Geplante Obsoleszenz, Teil 1

Strategien im Kampf gegen den Elektroschrott

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Dazu kommt, dass die Geräte beispielsweise regelmäßig gewartet oder entkalkt werden müssen. Im Kommentar von BSH heißt es dazu: „Bei der Lebensdauer spielen Nutzungshäufigkeit und pfleglicher Umgang eine wichtige Rolle. Eine Kennzeichnung setzt zunächst voraus, dass es eine allgemein gültige technische Prüfbasis gibt. An diesen Vorgaben fehlt es bislang. Diese sind wichtig, damit für den Konsumenten verlässliche und vergleichbare Angaben geschaffen werden.“

In einem Statement von Miele heißt es: Die Kennzeichnung der Produktlebensdauer ist unserer Ansicht nach nicht sinnvoll, da den Marktaufsichtsbehörden die Ressourcen fehlen, entsprechende Herstellerangaben bei Bedarf auch zu prüfen. […] Wenn aber die Angaben zur Lebensdauer nicht zuverlässig überprüfbar sind, wären Falschdeklarationen Tür und Tor geöffnet und entsprechende Marktverzerrung zu erwarten. […] Praktikabel erscheint allein eine Prüfung von Kernkomponenten im Rahmen der Eco-Design Verordnung wie aktuell schon bei Staubsaugern für den Motor und den Saugschlauch definiert. Auf das gesamte Gerät bezogen hat dies aber nur begrenze Aussagekraft.“

Im Rahmen der Ecodesign-Regulierung werden derzeit beispielhafte Anforderungen politisch geprüft. „Man kann über Haltbarkeitsanforderungen an einzelne ausgewählte Schlüsselkomponenten nachdenken. Wichtig dafür sind verlässliche Messverfahren, diese müssen erst entwickelt werden. Nur dann könnte die Einhaltung der Anforderungen auch überprüft werden. Die Messverfahren orientieren sich dabei am ‚real-life‘, können es aber nicht vollständig abbilden. Denn ein ‚durchschnittliches‘ Nutzerverhalten gibt es nicht“, merkt Scholz an.

Auch aus Sicht von Bitkom ist eine Angabe zur Lebensdauer auf den Produkten nicht sinnvoll möglich, da die tatsächliche Lebensdauer eines Produkts stark vom Nutzungsverhalten abhängig ist. „Laptops, die im privaten Bereich genutzt und daher weniger transportiert werden weisen eine längere Lebenszeit auf als Laptops, die beruflich genutzt werden.“ Bitkom nimmt auch den Verbraucher in die Pflicht: „Viele Hersteller stellen auf ihren Webseiten Informationen zur Nutzung hinsichtlich einer langen Lebensdauer des Geräts für ihre Kunden zur Verfügung – Verbraucher sollen sich hier informieren.“

MURKS? NEIN DANKE!: Eine bürgerschaftlichen Verbraucherschutzorganisation und gleichzeitig Onlineportal für nachhaltige Produktqualität und gegen geplante Obsoleszenz(Bild:  MURKS? NEIN DANKE!)
MURKS? NEIN DANKE!: Eine bürgerschaftlichen Verbraucherschutzorganisation und gleichzeitig Onlineportal für nachhaltige Produktqualität und gegen geplante Obsoleszenz
(Bild: MURKS? NEIN DANKE!)

Neben den genannten Problemen sieht Stefan Schridde, Initiator von „Murks? Nein Danke!“ ein weiteres: „Der Vorschlag der Einführung einer ‚Mindesthaltbarkeit‘ ist einer der kompliziertesten Lösungswege mit dem höchsten Zeitbedarf zu dessen Umsetzung. Er kommt einem ‚auf die lange Bank schieben‘ gleich.“ Er schlägt die Einführung einer transparenten Kennzeichnungspflicht für die der Produktentwicklung bereits zugrunde liegende geplante Gebrauchsdauer vor.

„Damit die kaufende und nutzende Gesellschaft Produkte länger nutzen kann, müssen dafür unverzüglich auf Seiten der Politik, der Hersteller, des Handels und der Reparaturwirtschaft die erforderlichen Maßnahmen nach deren Dringlichkeit so rasch als möglich umgesetzt werden. Der Respekt vor der Natur, die dringend gebotene Ressourcenwende, der Klimawandel, die volkswirtschaftlichen Interessen der werdenden Kreislaufgesellschaft und der nachfolgenden Generationen sind eindrückliche Herausforderungen, die entschlossenes und zielführendes Handeln für mehr Haltbarkeit fordern“, so Schridde weiter.

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