Video Sony trägt Betamax-Format endgültig zu Grabe

Redakteur: Franz Graser

Der japanische Elektronikriese Sony hat angekündigt, den Verkauf von Videokassetten mit dem Betamax-Format im März 2016 einzustellen. Damit endet ein Stück Video-Geschichte.

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Eine Betamax-Videokassette von BASF.
Eine Betamax-Videokassette von BASF.
(Bild: Kaseta wideo w systemie Beta ubt.jpeg / Tomasz Sienicki, Wikimedia Commons / BY 2.5)

Das Videoformat Betamax wurde 1975 in Japan und den USA eingeführt, in der Bundesrepublik Deutschland kamen die Beta-Geräte 1978 auf den Markt. Betamax stellte eine Weiterentwicklung des Formats U-matic dar, das Sony für professionelle Anwender entwickelt hatte.

Im Vergleich zu U-matic kam Betamax mit kleineren Kassetten aus, somit konnten auch die Aufnahme- und Abspielgeräte kleiner werden. Allerdings betrug die maximale Aufnahmezeit von Beta-Kassetten anfangs eine Stunde, während das von JVC entwickelte Konkurrenzformat VHS immerhin zwei Stunden lange Aufzeichnungen pro Kassette erlaubte.

Dagegen hatte Sony mehrere Vorteile auf seiner Seite: Betamax konnte mit einer höheren Bild- und Klangqualität punkten, und auch die Kassetten waren handlicher. Zudem wusste Sony das einflussreiche japanische Industrie- und Handelsministerium (MITI) hinter sich, das auf ein industrieweites Standardformat drängte, um Verwirrung bei den Konsumenten zu vermeiden.

Das MITI favorisierte Betamax als Standardsystem. JVC gelang es jedoch, die Konkurrenten Matsushita und später auch Hitachi, Mitsubishi und Sharp zu überzeugen, auf VHS zu setzen, da keine der konkurrierenden Firmen eine Vormachtstellung von Sony im sich damals gerade entwickelnden Heim-Videomarkt akzeptieren wollte.

Vor allem in den USA und Japan waren die VHS-Anbieter im Vorteil, weil die Geräte billiger waren und die größeren VHS-Kassetten eine längere Aufnahmezeit erlaubten. Sony reagierte darauf und führte die Option ein, die Bandlaufzeit zu verlangsamen, um längere Aufnahmen zu ermöglichen. Dies führte jedoch zu Einbußen bei der Bildqualität.

In Europa wurde der Formatkrieg zwischen den Videoformaten größtenteils über den Preis entschieden, und hier waren die VHS-Hersteller gegenüber Sony in der Regel deutlich billiger. Dazu kam, dass in Europa mit dem Format Video 2000, hinter dem die europäischen Hersteller Philips und Grundig standen, eine dritte Option verfügbar war. Video 2000 bot die Möglichkeit, die Kassette umzudrehen, womit eine Kassette Platz für bis zu acht Stunden Videoaufnahmen bot.

So kam es, dass VHS das Format für die breite Masse wurde. Betamax kam trotz der theoretisch besseren Bildqualität im Heimbereich nicht über einen Marktanteil von 30 Prozent hinaus. Video 2000 spielte nur in Europa eine Rolle und kam zu einem Zeitpunkt auf den Markt, zu dem die Felle schon verteilt waren. Die Produktion von Betamax-Recordern wurde im Jahr 2002 beendet.

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