Schwarze Liste des US-Verteidigungsministeriums USA bezeichnen CATL und Tencent als chinesische Militärunternehmen

Von Susanne Braun 4 min Lesedauer

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Jährlich veröffentlicht das US-Verteidigungsministerium eine Schwarze Liste der „chinesischen Militärunternehmen, die in den Vereinigten Staaten tätig sind“. Die Aufnahme auf die Liste hat keine direkten Konsequenzen, könnte sich aber wirtschaftlich auswirken. Neu auf dieser Liste sind Batteriehersteller CATL und Unterhaltungskonzern Tencent.

Die Schwarze Liste des US-Verteidigungsministeriums wird einmal im Jahr aktualisiert - diesmal sind CATL und Tencent darauf gelandet.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Die Schwarze Liste des US-Verteidigungsministeriums wird einmal im Jahr aktualisiert - diesmal sind CATL und Tencent darauf gelandet.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Seit 2021 wird vom US-Kongress eine jährliche Aktualisierung der Schwarzen Liste „1260H“ des US-Verteidigungsministeriums vorgeschrieben, auf der „chinesische Militärunternehmen, die in den Vereinigten Staaten tätig sind“ vermerkt sind – so lässt sich das grob übersetzen. Diese Liste enthält Namen von Firmen, die von den USA als chinesisches Militärunternehmen eingeordnet werden oder aber zur Unterstützung des chinesischen Militärapparats beitragen. Die Absicht hinter dieser Liste, die vorerst keine direkten Auswirkungen oder Sanktionierungen mit sich bringt, ist die Sicherung der heimischen Lieferkette und die „Beseitigung von Einrichtungen, die Chinas Strategie der militärisch-zivilen Verschmelzung unterstützen“, wie The Washington Post Pentagon-Sprecherin Selena Rodts zitiert.

Wie bereits angesprochen, bringt die Erwähnung eines Unternehmens auf der Liste keine direkten Nachteile mit sich, allerdings können sich langfristige Nachwirkungen entwickeln; von der Risikowahrnehmung bei der Zusammenarbeit mit einem der genannten Unternehmen über den Aktienkurs bis zu der langfristigen Überlebensfähigkeit auf dem US-Markt. Bedeutet: Auf dieser Liste möchte man nicht stehen, wenn man seine wirtschaftlichen Bestrebungen in den Vereinigten Staaten vorantreiben will. Gegen die Nennung kann man übrigens Beschwerde einlegen.

Und zwei neu auf der Liste aufgetauchte chinesische Unternehmen haben genau das vor. Denn auf der Liste, die am 6. Januar 2025 vom Bundesregister veröffentlicht wurde, stehen Contemporary Amperex Technology Co., Ltd (allgemein bekannt als CATL) und Tencent Holdings Limited. CATL ist einer der weltweit größten Hersteller von Batterien, Tencent wiederum eines der größten und wertvollsten Internet- und Unterhaltungsunternehmen weltweit, das insbesondere im Gaming-Bereich in sehr vielen (auch) US-amerikanischen Unternehmen involviert ist. „Weitere Neueinträge auf der Liste sind der größte chinesische Hersteller von Verkehrsflugzeugen, eine DNA-Sequenzierungsfirma mit Verbindungen in die USA und zwei Unternehmen, die im Zentrum von Chinas Boom in der Überwachungstechnologie stehen“, merken die Autoren von The Washington Post an.

CATL beliefert Tesla – bleibt das dann so?

Die Erwähnung von CATL auf der Schwarzen Liste „1260H“ ist speziell deswegen interessant, weil CATL den US-amerikanischen E-Fahrzeughersteller Tesla beliefert. Und Tesla-Chef Elon Musk soll laut den Plänen des neu gewählten US-Präsidenten Trump eine strategisch wichtige Rolle in der Regierung übernehmen. Musk wiederum hat erhebliche Geschäftsinteressen in China, was sich wiederum in einer Verkomplizierung der politischen Lage zwischen China und den USA äußern könnte. Wie genau sie Stimmung hinsichtlich der Aufnahme CATLs auf die Liste des Pentagons ausschaut, ist derzeit unbekannt, denn das Übergangsteam der Trump-Regierung hat bisher nicht auf die Anfrage für eine Stellungnahme seitens The Washington Post geantwortet.

Es ist anzunehmen, dass CATLs Erwähnung auf der Liste ähnlich begründet wird wie die von Huawei. Die Daten, die CATL über Ladestationen oder Batteriemanagementsysteme Übersee sammelt, könnten von der chinesischen Regierung mit Spionageabsichten genutzt werden, denn die Herausgabe von eigenen und von Kundendaten kann in China per Gesetz verlangt werden.

„Die Einbindung von CATL in das US-Stromnetz durch die Zusammenarbeit mit amerikanischen Energieunternehmen schafft potenzielle Schwachstellen, die zur Unterbrechung grundlegender Dienste ausgenutzt werden könnten, ähnlich wie die Bedenken, die in Bezug auf die tiefe Einbindung des chinesischen Tech-Giganten Huawei in globale Telekommunikationsnetze geäußert wurden“, sagt Craig Singleton bei The Washington Post. Singleton ist Senior China Fellow bei der Stiftung für die Verteidigung der Demokratien.

Tencents Aktienkurs stürzt ab

Die Erwähnung auf der Schwarzen Liste des US-Verteidigungsministeriums kann wie im Fall von Tencent auch direktere Auswirkungen haben. Nach Bekanntgabe der Liste fiel der Aktienkurs des Unternehmens um rund zehn Prozent. „Die Aufnahme von Tencent in diese Liste ist eindeutig ein Fehler“, erklärte das Unternehmen in einer Stellungnahme. „Wir sind kein militärisches Unternehmen oder Lieferant. Wir werden jedoch mit dem Verteidigungsministerium zusammenarbeiten, um alle Missverständnisse auszuräumen.“

Tencent ist nicht nur eines der wertvollsten Internet-Unternehmen Chinas, sondern hat in der Vergangenheit allerhand Beteiligungen an westlichen Firmen erworben. Dazu gehören Videospielentwickler wie Activision Blizzard, Epic Games, Funcom, Grinding Gear Games, Paradox Interactive, Riot Games, Supercell, Ubisoft, Yager und mehr. Aber auch an anderen Unternehmen ist Tencent beteiligt, dazu gehören der Musik-Anbieter Spotify, Social-Media-Plattformen wie Discord und Snapchat, E-Commerce-Anbieter JD.com und E-Autohersteller Tesla.

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Die finale Eintragung auf dieser Liste tritt erst 2026 in Kraft, dennoch könnte die Liste des Pentagons anderen US-Behörden, die Ermittlungen gegen die genannten Firmen durchführen, Auftrieb geben. Von der Liste kann man übrigens auch wieder entfernt werden; so aktuell geschehen mit den folgenden Unternehmen: Beijing Megvii Technology Co., Ltd. (Megvii), China Marine Information Electronics Company Limited (China Marine Info Elec), China Railway Construction Corporation Limited (CRCC), China State Construction Group Co., China Telecommunications Corporation und ShenZhen Consys Science & Technology Co., Ltd. (Consys). (sb)

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