Projektbericht Testen auf Knopfdruck

Autor / Redakteur: Sabine Link* / Martina Hafner

Wer kennt ihn nicht, den Traum von Software-Tests, die über Nacht automatisiert ablaufen, so dass am nächsten Morgen die Testergebnisse vorliegen. Damit die Testautomatisierung Nutzen bringt, ist einiges zu beachten. Dieser Artikel schildert die Erfahrungen aus einem Medizintechnikprojekt.

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Die Ausgangssituation: Im hier beschriebenen Projekt dient die Applikation der Anzeige, Bearbeitung und Speicherung von medizinischen Aufnahmen. Diese Basis-Software wird an die Hersteller medizinischer Geräte weitergegeben. Nachdem es viele Abnehmer und somit unterschiedliche Versionen der Bildverarbeitungs-Software gibt, sind auch entsprechend oft Regressionstests nötig. Bisher wurden Hunderte von Tests für Funktionen und Arbeitsabläufe auf der Bedienoberfläche manuell ausgeführt.

Dabei dauerte ein manueller Durchgang nur des Systemtests etwa zwei Wochen und beschäftigte eine ganze Testabteilung. Deshalb wurde beschlossen, die Tests zu automatisieren. Die Tester erhofften sich, dass ihnen damit die eintönigen Routinechecks der Grundfunktionen abgenommen werden. Hier schleichen sich beim manuellen Testen leicht Flüchtigkeitsfehler ein, während automatische Testprogramme zuverlässige, oft und exakt reproduzierbare Ergebnisse liefern.

Mit der Automatisierung sollte auch mehr Freiraum für kreatives Testen und komplexere Testtätigkeiten entstehen. Die Erwartungen im Management richteten sich auf Zeit- und Kostenersparnis bei kürzeren Testzyklen. Im vorliegenden Fall sollte vor allem die Testdurchführung und -auswertung automatisiert werden. Dazu mussten die Benutzereingaben nachgestellt und die Auswirkungen auf dem Bildschirm verifiziert werden.

Die grafische Benutzeroberfläche des Programms bestand hauptsächlich aus nichtstandardisierten Steuerelementen und Eigenentwicklungen, auf die mit handelsüblichen Capture-Replay-Tools nicht oder nur schwer zuzugreifen war. Außerdem sollte der Testcode für die verschiedenen Produktvarianten leicht anpassbar sein. Manche Werkzeuge hatten Probleme mit Unicodezeichen, die für Patientennamen etc. gebraucht wurden, und das bei teilweise sehr hohen Lizenzkosten.

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Deshalb beschloss man, den Windows-Script-Host von Microsoft zu verwenden, der als allgemeine Laufzeitumgebung für Skriptsprachen mit dem Windows Betriebssystem kostenlos geliefert wird. Die fehlenden Funktionen sollten in einer entsprechenden Bibliothek zur Verfügung gestellt werden. Außerdem wurden weitere Werkzeuge zur optischen Texterkennung und für die Aufnahme von Bildschirmausschnitten integriert, um die Anzeige von Bild- und Patientendaten zu kontrollieren.

Startphase des Projekts „Testen auf Knopfdruck“

Somit begann das Projekt „Testen auf Knopfdruck“ zunächst mit der Erstellung eines Frameworks. Die Funktionen wurden so gekapselt, dass sie für den Skriptenschreiber mithilfe der Aktionswortmethode leicht verständlich und einfach zu benutzen waren. Bei dieser Methode werden einzelne Testschritte mit einem Schlagwort, dem Aktionswort beschrieben, z.B. „LoadPatient“. Dazu wird der entsprechende Testablauf in einer Methode gekapselt. Damit erhält man kleine, wiederverwendbare Module und eine Trennung zwischen fachlicher und technischer Ebene. Das hat den Vorteil, dass fällige Änderungen nur in der eigentlichen Prozedur gemacht werden müssen und nicht in dem Skript, das die Prozedur aufruft .

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