Der taiwanesische Präsident Lai Ching-te hat zur Unterzeichnung eines Wirtschaftspartnerschaftsabkommens mit der Europäischen Union aufgerufen. Im Rahmen seiner Eröffnungsansprache zum 2024 EU Investment Forum in Taipeh betonte das Staatsoberhaupt Taiwans die Bedeutung einer Kooperation im Bereich der Halbleiterindustrie und der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit als Demokratien.
Taiwans Präsident Lai Ching-te hat sich zum Auftakt des 2024 EU Investment Forum für ein Weirtschaftsbündnis zwischen der Halbleiter-Nation Taiwan und der Europäischen Union ausgesprochen.
Im Anbetracht einer global wirtschaftlich wie politisch angespannten Lage hat Taiwans Präsident Lai Ching-te Taiwan nachdrücklich auf seinen Wunsch auf die Unterzeichnung von Investitions- und Handelsabkommen mit der EU hingewiesen. Taiwan wünscht sich angesichts seiner diplomatischen Isolation und seines generellen Ausschlusses von den meisten globalen Gremien und Abkommen schon seit längerer Zeit den Zugang zu globalen Wirtschaftsgremien, strebt aber auch nach internationaler Anerkennung und Sicherheit, insbesondere angesichts der angespannten politischen Lage mit der Volksrepublik China. China erhebt weiterhin politischen Anspruch auf den Inselstaat im Pazifik. Das hat unter anderem dazu geführt, dass die meisten führenden Wirtschaftsnationen Taiwan derzeit nicht offiziell als eigenständigen Staat anerkennen.
Taiwan hat in den letzten Jahren auf dem globalen Halbleitermarkt in vielen Bereichen - insbesondere in der Auftragsfertigung von Halbleitern, aber auch bei Speicher-, Wireless - und SoC-Technologien - eine führende Stellung eingenommen. Die EU ihrerseits hat Taiwan als „gleichgesinnten“ Partner im Rahmen des European Chips Act umworben, um die Halbleiterproduktion in Europa zu fördern und die Abhängigkeit von Asien zu verringern, obwohl es keine formellen Beziehungen zu der von China beanspruchten Insel gibt.
„Ein gemeinsamer Schutzschirm gegen den sich ausbreitenden Autokratismus“
In einer Rede auf dem 2024 EU Investment Forum in Taipeh rief Taiwans Präsident Lai am Montag dem 18.11.2024 erneut zu einem Wirtschaftsbündnis zwischen Taiwan und der EU auf. Dabei verwies er insbesondere auf die aktuelle geopolitische und wirtschaftliche Lage: Er betonte, dass Taiwan und die EU angesichts der Gefahr eines sich ausbreitenden Autoritarismus einen „starken demokratischen Schirm“ bilden und sichere Lieferketten für globale Demokratien aufbauen müssten.
„Mit Blick auf die Zukunft hofft Taiwan, einen innovativen Ansatz für die Unterzeichnung eines Wirtschaftspartnerschaftsabkommens mit der EU zu verfolgen“, sagte er. Ein solches Abkommen würde in seinen Augen eine solide institutionelle Grundlage für die weitere Zusammenarbeit in Bereichen wie Halbleiter und KI schaffen. „Dies würde nicht nur unsere beiden Volkswirtschaften widerstandsfähiger und sicherer machen, sondern auch das stabile Funktionieren globaler Lieferketten gewährleisten.“
Bisherige Annäherungen zwischen der EU und Taiwan haben unter anderem zu er Eröffnung eines TSMC-Fertigungsstandorts in Dresden geführt, die vergangenen August eröffnet wurde. Sowohl die deutsche Regierung als auch der EU-Wirtschaftsrat hegen in den Standort große Hoffnungen, um die lokale Halbleiter-Lieferkette für die europäische Industrie, insbesondere den Automotive-Markt, zu stärken.
EU weiter zurückhaltend
Maria Martin-Prat, stellvertretende Leiterin der Generaldirektion Handel der Europäischen Kommission, ging in einer ebenfalls anlässlich des Investitionsforums gesendeten Videobotschaft nicht auf die Möglichkeit eines solchen Wirtschaftsbündnisses ein. Die hob aber die bisherigen die bilateralen Beziehungen lobend hervor. „Taiwan, eine lebendige Demokratie mit einer offenen Wirtschaft, ist für uns ein zuverlässiger Partner, um unsere wirtschaftliche Sicherheit zu fördern“, hieß es im Rahmen ihrer Videobotschaft.
Obwohl Taiwan in der Halbleiterindustrie eine wichtige Stellung einnimmt, hat das Land aufgrund der prekären politischen Lage mit China bislang nur wenige Freihandelsabkommen abschließen können. Allerdings wurden in den letzten Jahren einige bedeutende Schritte eingeleitet: Vergangenes Jahr unterzeichnete die Regierung Taiwans eine erweiterte Handelspartnerschaft mit Großbritannien. Ebenso hat sich der Inselstaat um den Beitritt zur Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP) beworben. Dieser „Umfassende und fortschrittliche Vereinbarung für eine Trans-Pazifische Partnerschaft“ genannten transpazifischen Freihandelszone, nach seiner derzeitigen Zahl an Mitgliedern auch TPP11 genannt, gehören derzeit die Staaten Australien, Brunei, Kanada, Chile, Japan, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam an.(sg)
Stand: 08.12.2025
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