Industriepolitik Tesla streicht 100-Millionen-Auftrag bei deutschem Zulieferer SHW

Redakteur: Franz Graser

Die Nähe von Tesla-Chef Elon Musk zu Donald Trump lässt Branchenkreise spekulieren: Wurde der Großauftrag ein Opfer der neuen US-Handelspolitik? Tesla begründet die Streichung dagegen mit technischen Mängeln.

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Das schwäbische Unternehmen SHW mit Sitz in Aalen ist Spezialist für Motor- und Getriebeteile, so etwa diese Öl-Vakuumpumpe. Nun wurde bekannt, dass Tesla einen Auftrag in Höhe von 100 Millionen Euro bei SHW über Achsgetriebepumpen storniert hat.
Das schwäbische Unternehmen SHW mit Sitz in Aalen ist Spezialist für Motor- und Getriebeteile, so etwa diese Öl-Vakuumpumpe. Nun wurde bekannt, dass Tesla einen Auftrag in Höhe von 100 Millionen Euro bei SHW über Achsgetriebepumpen storniert hat.
(Bild: Daniel Banner)

Vergangenen Dienstag hatte der schwäbische Automobilzulieferer SHW aus Aalen mitgeteilt, dass ein Hersteller von Elektrofahrzeugen einen Großauftrag über 100 Millionen Euro storniert hat. Recherchen der „Wirtschaftswoche“ zeigten nun, dass es sich bei dem Auftraggeber um Tesla gehandelt hat.

Tesla hatte bei SHW laut „Wirtschaftswoche“ Achsgetriebepumpen bestellt. Für das schwäbische Traditionsunternehmen, das seine Anfänge auf das Jahr 1365 zurückführt, hatte der Auftrag den Einstieg in den Markt der Elektrofahrzeuge bedeutet. Entsprechend euphorisch hatte CEO Frank Boshoff Ende September 2016 den Auftrag begrüßt.

Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, gab Tesla technische Mängel an den gelieferten Teilen als Grund für die Stornierung an. Darüber hinaus warf der amerikanische Elektroauto-Pionier SHW vor, Verschwiegenheitsvereinbarungen missachtet zu haben.

In Branchenkreisen wird darüber heftig spekuliert, inwieweit die Stornierung des Großauftrags auf die Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump zurückzuführen sei. Tesla-Gründer Elon Musk hatte vor der US-Wahl als einer der heftigsten Kritiker des seit dem 20. Januar amtierenden Präsidenten gegolten. Nach dessen überraschendem Wahlsieg trat Musk jedoch Trumps Beraterteam bei.

Unter anderem befürwortete er die Ernennung des früheren Managers des Ölkonzerns Exxon Mobil, Rex Tillerson, zum US-Außenminister. Die „New York Times“ schrieb gestern über seine Beraterrolle: „Elon Musk hat das Ohr von Donald Trump.“ Laut der „Wirtschaftswoche“ dementierte Tesla zumindest indirekt, dass die Streichung des Auftrags etwas mit der neuen Industriepolitik der USA zu tun haben könnte.

SHW weist die Vorwürfe des amerikanischen Unternehmens zurück. Der schwäbische Traditionsbetrieb hatte den Auftrag im Herbst vergangenen Jahres zwar in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, den Namen des Auftraggebers dabei aber nicht genannt. In der Mitteilung war lediglich von dem „führenden Hersteller vollelektrischer Fahrzeuge“ die Rede gewesen.

Darüber hinaus schließt SHW technische Mängel laut „Wirtschaftswoche“ aus und prüft juristische Schritte.

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