Speicherkrise Warnung von Phison-CEO: „Drei Jahre Vorauskasse in bar sind jetzt Realität“

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Die Ära billiger Speicherbausteine scheint zu kollabieren. In einem alarmierenden Interview zeichnet Phison-CEO K.S. Pua ein düsteres Bild für die Lieferkette: Getrieben durch den massiven Speicherhunger kommender KI-Inferenz-Server diktieren Hersteller Zahlungsbedingungen, die selbst Branchenriesen in die Knie zwingen. Somit drohe ein Verdrängungswettbewerb.

„Massensterben“ bei Billig-Elektronik: Phison-CEO Pua prognostiziert das für Ende 2026, da die Preise für Standard-Chips wie eMMC aktuell explodieren.(Bild:  Manuel Christa)
„Massensterben“ bei Billig-Elektronik: Phison-CEO Pua prognostiziert das für Ende 2026, da die Preise für Standard-Chips wie eMMC aktuell explodieren.
(Bild: Manuel Christa)

Wer aktuell Designs für 2027 plant oder Speicherkomponenten beschaffen muss, sollte hellhörig werden: Die Halbleiterindustrie steuert auf eine strukturelle Knappheit bei DRAM und NAND-Flash zu, die laut internen Prognosen bis mindestens 2030 anhalten könnte. Auslöser ist nicht mehr nur das Training von KI-Modellen, sondern der beginnende Rollout der Inferenz-Hardware für die Anwendung.

K.S. Pua, CEO des Controller-Spezialisten Phison, warnte in einem taiwanischen TV-Interview vor einem historischen „Verkäufermarkt“. Die Situation sei so angespannt, dass große Speicherhersteller wie Samsung, Micron oder SK Hynix mittlerweile Vorauszahlungen in bar für Liefergarantien über drei Jahre verlangen.

Pua fand dafür drastische Worte: „Das hat es in der Geschichte der Elektronik noch nicht gegeben. Nicht einmal TSMC fordert von Nvidia drei Jahre Cash im Voraus. Aber im Speichermarkt ist das jetzt die neue Realität.“

„Memory Beggars“: Der Kampf um Zuteilung

Selbst etablierte Player wie Phison kämpfen um Kapazitäten. Pua berichtete, dass das Unternehmen für den Ausbau einer eigenen Test-Farm mit 800 Servern lediglich 30 Prozent des benötigten DRAMs beschaffen konnte. „Wir fühlen uns täglich wie Speicher-Bettler“, so der CEO. Es gehe längst nicht mehr um den Preis, sondern um die reine Verfügbarkeit. Die Lieferzeiten für Server-DRAM und Enterprise-SSDs liegen aktuell bei über acht Monaten.

Der Grund für diese Verknappung liegt in der technischen Architektur kommender KI-Generationen. Pua verwies auf Nvidias „Vera Rubin“-Plattform: Ein einzelner dieser Chips benötigt für den sogenannten KV-Cache (Key-Value) im Inferenz-Betrieb über 20 Terabyte an SSD-Speicher. Würden zehn Millionen dieser Einheiten ausgeliefert, beanspruche allein dies rund 20 Prozent der weltweiten jährlichen NAND-Produktion – die Datenspeicherung noch gar nicht eingerechnet.

Preisschock bei eMMC: „Massensterben“ bei Billig-Elektronik

Für die Automatisierungsbranche und Hersteller von Embedded-Systemen hat diese Priorisierung der großen Hyperscaler wie Google, Microsoft und AWS fatale Folgen. Da die Fertigungskapazitäten auf High-End-Produkte umgeschichtet werden, trocknet der Markt für Standard-Komponenten aus.

Ein Beispiel aus dem Interview verdeutlicht die Dimension: Der Preis für einen 8 GB großen eMMC-Chip ist von rund 1,50 US-Dollar (Anfang 2025) auf aktuell etwa 20,00 US-Dollar explodiert. Automotive-Grade-Komponenten liegen noch höher.

Pua prognostiziert harte Konsequenzen für das Jahresende 2026: „Wir werden ein Massensterben bei Systemanbietern sehen. Wenn der Speicherchip plötzlich 20 Dollar kostet, bricht die Kalkulation für günstige Endgeräte komplett zusammen. Viele werden ihre Produktlinien aufgeben müssen.“

Keine Entwarnung aus China

Hoffnungen auf günstigere Importe aus China erteilte der Phison-Chef eine Absage: Die dortigen Kapazitäten, etwa von YMTC, würden primär den gigantischen Eigenbedarf für lokale KI-Infrastrukturen decken („China First“). Zudem dauert der Bau neuer Fabs Jahre, sodass kurzfristig keine Entlastung durch Kapazitätserweiterungen zu erwarten ist.

Pua betont, dass es sich hierbei nicht um einen klassischen Schweinezyklus handelt: „KI ist eine ‚harte Nachfrage‘, keine Blase. Wer hier nicht investiert, verliert den Anschluss. Wir sehen kein Licht am Ende des Tunnels vor 2030.“ (mc)

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