interaktion mit Menschen fehlen noch tragfähige Anwendungsszenarien. Stattdessen liefert der R1 eine Plattform für Forschung und Entwicklung. Dass er sich bewegt wie ein Akrobat, dürfte in erster Linie dazu dienen, Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Einzelkämpfer mit Lernpotenzial

Technologisch basiert der R1 auf dem, was Unitree bereits in seinen vierbeinigen Robotern wie dem Go1 oder dem B2 verbaut hat: leichte Strukturen, kompakte Antriebstechnik, modularer Aufbau. Auch wenn der neue Roboter laufen, kicken und sogar eine Art Gespräch simulieren kann, fehlen ihm Fähigkeiten zur Interaktion, zur Adaption an Umgebungen oder zur komplexen Aufgabenlösung. Er ist, zumindest derzeit, eher ein Bewegungstalent als ein Helfer.

Ob sich daraus ein Markt ergibt, bleibt offen. Wer mit dem R1 experimentieren will, erhält laut Hersteller eine flexibel programmierbare Plattform mit hoher Beweglichkeit. Als Einstieg für Entwickler ist das reizvoll. Für den breiten Markt bleibt der R1 damit keine Option. (mc)

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