Seltene Erden Von China unabhängig: Alternative Quellen für kritische Materialien

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

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Die USA und China haben eine einjährige Atempause bei den Exportbeschränkungen für kritische Rohstoffe vereinbart. Aufgrund fragiler Lieferketten haben die USA damit begonnen, alternative Lieferketten aufzubauen. Doch die Hauptinvestorin ist umstritten.

 Das Araxá-Projekt zielt auf die Suche nach seltenen Erden in Brasilien ab. Mit diesem Projekt wollen die USA unabhängiger von chinesischen Lieferketten werden.  (Bild:  St. George Mining)
Das Araxá-Projekt zielt auf die Suche nach seltenen Erden in Brasilien ab. Mit diesem Projekt wollen die USA unabhängiger von chinesischen Lieferketten werden.
(Bild: St. George Mining)

Die für die Elektronikbranche essenziellen seltenen Erden stehen wieder im Fokus geopolitischer Spannungen. Nach monatelangen Handelskonflikten haben die USA und China Ende Oktober 2025 eine wichtige, wenn auch zeitlich begrenzte Einigung erzielt: China wird seine Exportbeschränkungen für seltene Erden für ein Jahr aussetzen, im Gegenzug senken die USA ihre Zölle auf bestimmte chinesische Produkte. Für Hardware-Entwickler bringt diese Entwicklung kurzfristige Entspannung.

Seltene Erden sind unverzichtbar für die Herstellung von:

  • Smartphones und Displays (Neodym, Praseodym),
  • Elektromotoren und Antriebstechnik (Dysprosium, Terbium),
  • Magnetische Sensoren und Aktoren (Samarium, Gadolinium) und
  • Hochfrequenz-Elektronik (Lutetium).

Die vergangenen Monate hatten gezeigt, wie verletzbar die Lieferketten sind: US-Unternehmen kamen teilweise gar nicht mehr an die begehrten Rohstoffe heran, was Entwicklungsprojekte verzögerte und Kosten in die Höhe trieb. Parallel verhandeln die USA bereits mit Australien über eine Initiative in Höhe von 8,5 Mrd. US-Dollar zum Aufbau alternativer Lieferketten.

Ein konkretes Beispiel ist das Araxá-Projekt in Brasilien von St. George Mining, das sechs der zehn wichtigsten kritischen Mineralien für die USA beherbergt. Das Projekt weist mit 4,13 % seltenen Erden einen der höchsten Grade außerhalb Chinas auf und verfügt über eine JORC-konforme Ressource von über 40 Mio. Tonnen. JORC (Joint Ore Reserves Committee) ist der internationale Goldstandard für die Bewertung von Mineralvorkommen und ist vergleichbar mit Industrienormen in der Elektronik. Eine JORC-konforme Schätzung bedeutet, dass die Rohstoffmengen nach strengen, international anerkannten Kriterien bewertet wurden und als zuverlässig gelten.

Besonders relevant für Elektronik-Anwendungen: Das Vorkommen enthält die für Permanentmagnete kritischen Elemente Neodym und Praseodym sowie die für Hochleistungsanwendungen wichtigen seltenen Erden Dysprosium und Terbium.

Kontroverse um Großinvestorin

Hauptinvestorin des Projekts ist die australische Milliardärin Gina Rinehart über ihr Unternehmen Hancock Prospecting mit 22,5 Mio. Australische Dollar. Rinehart, die bereits in die großen seltene-Erden-Produzenten Lynas Rare Earth und MP Materials investiert hat, ist allerdings nicht unumstritten. Sie geriet in der Vergangenheit wegen Meinungsverschiedenheiten mit indigenen Gruppen, klimaskeptischen Äußerungen und Versuchen der Kunstzensur in die Kritik.

China-unabhängige Lieferkette wäre wünschenswert

Die einjährige Einigung verschafft der Branche Planungssicherheit für kurzfristige Projekte, langfristig bleibt die Diversifizierung der Rohstoffquellen jedoch essenziell. Entwickler sollten bei der Auswahl der Komponenten verstärkt die Verfügbarkeit kritischer Materialien berücksichtigen und alternative Materialkonzepte evaluieren. Die fragile Natur der Einigung zeigt: Eine robuste, China-unabhängige Lieferkette für seltene Erden bleibt ein strategisches Ziel westlicher Volkswirtschaften. (heh)

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