EMS-Anbieter SRI schöpft in der TQ-Group Kraft für neue Pläne

Redakteur: Franz Graser

Der Elektronikfertiger SRI aus Durach bei Kempten ist nun Teil der TQ-Group. Die hohe Fertigungskapazität und die Fläche, über die SRI verfügt, eröffnen Chancen für interessante Projekte.

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Fünf Fertigungslinien: Der Elektronikfertiger SRI kann auf seinen fünf Produktionslinien bis zu sieben Millionen Bauteile am Tag bestücken.
Fünf Fertigungslinien: Der Elektronikfertiger SRI kann auf seinen fünf Produktionslinien bis zu sieben Millionen Bauteile am Tag bestücken.
(Bild: Michael Horky/SRI)

Ein Sommertag im Allgäu. Wer im August über die Autobahn nach Kempten fährt, denkt vielleicht an Sonne, Berge und saubere Luft. Aber zur Realität in der Bilderbuchlandschaft gehören eben auch Abstieg, Krise – und ein Neuanfang. All das hat der Elektronikfertiger SRI in den zurückliegenden Jahren erlebt.

SRI in Kempten war ursprünglich eine der Vorzeigefabriken des Siemens-Konzerns. Die Fabrik war in Kempten gegründet worden, weil sich in den ländlichen Regionen der Republik in den sechziger Jahren leichter Arbeitskräfte finden ließen als in den Ballungsräumen. „Das war der erste Schritt in Richtung Low Cost“, erinnert sich SRI-Geschäftsführer Manuel Stelzer: „Damals noch innerhalb Deutschlands und noch nicht in anderen Regionen – das war die Strategie.“

An die Siemens-Vergangenheit erinnert unter anderem die Johann-Georg-Halske-Straße in Durach, an der das Werk liegt. Der Namenspatron der Straße hatte zusammen mit Werner von Siemens im Jahr 1847 den Grundstein für den heutigen Weltkonzern gelegt.

1997 wurde dann SRI als Siemens-Tochterunternehmen gegründet. „Wir wurden Lead-Fabrik innerhalb der Siemens AG“, blickt SRI-Geschäftsführer Stelzer zurück: „Wir waren für den gesamten Mobile-Network-Bereich zuständig. Die Prototypenfertigung wurde hier am Standort gemacht. Im Rahmen der Lead-Factory waren wir auch für das Enabling anderer Standorte wie Curitiba oder Shanghai zuständig. Die Produkte wurden im Musterbau gefertigt und sind dann verlagert worden.“

2007 wurde SRI dann in den Nokia-Siemens-Networks-Verbund (NSN) integriert. Auch in diesem Kontext war Durach Lead-Factory. Allerdings, so Stelzer, stellte sich bald heraus, dass sich in dem Joint Venture von Siemens und Nokia eher die Technik aus Finnland längerfristig durchsetzen würde. Für das lokale Management stand damit fest, dass die finnischen Kollegen längerfristig den Musterbau übernehmen würden. Die Massenfertigung würde nach Asien verlegt.

„Damals fiel die Entscheidung, uns dafür zu bewerben, dass wir frühzeitig verkauft werden“, erläutert Stelzer. „In diesen Verkaufsgesprächen haben wir das Angebot des Management-Buy-Out gemacht. Das war das tragfähigste Angebot für den Konzern.“

Mit der Selbstständigkeit beginnen schwere Jahre

2008 ging SRI somit in die Selbstständigkeit. „Wir hatten über fünf Jahre einen Liefervertrag mit NSN und mussten es schaffen, in diesen fünf Jahren weiteres Geschäft aufzubauen, um lebensfähig zu sein“, erinnert sich der SRI-Geschäftsführer.

Neuanfang mit TQ: Manuel Stelzer, Geschäftsführer von SRI, sieht gute Zukunftschancen.
Neuanfang mit TQ: Manuel Stelzer, Geschäftsführer von SRI, sieht gute Zukunftschancen.
(Bild: SRI)
Damit begannen die schweren Jahre. Zwar gelang es den Durachern, neben den Lieferungen für NSN auch Fertigungsaufträge für die Solarbranche zu gewinnen. Unter anderem bestückte SRI die Wechselrichter für den damaligen Marktführer im Bereich der Photovoltaik. Dann schlug jedoch die Krise in der Solarbranche zu. Zugleich schmolz das Telekommunikationsgeschäft mit NSN ab, da die Produktion bestimmter Produkte auslief.

Amerikaner nennen so etwas einen „perfect storm“. Und noch perfekter – im negativen Sinne – wurde dieser Sturm, der um 2010/2011 über SRI hereinbrach, durch die Zahlungsunfähigkeit eines Telekommunikationskunden, für den SRI Produktionsleistungen in Höhe von bis zu drei Millionen Euro im Monat erbracht hatte.

„Diese drei Faktoren zusammen – der Zusammenbruch in der Solarbranche, die Zahlungsunfähigkeit eines großen Kunden plus starkem Rückgang in der Telekommunikation – haben dazu geführt, dass wir uns einen Restrukturierungsspezialisten ins Haus geholt haben“, erläutert Stelzer. „Der hat relativ schnell gesagt: Ohne eine geplante Insolvenz wird es nicht gehen.“

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