Meilensteine der Elektronik

Vom Allwellenfrequenzmesser zum HF-Präzisionsmessgerät

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Vom Labor zur Fabrik als neues Geschäftsmodell

Der Erfolg des jungen Unternehmens führte nicht nur zu einer stetig steigenden Mitarbeiterzahl, auch das Geschäftskonzept musste überdacht werden. Zunächst hatten die Firmengründer vor, ausschließlich im Auftrag großer Elektronikfirmen ihre Messgeräte zu entwickeln . Eine eigene Fertigung war zu diesem Zeitpunkt nicht vorgesehen. Die Industrie verlangte aber bald fertige Messgeräte. Ab 1936 begannen sie aufgrund der hohen Nachfrage, Messgeräte in Kleinserien von circa 50 Stück zu fertigen. Bestehen blieb aber der enge Kundenkontakt: Die Entwickler von Rohde & Schwarz erarbeiteten stets zusammen mit den Kunden Lösungen, was sich bis heute erhalten hat.

In den 1940er Jahren erhielt das Unternehmen schließlich den ersten Großauftrag, Funkmessbeobachtungs-Empfänger zu produzieren. Da es sich dabei um einen Lieferumfang von mehreren 1000 Stück handelte, war klar, dass die Firma umstrukturiert werden musste: Der Schritt von der Kleinserien-Fertigung zur industriellen Produktion war gemacht. Bis heute produziert das Unternehmen in eigenen Produktionswerken in Memmingen im Allgäu (seit 1944), Teisnach im Bayerischen Wald (seit 1969) sowie Vimperk in Tschechien (seit 2001). Ein weiteres Werk befindet sich seit 2011 in Asien mit Standorten in Singapur und Malaysia.

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Die erste tragbare Quarzuhr vom Typ CFQ produzierte das PTE ab dem Jahr 1938. Mit dieser Entwicklung wurde das PTE weit über die Grenzen Deutschlands bekannt. Die Quarzuhr war gleichzeitig ein Normalfrequenzerzeuger und hatte eine Genauigkeit von ±0,004 Sekunden pro Tag. Das Besondere an der Uhr war allerdings ihr Gewicht. Die Quarzuhren der Konkurrenz und in der Reichsanstalt waren große Schränke. Die Uhr des PTE wog dagegen gerade einmal 36 kg, das dazugehörige Gestell brachte nochmals 10 kg auf die Waage.

Das Gerät wurde als genaues Zeit- und Frequenznormal für vielseitige Anwendungen entwickelt. Es war ebenso geeignet, die Normalfrequenzen für Laboratorium und Prüffelder zu liefern und genaue Zeit und Zeit-Impulse anzugeben. Die Uhr ließ sich universell einsetzen: als astronomische Uhr, Schiffsuhr und als Normaluhr für Fabriken und Kraftwerke. Sie sollte als Synchronisier-Hilfsmittel zur Uhrenkontrolle dienen und als Frequenznormal für Kraftwerke, Prüffelder und Laboratorien.

Weltweit erster Netzwerkanalysator aus den 1950er Jahren

1950 brachte das Unternehmen den weltweit ersten vektoriellen Netzwerkanalysator auf den Markt. Ein Netzwerkanalysator misst das Übertragungsverhalten von elektrischen Bauteilen oder Schaltungen. Dazu sendet er ein Signal zum Messobjekt, von dem Frequenz, Amplitude und Phase bekannt sind. Ein Teil des Signals wird reflektiert, der Rest tritt am Ausgang als übertragenes Signal aus. Beides wird vom Netzwerkanalysator gemessen und als Transmission und Reflexion dargestellt.

Die damals gängigen Netzwerkanalysatoren gaben nur den Betrag dieser Messgrößen wieder. Anders dagegen der Z-g-Diagraph: Hier konnte der Messingenieur das vollständige Übertragungsverhalten sehen, da er erstmals die Phase und den Betrag der S-Parameter gleichzeitig messen konnte. Der Z-g-Diagraph wurde vor allem für Messungen an Hörfunk- und Fernsehantennen verwendet.

Er kam aber auch bei Tests an Spezialkabeln in der Nachrichtentechnik zum Einsatz. Mikrowellen-Ingenieuren diente er als Smith-Diagramm. Auf den Z-g-Diagraph ZDU mit Frequenzen von 30 bis 300 MHz, der Anfang der 1950er Jahre entwickelt wurde, folgte der ZDD mit 300 bis 2400 MHz. Nach heutigen Maßstäben kein Leichtgewicht: Der ZDD brachte 62 kg auf die Waage.

Im Jahr 1958 entwickelte Rohde & Schwarz einen Breitband-Sweeper, damals noch Wobbler genannt. Das Gerät zeigt automatisch die frequenzabhängige Übertragungsfunktion von Messobjekten an und bediente sich des Wobbel-Verfahrens, bei dem ein Generatorsignal zyklisch zwischen zwei Frequenzen hin- und herpendelt. Zwar war das Verfahren in der Messtechnik nicht neu, hatte aber den Ruf, sehr unpräzise zu sein. Das Polyskop SWOB räumte mit diesem Vorurteil auf und avancierte zu einem Bestseller.

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