Der größte Chipauftragsfertiger TSMC baut eine zweite Fab in Japan. Autobauer Toyota beteiligt sich – neben Denso und Sony – daran. Dieser strategische Schritt erregt in der Industrie große Aufmerksamkeit.
„Onshoring“ ist im Trend: Mit Unterstützung von Toyota und voraussichtlich der japanischen Regierung wird TSMC in Japan eine zweite Fab bauen. Anders als bei der Fab 18 im Bild wird diese keine winzigen 3-nm-Prozessknoten fertigen, sondern 6- oder 7-nm-Knoten. Auch das wäre für den Automotive-Bereich allerdings ein Novum.
(Bild: TSMC)
Toyota beteiligt sich als Investor an einem zweiten Werk von TSMC im japanischen Kumamoto. Wie die japanische Regierung und die beteiligten Unternehmen Anfang Februar bekannt gaben, wird der Autohersteller zwei Prozent der Anteile an der zweiten Phase der neuen Fab auf der japanischen Insel Kyushu erhalten.
TSMC, der taiwanesische Chiphersteller wird nach einer Kapitalerweiterung von etwas mehr als fünf Milliarden US-Dollar dann noch 86,5 Prozent seiner japanischen Tochter „Japan Advanced Semiconductor Manufacturing“ (JASM) besitzen. Die bisherigen Investoren Sony und Denso werden ebenfalls neue Mittel zuschießen und anschließend sechs, respektive 5,5 Prozent der JASM-Anteile halten.
Wider den Versorgungsengpass
Trotz der geringen Beteiligung von Toyota erregt der strategische Schritt des Autoherstellers in der Industrie große Aufmerksamkeit, weil das Unternehmen hier konkret an der Sicherung seiner Lieferketten für Automotive-Halbleiter arbeitet.
Solche „Crossover“-Projekte aus den Auto- und Chipindustrien werden immer beliebter, seit viele Autobauer während der Corona-Krise und der Anfangsphase des Elektroauto-Booms in China mit Versorgungsengpässen zu kämpfen hatten.
Start der Serienfertigung für 2027 avisiert
Das neue Werk soll in der Nähe der gerade in Bau befindlichen ersten TSMC-Fabrik in Kumamoto entstehen. Es soll genau wie das erste Werk Halbleiter für die Autoindustrie, für Anwendungen in der Verbraucherelektronik und andere Industrien produzieren. Die erste Fab soll noch in diesem Jahr, die zweite 2027 mit der Serienfertigung beginnen.
Während das erste Werk Halbleiter mit Prozessen von bis zu 12 Nanometern und mehr baut, sollen in dem zweiten Wert noch fortschrittlichere Chips mit Prozessen bis zu sechs oder sieben Nanometern entstehen.
Trend zum „Onshoring“ von IC-Lieferketten
Dies wird von manchen Kommentatoren in Japan als großer Erfolg für Premier Fumio Kishida gewertet, der ähnlich wie Regierungen anderer Länder mit Milliarden von Subventionen das „Onshoring“ einer möglichst modernen Halbleiterproduktion in heimischen Gefilden vorantreibt.
An TSMC kommt dabei jedoch keiner der Matadoren einer „eigenen Halbleiterindustrie“ vorbei. TSMC baut an zwei Fabs für fortgeschrittene Halbleiter in Arizona, auch wenn die sich gerade durch Gewerkschaftsproteste und Kostenfragen verzögern. Auch in Deutschland plant TSMC ein neues Werk.
An TSMC kommt kaum eine Region vorbei
Überall fließt ein erheblicher Teil der nationalen Subventionen zum Aufpäppeln der heimischen Halbleiterindustrie auf die Konten von TSMC, so auch jetzt wieder in Japan. Das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie hat in jüngster Zeit insgesamt Zuschüsse in Höhe von zwei Billionen japanischen Yen (rund 12 Milliarden Euro) für die Chipindustrie angekündigt.
Auch die Werke in Kumamoto dürfen mit hohen staatlichen Hilfen aus Tokio rechnen – genaue Summen wurden bislang nicht genannt. Für die insgesamt für die japanische TSMC-Tochter JASM geplanten Investitionen von 20 Milliarden US-Dollar rechne man mit „starker Unterstützung seitens der japanischen Regierung“, heißt es in einer Presseerklärung von TSMC in Hsinchu in Taiwan.
Japan will im Chipmarkt wieder mehr Gewicht bekommen
So versucht Japan, sich einen Teil seines verloren gegangenen Status als Chip-Supermacht zurückzuerobern. Irgendwann hatte man in Tokio aufgehört, an dem Rennen teilzunehmen und kann heute mit heimischer Technologie überwiegend nur noch sogenannte „Legacy-Chips“ mit Prozesstechnologien von 22 Nanometern oder mehr anfertigen. Die nun angekündigten 6- oder 7-nm-Prozesse in Kumamoto machen da schon etwas her, auch wenn man in Taiwan oder Südkorea bereits die Fertigung mit 2-nm-Prozessen vorbereitet.
Kritiker solcher nationalen Kraftanstrengungen merken immer wieder an, dass die Halbleiterindustrie ein hochgradig globales Unterfangen ist und dass der Einsatz von Steuergeldern zur Lokalisierung bestimmter Teile der Lieferkette keinesfalls zu echter Autarkie führt.
Auf der Plus-Seite aber erhält die japanische Chipindustrie auch durch das zweite TSMC-Werk eindeutig einen weiteren Boost. Wenn beide Werksphasen fertig gebaut sein werden, voraussichtlich im Jahr 2027, sollen dort mehr als 100.000 12-inch-Wafern pro Jahr gebaut werden können und 3.400 Arbeitsplätze geschaffen worden seien. Er hoffe, das zweite Werke werde „einen großen Domino-Effekt für die lokale Wirtschaft haben“, sagte der japanische Wirtschaftsminister Ken Saito.(me)
Stand: 08.12.2025
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