Die Einfuhr von Produkten aus Taiwan in die USA soll von den bislang veranschlagten 20 % auf 15 % gesenkt und damit auf dasselbe Niveau wie Japan oder Südkorea gebracht werden. Das berichten mehrere Medienagenturen unter Berufung auf laufende Verhandlungen zwischen den Regierungen. Im Gegenzug soll sich TSMC verpflichten, nochmals bis zu sechs weitere Fabs in Arizona zu errichten.
Hauptsitz der TSMC-Zweigstelle in Arizona: Mehreren Medienberichten zufolge sollen Taiwan und die USA kurz vor einer Übereinkunft stehen, um Einfuhrzölle aus Taiwan auf 15% zu senken. Im Gegenzug soll aber TSMC sich zu dem Bau von bis zu fünf weiteren Fabs in Arizona verpflichten, was die Gesamtzahl auf 11 Produktionslinien, zwei Chipgehäuse-Anlagen und ein F&E-Zentrum bringen dürfte.
(Bild: TSMC)
Die US-Regierung steht kurz vor einem Handelsabkommen mit Taiwan, das für die globale Elektronikindustrie erhebliche Folgen haben dürfte. Im Kern geht es um niedrigere Zölle und um deutlich mehr Chipfertigung auf amerikanischem Boden. Mehrere übereinstimmende Berichte deuten darauf hin, dass der Deal noch in diesem Monat vorgestellt werden könnte.
Nach Informationen von Bloomberg sollen die US-Zölle auf taiwanische Importe von derzeit 20 auf 15 Prozent sinken. Damit würde Taiwan zollseitig mit Japan und Südkorea gleichziehen, die bereits ähnliche Vereinbarungen mit Washington getroffen haben.
Im Gegenzug rückt ein Unternehmen besonders in den Fokus: Taiwan Semiconductor Manufacturing Co.. Der weltweit größte Auftragsfertiger für Halbleiter soll seine bereits umfangreichen Investitionszusagen in den USA nochmals deutlich ausbauen.
Mehr Fabs, mehr Kapital, längerer Atem
Laut Bloomberg plant TSMC, mindestens vier weitere Chipfabriken in Arizona zu errichten. Diese kämen zu sechs bereits zugesagten Werken sowie zwei Anlagen für Advanced Packaging hinzu. Die zusätzlichen Fabs sollen in den 2030er-Jahren in Betrieb gehen.
Die Dimensionen sind enorm. Der Bau einer einzelnen modernen Fab kostet inzwischen mehr als 20 Milliarden US-Dollar. Entsprechend könnte das zusätzliche Engagement von TSMC ein Volumen von mehreren 100 Milliarden US-Dollar umfassen. Bereits heute summieren sich die angekündigten US-Investitionen des Konzerns auf bis zu 165 Milliarden US-Dollar.
Auch die Marktanalysten von TrendForce berichtet von einer weiteren Eskalationsstufe. Demnach bereitet TSMC sogar bis zu fünf zusätzliche Fabs in Arizona vor. Ein kürzlich erfolgter Grundstückskauf für rund 197 Millionen US-Dollar wird als klares Signal für eine neue Investitionswelle gewertet. Das Gesamtvolumen der Investitionen von TSMC in den Standort Arizona könnte, je nach Angaben und Berechnungen, damit bis 2030 um die 463 Mrd. US-Dollar umfassen.
Unterschiede in den Zahlen zeigen, dass der finale Zuschnitt des Deals noch offen ist. Klar ist jedoch: Washington sieht in TSMC einen zentralen Hebel, um die eigene Halbleiterproduktion zu stärken und Abhängigkeiten von Asien zu reduzieren.
Zölle als Druckmittel
Für TSMC haben die Investitionen nicht nur industriepolitische, sondern auch handelspolitische Bedeutung. Die US-Regierung hat in den vergangenen Monaten wiederholt mit neuen Zöllen gedroht, auch auf Halbleiter. Unternehmen mit substantieller Fertigung in den USA könnten davon ausgenommen werden, wie mehrere US-Medien berichten.
Nach Angaben des Wall Street Journal sollen die neuen Werke vor allem hochmoderne Logikchips fertigen. Dazu zählen Prozessoren für künstliche Intelligenz und High-Performance-Computing, etwa für Kunden wie Nvidia oder AMD.
Für Abnehmer aus der Elektronikindustrie könnte das mittelfristig stabilere Lieferketten und eine stärkere regionale Diversifikation bedeuten. Kurzfristig bleiben jedoch Fragen zu Kosten, Ausbeute und Verfügbarkeit offen. Ebenso ist unklar, wie sehr sich die Investition für TSMC tatsächlich rechnen dürfte.
Nach Einschätzung von Semianalysis kostet die Fertigung eines 5-nm-Wafers aktuell verglichen mit den Werken in Taiwan im US-Werk rund das 2,4-Fache. Die Analysten kommen bei ihren Berechnungen pro Wafer auf 6.681 US-Dollar für Taiwan und 16.123 US-Dollar für die USA, womit die Marge derzeit bei nur 8 Prozent läge. Zwar verkauft TSMC die Wafer aus US-Produktion teurer, und mehrere Produktionslinien dürften für Redundanzen sorgen, um mögliche Spitzenauslastungen besser zu verteilen. Vollständig dürften sich die Mehrkosten aber wohl nicht weitergeben lassen - zumal die bereits zugesagten Fabs 3 bis 6 nicht vor dem Jahr 2030 in Produktion gehen dürften. Die modernsten Produktionslinien sollen zudem in jedem Fall weiter in Taiwan verbleiben.
Ferner stellt sich die Frage, woher TSMC für die neuen Anlagen das notwendige Fachpersonal in der Kürze der Zeit beziehen will. Der Bedarf ist bereits für die aktuellen sechs Produktlinien in Arizona sehr hoch. Ein Druck, der sich nur weiter verstärken dürfte, zumal auch Intel mit modernen 18A-Anlagen und Micron mit seiner angedachten Megafab im Bundesstaat New York geeignetes Fachpersonal stark umwerben wird. Neben den bereits sechs zugesagten Fabs möchte TSMC bis 2028 darüber hinaus noch zwei Gehäusetechnologieanlagen und ein F&E-Zentrum in Arizona an den Start bringen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Politischer Kontext und offene Risiken
Politisch ist der Deal heikel. Taiwan bemüht sich seit Monaten um eine Einigung mit den USA, auch vor dem Hintergrund des zunehmenden Drucks aus China. Nach Angaben von Reuters haben beide Seiten inzwischen einen „breiten Konsens“ erreicht und sprechen über den Zeitplan für ein abschließendes Treffen.
Die taiwanische Regierung strebt offiziell eine Absenkung der Zölle auf 15 Prozent an. Gleichzeitig verweist sie auf ihre Erfahrung beim Aufbau erfolgreicher Technologiecluster rund um Science Parks, ein Modell, das auch in den USA Schule machen könnte.
Übersicht über eine mögliche Roadmap der bis zu 11 in Bau befindlichen oder geplanten TSMC-Fabs in Arizona, zusammengetragen aus diversen Medienmeldungen, Unternehmensangaben und Analysen von Marktbeobachtern.
(Bild: Trendforce)
Noch ist allerdings unklar, wie schnell TSMC seine Zusagen tatsächlich umsetzen kann. Der Bau neuer Fabs ist komplex, kapitalintensiv und abhängig von Fachkräften, Genehmigungen und Infrastruktur. Zudem steht in den USA eine Entscheidung des Supreme Court zur Rechtmäßigkeit globaler Zölle an, die den Verhandlungsspielraum der Regierung verändern könnte.
Es wirkt ein wenig so, als spielten Taiwan und TSMC mit dem Versprechen weiterer Produktionslinien in den USA auf Zeit. Denn bis wann diese neuen Fabs in Angriff genommen werden sollen, ist unklar. Während die erste Fab in Arizona bereits den ersten Betrieb aufgenommen hat (wenn auch noch nicht mit voller Kapazität), und zumindest der Bau (wenn auch nicht die Einrichtung) von Fab 2 als angeschlossen gilt, werden Fabs 3 bis 6 erst frühestens im Jahr 2030 fertig für die Serienproduktion sein. Die potentiellen Fabs 7 bis Fab 11 sollen dann "in den 2030er Jahren" den Betrieb aufnehmen. Das könnte aber genauso gut heißen, dass der tatsächliche Baubeginn erst nach dem Ende der aktuellen Regierungszeit von Trump 2 ins Auge gefasst wird...
Der mögliche Deal ist strategisch hochrelevant, aber noch kein Selbstläufer. Wer langfristig plant, sollte die Entwicklungen genau verfolgen und sie in Standort-, Lieferketten- und Investitionsentscheidungen einbeziehen. (sg)