Neuroleadership

Von Hirnforschern lernen, wie gute Führung funktioniert

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Androhung von Strafe führt zu Leistungsabfall

Ein häufiges Führungsinstrument in traditionellen und stark hierarchischen Organisationen ist die Androhung von Strafe. Doch dieses „Druck machen“ löst im Gehirn Angstreaktionen aus. Es kommt verstärkt zu Stress- und Vermeidungsverhalten. In diesem Zustand sind Mitarbeiter kaum noch in der Lage, das zu tun, was der Produktivität am meisten dient: Probleme und Aufgaben kreativ zu lösen. Der Neurobiologe Gerhard Roth sieht in der Angstma(s)che ein Führungsinstrument, das für die Chefs zwar bequem ist, aber mit Blick auf die Produktivität mangels Wirkung versagt. Interessant ist auch die Beobachtung der Hirnforscher, dass bei sozialen Schmerzen – hervorgerufen z.B. durch Missachtung oder Demütigung – die gleichen Gehirnregionen aktiv sind wie bei physischen Schmerzen. Mit allen entsprechenden Konsequenzen.

Praxistipp: Einfach genau hinschauen! Lernen Sie, Ihre Mitarbeiter besser zu verstehen. Achten Sie darauf, was bei ihnen Angst auslösen könnte, und versuchen Sie diese Situationen zu vermeiden.

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Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, wie unser Gehirn funktioniert und wie Sie die Erkenntnisse der Neurowissenschaftler für die tägliche Führungspraxis nutzen können, dann kommen Sie zum 12. EMS-Tag am 26.6.2014 in Würzburg – www.ems-tag.de. Dort wird Dorothée Putzier das Thema in einem Vortrag mit vielen Praxisbeispiel vertiefen. Frau Putzier ist Organisationsberaterin und Management Coach und beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Führung.

Individuelle Belohnungen und Anreize wirken am besten

Im Gehirn liegt unser Belohnungszentrum im mesolimbischen System. Generell streben wir nach Dingen und Erlebnissen, die uns ein „gutes Gefühl“ geben. Neurowissenschaftlich gesprochen heißt das: Unser Belohnungssystem wird angesprochen und das Gehirn schüttet entsprechende Botenstoffe wie Dopamin aus.

Doch: Jeder Mensch ist durch andere Dinge motivierbar. Das Belohnungssystem reagiert also jeweils auf unterschiedliche Reize. Für die einen sind es der finanzielle Bonus oder Statussymbole: das große Büro, die Teilnahme an einer Veranstaltung, das große Auto. Für andere bedeutet es die höchste Anerkennung, wenn sie an neuen innovativen Projekten mitarbeiten dürfen. Und wieder andere spornt die ehrliche Zuwendung und Wertschätzung durch Vorgesetzte an. Herauszufinden, wie ein Mitarbeiter tickt und was ihn motiviert, ist eine wichtige Führungsaufgabe. Das kostet viel Zeit, z.B. für Gespräche und aufmerksame Beobachtung, aber die höhere Leistung der Mitarbeiter und die bessere Stimmung im Team machen diesen Zeiteinsatz auch wirtschaftlich zu einer lohnenden Investition.

Praxistipp: Wenn Sie wollen, dass Belohnungen wirklich motivieren, vermeiden Sie das Gießkannenprinzip. Finden Sie heraus, was jeder einzelne Mitarbeiter braucht.

Die beste Motivation kommt von innen

Wenn wir etwas mit Begeisterung tun, werden emotionale Hirnzentren aktiv und neuroplastische Botenstoffe ausgeschüttet. Das Ergebnis: Wir fühlen uns gut und das Gehirn bildet neue Verschaltungen. So werden neue Lösungen möglich. Anders ausgedrückt: Die Aufgabe macht uns nicht nur Spaß, wir lösen Sie auch besser!

Schnittbilder des Gehirns: Mit der funktionelle Magnetresonanztomografie lässt sich beobachten, welche Regionen bei bestimmten Aufgaben aktiv sind.
Schnittbilder des Gehirns: Mit der funktionelle Magnetresonanztomografie lässt sich beobachten, welche Regionen bei bestimmten Aufgaben aktiv sind.
( © beerkoff - Fotolia)

Liebt ein Vertriebsmitarbeiter die Kunst des Vertragsabschlusses, wird er versuchen, alles darüber herauszufinden. Er wird sich bei Kollegen schlau machen, verschiedene Ansätze ausprobieren und beobachten, was bei welchem Kunden gut ankommt und was nicht funktioniert. Weil ihm die Tätigkeit an sich Freude macht, wird er immer besser. Wird er hingegen nur von einem Bonus angetrieben, wird er sich über verpasste Abschlüsse ärgern, aber kaum daraus lernen.

Auf die Zusammenhänge zwischen Lernen und Begeisterung hat insbesondere der Hirnforscher Gerald Hüther hingewiesen. Manager sollten ein Umfeld schaffen, in dem Begeisterung möglich ist, und diese Begeisterung auch vorleben. Das beginnt damit, dass ein Chef die Wichtigkeit jeder Aufgabe betont und jeden einzelnen Mitarbeiter in seiner Besonderheit zu schätzen weiß.

Praxistipp: Fördern Sie die Motivation Ihrer Mitarbeiter, indem Sie – wie Hüther empfiehlt – jeden einzelnen immer wieder dazu „einladen, animieren und ermutigen, sich einzubringen“

PS: Der EMS-Tag gilt als einer der wichtigsten Veranstaltungen der EMS-Branche. Geschäftsführer und Führungskräfte von EMS-Providern, Inhouse-Fertigern und deren Zulieferern treffen sich, um sich über Themen, die die Branche bewegen, zu informieren.

Literatur

Gerald Hüther – Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn

Gerhard Roth – Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten

Daniel Kahnemann – Schnelles Denken, langsames Denken

* Dorothée Putzier ist Unternehmensberaterin und Management-Coach für Strategieentwicklung, Führung und Konfliktmanagement.

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