Seit Wochen sengende Hitze, Fahrbahnen aufgeworfen wie Wellpappe, Wassermangel, Stromausfälle: Die chinesische Provinz Sichuan, ein Zentrum der Halbleiter-, Solar- und Lithiumindustrie, leidet unter extremer Dürre. Nun hat sie einen Produktionsstopp der meisten Fabriken für mindestens sechs Tage angeordnet. Das trifft auch internationale Großkonzerne wie Apple und Intel.
Stillstand: Auf Anordnung der Regierung stehen in der chinesischen Provinz Sichuan diese Woche die Bänder still – auch in Fabriken, die für große Elektronikunternehmen wie Apple arbeiten. Der Grund: akuter Strommangel wegen anhaltender Dürre.
Bereits im Juli hat es mehrere Hitzewarnungen für fast 70 chinesische Städte gegeben, mit erwarteten Temperaturen von über 40 Grad Celsius. In nahezu 400 Städten und Regionen gab es Warnungen vor Temperaturen von mehr als 35 °C. Angeheizt durch den globalen Klimawandel, steigen die Temperaturen in China – ähnlich wie in Deutschland – schneller als der globale Durchschnitt. Mittlerweile spricht man von der schlimmsten Dürreperiode der letzten sechs Jahrzehnte.
Die Regierung der chinesischen Provinz Sichuan, mit rund 84 Millionen Einwohnern eine der größten Chinas, hat auf ihrer Webseite mitgeteilt, dass die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Vergleichszeitraum der Vorjahre um 51 Prozent gesunken ist. Wie das Nachrichtenmagazin CNN berichtet, hat die extreme Hitze zu einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Klimaanlagen in Büros und Haushalten geführt. Der hochschnellende Stromverbrauch wiederum setzt das Energieversorgungsnetz unter Druck.
Strommangel prallt auf Stromhunger – und führt zu Stromrationierung
Willkommen im Klimawandel. Die anhaltende Hitze hat – ähnlich wie in Deutschland – in Sichuan dazu geführt, dass der Pegelstand der Flüsse in Rekordgeschwindigkeit sinkt. Das ist ein Problem. Denn die südwestliche Provinz erzeugt ihren Strom überwiegend aus Wasserkraft, ist in normalen Zeiten sogar Stromexporteur. Nun jedoch sind die Pegel so niedrig, dass in Wasserkraftwerken weniger Strom erzeugt wird.
Es herrscht Stromknappheit in der Region. Deswegen rationiert die Provinzregierung nun die Energie: Anfang der Woche hat sie die Schließung von Großverbrauchern wie Fabriken für zunächst sechs Tage angeordnet. Bis mindestens Samstag sollen in 19 von 21 Städten die Bänder stillstehen, zitiert CNN aus einer „dringenden Mitteilung“, die am Sonntag von der Provinzregierung und dem staatlichen Stromnetzbetreiber herausgegeben wurde. Demnach wurde die Entscheidung getroffen, um sicherzustellen, dass genügend Strom für den privaten Gebrauch zur Verfügung steht.
In der regierungseigenen Zeitung Sichuan Daily warnten die obersten Provinzbeamten am Montag, dass Sichuan derzeit mit dem „schwersten und extremsten Moment“ in der Stromversorgung konfrontiert sei.
Produktionsstopp: Viele internationale Unternehmen betroffen
Das hat massive Auswirkungen auf die Wirtschaft: Sichuan ist reich an Bodenschätzen wie Lithium und seltenen Erden – beides wichtige Rohstoffe für die Photovoltaik- und Elektronikindustrie. Entsprechend ist die Provinz ein wichtiger Produktionsstandort für die Halbleiter- und Solarpanelindustrie. Viele internationale Halbleiterunternehmen haben Werke in Sichuan, darunter Texas Instruments, Intel, Onsemi und Apple-Zulieferer Foxconn. Der chinesische Lithiumbatterieriese CATL, der Batterien an Tesla (TSLA) liefert, hat ebenfalls eine Fabrik in der Region. Die Stromrationierung trifft somit direkt die Fabriken einiger der größten Elektronikunternehmen der Welt.
Darüber hinaus ist Sichuan Chinas Drehscheibe für den Lithiumabbau – eine Schlüsselkomponente für Batterien von Elektroautos. Die Schließung von Fabriken für eine Woche könnte das Angebot an Polysilizium und Lithium verknappen und die Preise in die Höhe treiben, zitiert CNN die Analysten von Daiwa Capital in einer Mitteilung an ihre Kunden.
Mittlerweile haben mehrere chinesische Unternehmen davor gewarnt, dass ihre Produktion durch den Stromausfall in Sichuan beeinträchtigt werden könnte, darunter Sichuan Haowu Electromechanical, ein Hersteller von Autoteilen, und Sichuan Lutianhua, ein Unternehmen, das Düngemittel und chemische Produkte produziert.
Ernteausfälle heizen Inflation an
Fehlendes Düngemittel verschärft ein weiteres Problem: Die extreme Hitze in China hat in vielen Teilen des Landes auch zu Ernteausfällen geführt. Auf der anderen Seite hätten im Norden des Landes Regenfälle und Überschwemmungen ebenfalls zu Ernteausfällen geführt. Durch die Extremwetterlagen „stieg der Preis für Frischgemüse im Jahresvergleich um 12,9 % und damit deutlich stärker als im gleichen Zeitraum der Vorjahre“, zitiert CNN Fu Linghui, ein Sprecher des Nationalen Statistikamtes, von einer Pressekonferenz am Montag in Peking.
Dies habe den Inflationsdruck im letzten Monat verstärkt. „August und September sind die Schlüsselmonate für die Getreideproduktion im Herbst. Wir müssen den Auswirkungen von Naturkatastrophen, Insekten und Krankheiten auf die Lebensmittelproduktion unseres Landes große Aufmerksamkeit schenken“, fügte Linghui hinzu.
Stand: 08.12.2025
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