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SRI schöpft in der TQ-Group Kraft für neue Pläne

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Unterschiedliche Partner – ein „Riesen-Glücksfall“ für SRI

Für Großaufträge gerüstet: Die Logistikhalle bei SRI verfügt über 5000 Palettenstellplätze.
Für Großaufträge gerüstet: Die Logistikhalle bei SRI verfügt über 5000 Palettenstellplätze.
(Bild: SRI)
An diesem Punkt hätte die Geschichte der SRI enden können. Das Werk in Durach hätte das Schicksal vieler Elektronikfertiger in Deutschland teilen können, die ihr Geschäft aufgrund des Preis- und Konkurrenzdrucks einstellen mussten – trotz hoher Fertigungskompetenz, hervorragender Maschinenausstattung und vorbildlichem Fabrikgebäude. Aber an diesem Punkt trat eben die TQ-Group als Investor auf den Plan.

Auf den ersten Blick gaben der mittelständische Elektronikfertiger TQ aus Seefeld bei München und die ehemalige Konzernfabrik SRI eine ungewöhnliche Kombination ab. „Wir konnten uns es gar nicht so recht vorstellen, dass sich ein mittelständischer strategischer Investor noch eine solche Fertigung hinzukauft“, erinnert sich Manuel Stelzer. Heute spricht der SRI-Geschäftsführer von einem „Riesen-Glücksfall“, denn die beiden Partner ergänzen sich aus seiner Sicht optimal. „Wir kamen aus einem Konzern und sind jetzt bei einer Mutter, die sich in diesem Business richtig hochgearbeitet hat, die klein angefangen hat und jetzt groß geworden ist.“

Schon bei der ersten Sondierung zeigte sich, dass die Kundenbasis von SRI und TQ komplett unterschiedlich war – und keine Gefahr bestand, sich gegenseitig Geschäft wegzunehmen. „Wir hatten nur einen gemeinsamen Kunden auf den Foliensätzen, die wir uns gegenseitig gezeigt hatten“, sagt Stelzer. Historisch bedingt kommt bei SRI ein großer Teil der Aufträge immer noch aus dem Telekommunikationsbereich, darüber hinaus ist SRI durch Aufträge eines bedeutenden Automobilzulieferers inzwischen im Automobilbereich gut aufgestellt. Diese beiden Bereiche waren für TQ bisher eher von nachrangiger Bedeutung.

Bestückkapazität von sieben Millionen Bauteilen pro Tag

Darüber hinaus kann SRI Stückzahlen liefern, die bisher für TQ nicht möglich waren: Mit fünf Fertigungslinien ist SRI in der Lage, bis zu sieben Millionen Bauteile pro Tag zu bestücken. Damit schließt das Duracher Werk eine Lücke. Laut SRI-Geschäftsführer Stelzer hatten die Seefelder in der Vergangenheit einige lukrative Aufträge ablehnen müssen, weil die Fertigungskapazität nicht vorhanden war. Insofern ist für die Zukunft die Arbeitsteilung zwischen Seefeld und Durach klar vorgezeichnet. Zwar gehört es laut Stelzer zur Gesamtbetreuung eines Kunden, auch die Lösgröße 1 zu fertigen, „aber auf unseren Linien geht das natürlich nicht so effektiv, wie es die Mutter TQ kann.“ Die Kernkompetenz der Fabrik in Durach sieht er bei Losgrößen zwischen 2000 und 10.000 Einheiten im Jahr „und im Automotive-Bereich ruhig 50.000.“ Durch solche Projekte sei die Grundauslastung gewährleistet.

Bedenken, dass diese Strategie dem Erfolgsrezept vieler deutscher Elektronikfertiger – nämlich High-Mix, Low-Volume, also geringe Stückzahlen bei hoher Produktvariabilität – zuwiderlaufen könnte, hegt Geschäftsführer Stelzer nicht: „Das packen wir. Aus zwei Gründen: Wir haben in den letzten Jahren einen sehr guten Grundstock im Automotive-Bereich gelegt. Das ist eben ein Markt, der Stückzahlen hergibt – auch wenn uns am Ende die Zeit ausgegangen ist, um die Früchte noch zu ernten. Aber langjährige Automotive-Kunden halten sehr zu uns. Und dann ist da die Zuversicht durch TQ.“ Denn Großaufträge, die die Seefelder bisher aufgrund ihrer eingeschränkten Kapazitäten nicht annehmen konnten, können nun von Durach aus bedient werden.

Ein weiterer Vorteil des Standorts ist die große Fläche. Dadurch ist es möglich, individuelle Fertigungsinseln einzurichten und dort die Aktivitäten für die Kundenprojekte zu konzentrieren. Das bedeutet kurze Wege innerhalb der Fertigungsinseln. Die Mitarbeiter, die in einer dieser Inseln tätig sind, können sich voll auf das jeweilige Projekt konzentrieren.

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