KI-Politik USA wollen Export von KI-Chips weltweit stärker kontrollieren

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

Washington arbeitet offenbar an neuen Regeln für den Export von KI-Chips. Künftig könnten selbst Verkäufe an Partnerländer genehmigt werden müssen – teils verknüpft mit Auflagen, Sicherheitszusagen und Investitionen in den USA.

Erst für kurzem hatte die US-Regierung unter bestimmten Bedingungen gestattet, dass High-End Chips für KI wie Nvidias H200-Reihe (im Bild) doch nach China exportiert werden dürfen. Aber nun wird das Steuer ummso härter wieder zurückgerissen: Ein eEntwurf sieht vor, den Export von Hardware für KI-Technologien weltweit stärker zu kontrollieren. Selbst Verbündete wären betroffen.(Bild:  Nvidia)
Erst für kurzem hatte die US-Regierung unter bestimmten Bedingungen gestattet, dass High-End Chips für KI wie Nvidias H200-Reihe (im Bild) doch nach China exportiert werden dürfen. Aber nun wird das Steuer ummso härter wieder zurückgerissen: Ein eEntwurf sieht vor, den Export von Hardware für KI-Technologien weltweit stärker zu kontrollieren. Selbst Verbündete wären betroffen.
(Bild: Nvidia)

Die US-Regierung will sich offenbar deutlich stärker in den weltweiten Export von KI-Chips einmischen. Nach übereinstimmenden Berichten arbeitet das Handelsministerium in Washington an einem Regelwerk, das Ausfuhren von Hochleistungschips von Anbietern wie Nvidia und AMD künftig wesentlich enger an Genehmigungen der US-Behörden binden würde. Damit würde Washington seine Kontrolle über den Aufbau globaler KI-Infrastruktur spürbar ausweiten.

Bislang gelten vergleichbare Beschränkungen vor allem für bestimmte Länder, in erster Linie China und Russland. Der neue Ansatz würde diese Logik nun global ausdehnen. Praktisch hieße das: Wer leistungsfähige US-KI-Chips kaufen will, müsste in deutlich mehr Fällen als bisher die Zustimmung aus Washington einholen.

Mehr Kontrolle auch bei kleineren Lieferungen

Nach den Entwürfen, über die derzeit beraten wird, könnten sogar kleinere Installationen mit weniger als 1.000 Chips genehmigungspflichtig werden. Für Ausnahmen wären demnach zusätzliche Bedingungen nötig. So müssten Exporteure die Nutzung der Chips überwachen, und Empfänger müssten technische Vorkehrungen akzeptieren, die eine spätere Zusammenschaltung zu größeren Clustern verhindern.

Je größer das geplante Rechenzentrum, desto strenger dürften die Anforderungen ausfallen. Für umfangreichere Vorhaben wäre demnach eine Vorabfreigabe nötig, bevor überhaupt Exportlizenzen beantragt werden können. Im Raum stehen dabei auch Auflagen wie detaillierte Angaben zum Geschäftsmodell oder sogar Vor-Ort-Kontrollen durch US-Behörden.

Bei besonders großen Projekten würden nach den vorliegenden Berichten nicht nur Unternehmen, sondern auch Regierungen in die Pflicht genommen. Für sehr große Chip-Deployments könnte Washington Sicherheitsgarantien verlangen und Investitionen in den Vereinigten Staaten zur Bedingung machen. Vorbild wären demnach Vereinbarungen mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Washington als Torwächter der KI-Infrastruktur

Politisch verfolgt die US-Regierung damit einen doppelten Ansatz. Einerseits betont sie, dass die Welt weiterhin amerikanische KI-Technologie nutzen solle. Andererseits will sie selbst bestimmen, unter welchen Bedingungen andere Staaten und Firmen Zugang zu dieser Schlüsseltechnologie erhalten.

Das würde die USA faktisch zum Torwächter der globalen KI-Infrastruktur machen. Ob ein Land neue Rechenzentren bauen kann, könnte damit künftig nicht mehr nur von Kapital, Energieversorgung und Flächen abhängen, sondern auch vom politischen Wohlwollen in Washington.

Noch ist allerdings offen, wie restriktiv das System am Ende tatsächlich ausfallen würde. Nach Angaben aus Regierungskreisen handelt es sich bislang um Entwürfe, die sich noch deutlich ändern könnten. Das Handelsministerium betonte zudem, man wolle nicht zum Regelwerk der vorherigen Regierung zurückkehren, das intern als zu weitreichend kritisiert worden war.

Technologie wird zur Geisel der Politik

Für Unternehmen und Staaten rund um den Globus schafft das Vorhaben dennoch neue Unsicherheit. Werden Lizenzen zügig erteilt, könnte der Ausbau der KI-Infrastruktur weitergehen, wenn auch mit deutlich mehr Bürokratie. Kommt es dagegen zu Verzögerungen oder zähen Verhandlungen, würden Investitions- und Baupläne erheblich komplizierter.

Besonders heikel ist die Frage, ob die USA den Zugang zu KI-Chips künftig stärker mit außen- und handelspolitischen Interessen verknüpfen. Kritiker warnen davor, dass Exportgenehmigungen so zu einem Instrument in breiteren diplomatischen Verhandlungen werden könnten. Gerade für Länder mit eigenen Ambitionen beim Aufbau großer KI-Rechenzentren würde das die Abhängigkeit von Washington weiter erhöhen.

Im Hintergrund spielt auch der Wettbewerb mit China eine zentrale Rolle. Die USA wollen nicht nur den Fluss sensibler Chips besser überwachen, sondern auch verhindern, dass chinesische Unternehmen über Drittstaaten indirekt Zugriff auf große Rechenkapazitäten erhalten. Damit wären die neuen Regeln nicht nur Industriepolitik, sondern auch ein weiteres Element im geopolitischen Wettlauf um die Kontrolle über die Infrastruktur des KI-Zeitalters.(sg)

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