Auf zum Atom Terrapower soll Kernenergie für Metas KI-Rechenzentren liefern

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 3 min Lesedauer

Acht Reaktoren, 4 Gigawatt Leistung, Lieferung ab 2032: Meta investiert Milliarden in Bill Gates' TerraPower Technologie, welche den massiven Energiezufluss für die prophezeite KI-Revolution liefern soll

Atomkraft ist umstritten. Doch zumindest ist sie aus Sicht des CO2-Ausstoßes nicht so schädlich für das Klima, wie Kohle oder Gas.(Bild:  frei lizenziert / Pexels)
Atomkraft ist umstritten. Doch zumindest ist sie aus Sicht des CO2-Ausstoßes nicht so schädlich für das Klima, wie Kohle oder Gas.
(Bild: frei lizenziert / Pexels)

Die vor kurzem bekannt gegebene Vereinbarung zwischen TerraPower und Meta Platforms soll den energiehungrigen Servern mit Atomstrom aushelfen. Erstmals engagiert sich ein globaler Technologiekonzern in großem Umfang direkt in der Entwicklung neuer Kernkraftwerke, um den langfristigen Energiebedarf seiner KI- und Rechenzentrumsstrategie abzusichern.

Im Kern der Partnerschaft steht Metas Beteiligung an der Entwicklung von bis zu acht sogenannten Natrium-Reaktoren von TerraPower. Diese sollen schrittweise ab den frühen 2030er-Jahren ans Netz gehen und eine elektrische Grundlast im Gigawatt-Bereich liefern. Entscheidend ist dabei nicht nur die schiere Leistung, sondern die technische Auslegung der Reaktoren. Durch integrierte Energiespeicher kann die Stromabgabe flexibel angepasst werden. Damit nähert sich Kernenergie erstmals funktional den Anforderungen moderner, lastdynamischer Rechenzentren an.

Kontext: Meta braucht zuverlässige Energie

Für Meta ist dieser Schritt eine logische Konsequenz aus dem rasanten Wachstum energieintensiver KI-Infrastrukturen. Trainingscluster und Rechenzentren für generative KI benötigen nicht nur große Energiemengen, sondern vor allem eine kontinuierliche, stabile Versorgung. Klassische erneuerbare Energien stoßen hier an physikalische Grenzen, da ihre Produktion wetterabhängig ist und Speicherlösungen in dieser Größenordnung bislang kaum wirtschaftlich skalieren. Kernenergie bietet dagegen CO₂-arme Grundlast über Jahrzehnte hinweg.

TerraPower profitiert im Gegenzug von einer Situation, die für neue Kernkraftprojekte selten ist. Sie profitieren von einem finanzstarken, industriegetriebenen Abnehmer, der nicht nur Strom kaufen, sondern bereits die Entwicklungsphase absichert. Gerade innovative Reaktorkonzepte scheitern häufig weniger an der Technik als an Finanzierung, Genehmigungsdauer und fehlender Abnahmegarantie. Metas Engagement reduziert dieses Risiko erheblich und beschleunigt damit den Übergang von Demonstrationsprojekten zur kommerziellen Nutzung.

Ein prägender Akteur hinter TerraPower ist Bill Gates, der das Unternehmen 2006 gemeinsam mit anderen Technologie- und Energie-Visionären ins Leben rief, weil er der Meinung war, dass private Innovation die Entwicklung fortschrittlicher Kernkraft beschleunigen könnte. Gates ist nicht nur einer der größten Investoren über seine Cascade Investment-Beteiligung, sondern fungiert auch als Vorsitzender des Vorstands und prägt die strategische Ausrichtung des Unternehmens auf neue Reaktorkonzepte wie Natrium- und Traveling-Wave-Reaktoren.

Ein markantes Kapitel in der TerraPower-Geschichte betraf eine frühe internationale Kooperation. 2015 unterzeichnete TerraPower mit der China National Nuclear Corporation (CNNC) eine Vereinbarung über den Bau eines Prototyp-Reaktors in der chinesischen Provinz Fujian. Dieses Projekt sollte TerraPowers Technologie praktisch erproben, wurde aber im Zuge verschärfter Export- und Technologietransfer-Beschränkungen der US-Regierung 2019 abgebrochen, bevor es realisiert werden konnte. Die Regierungspolitik erschwerte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Nuklearsektor, sodass TerraPower seine Pläne in China aufgeben musste und sich später auf Projekte in den USA und anderen Partnerländern konzentrierte.

Rechenzentren in der Zukunft

Über den konkreten Deal hinaus signalisiert die Partnerschaft eine strukturelle Verschiebung im Energiemarkt. Digitale Großkonzerne treten zunehmend nicht mehr nur als Stromkunden auf, sondern als aktive Gestalter von Erzeugungskapazitäten. Energie wird damit vom Betriebsmittel zur strategischen Kernressource. Für den Nuklearsektor eröffnet sich zugleich ein neues Marktsegment jenseits staatlicher Versorger: technologiegetriebene Unternehmen mit langfristigem Bedarf und hoher Zahlungsfähigkeit.

Gleichzeitig bleibt die Entscheidung politisch und gesellschaftlich nicht spannungsfrei. Auch moderne Reaktorkonzepte müssen sich Fragen nach Sicherheit, Entsorgung und Akzeptanz stellen. Meta nimmt mit der Investition bewusst in Kauf, dass Kernenergie weiterhin kontrovers diskutiert wird. Die Priorität liegt jedoch klar auf Versorgungssicherheit und Klimabilanz. Insbesondere im Vergleich zu fossilen Alternativen. (mr)

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