Eskalation im „Chip-Krieg“ Peking signalisiert härtere Antwort auf die Chip-Boykotte aus den USA

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Der „Chip War“, den die USA gegen China führen, eskaliert schon vor dem Amtsantritt von Donald Trump. Am 2. Dezember 2024 hat Washington eine dritte Runde von Sanktionen angekündigt, die den Druck auf Peking weiter verschärfen sollen. Peking antwortet mit eindeutigen Signalen, dass ab jetzt härtere Vergeltungsmaßnahmen ergriffen werden.

Die Regierung der Volksrepublik China reagiert nicht mehr ganz so gelassen auf die Sanktionen aus den USA.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Die Regierung der Volksrepublik China reagiert nicht mehr ganz so gelassen auf die Sanktionen aus den USA.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Nur einen Tag nach den weiteren Exportkontrollen aus den USA, verhängte Peking ein Embargo auf den Export von Gallium, Germanium, Antimon und weiteren „superharten“ Materialien in die USA. Diese Materialien werden für die Produktion von Halbleitern und Batterien benötigt, und China dominiert die globalen Lieferketten für diese Stoffe.

Ebenfalls nur einen Tag nach der neuesten Runde von Chip-Boykotten aus Washington warnten vier der fünf führenden chinesischen Industrieverbände davor, dass Chips aus den USA „nicht länger sicher“ seien und möglichst durch Chips aus heimischer Produktion oder aus anderen Herkunftsländern ersetzt werden sollen.

Und am selben Tag, wieder keine 24 Stunden nach der neuesten Eskalation des Chip-Krieges aus dem amerikanischen Handelsministerium, hat ein weiterer Industrieverband in China eine erweiterte „Weiße Liste“ für heimische Autohersteller veröffentlicht.

Whitelist für chinesische Autobauer

Die „China Automotive Chip Industry Innovation Strategic Alliance“ veröffentlichte seine neue „White List“ für zehn Kategorien von Autochips, darunter solche zur Kontrolle von Body, Chassis, Motor und Funktionen des intelligenten oder autonomen Fahrens. „China hatte sich bislang recht langsam oder vorsichtig bewegt, was die Vergeltung gegen Schritte der Vereinigten Staaten betrifft, aber es scheint ziemlich klar zu sein, dass die Samthandschuhe jetzt abgelegt werden“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen Analysten.

Peking hatte weitgehend abwartend und mit immer neuen Verhandlungsangeboten reagiert, seit Washington in der ersten Regierungszeit von Donald Trump seinen Handels- und Technologiekrieg gegen China stark ausgeweitet hatte.

Auch als die Nachfolgeregierung unter Joe Biden die Sanktionen für Halbleiter und Ausrüstungen für deren Herstellungen, primär Lithografie-Maschinen, immer weiter ausweitete und immer mehr chinesische Unternehmen auf Boykott-Listen setzte, hatte Peking nicht viel mehr als vereinzelte „Warnschüsse“ abgegeben. Dabei handelte es sich etwa um ein beschränktes Verkaufsverbot von Chips des US-Herstellers Micron oder die Androhung von Untersuchungen bei Intel.

Es sind weitere Verschärfungen zu erwarten

Nun aber sendet Peking deutliche Signale, dass es während der zweiten Amtsperiode von President Elect Donald Trump, der bereits vor der Ablegung seines Amtseides mit neuen Strafzöllen in Richtung Peking droht, nicht mehr so passiv bleiben wird wie bisher. Wie ein Echo auf die Begründungen der US-Boykotte gegenüber China aus Washington klingt es jetzt, was das Handelsministerium in Peking zur Begründung seiner eigenen Exportverbote für Gallium, Germanium und Antimon anführt. Diese könnten „auch für militärische Zwecke eingesetzt werden“, so ein MOFCOM-Sprecher in der chinesischen Hauptstadt.

In ihrer dritten Runde von Boykotten gegenüber China im Chip War am Anfang dieses Monats hatte die US-Regierung 136 weitere chinesische Unternehmen auf seine „Entity List“ gesetzt, die ihnen den Kauf von fortgeschrittenen Chips und Werkzeugen sowie Software für deren Herstellung untersagt. Es handelt sich vor allem um Geschäftspartner von Huawei und der chinesischen Foundry SMIC. Auch ist die Liste der von Ausfuhrverboten nach China betroffenen Halbleiter ist in Washington erneut verlängert worden. Neuerdings dürfen auch bestimmte HBM-Chips nicht mehr nach China geliefert werden. HBM oder „High Bandwith Memory“ ist eine strategisch wichtige Komponente für den schnellen Datentransfer zwischen Prozessoren, ohne die zum Beispiel KI-Rechner kaum zu betreiben sind.

Das Handelsministerium in Peking hat den USA nach der neuesten Sanktions-Verschärfung einen „Missbrauch von Kontrollmaßnahmen“ vorgeworfen, der „die Stabilität der globalen Lieferketten gefährdet“. Die US-Handelsministerin Gina Raimondo nannte die neuen Boykotte die „bisher schärfsten Kontrollen“, mit denen in der Volksrepublik China die Fähigkeit zur Herstellung der „fortschrittlichsten Chips herabgestuft wird, die sie in ihrer militärischen Modernisierung nutzen“. (sb)

(ID:50263818)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung