Angemerkt Silberstreif am Horizont: Wie geht es mit Europas Halbleiterindustrie weiter?

Von Kristin Rinortner 2 min Lesedauer

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Subventionen sind viel geflossen, um eine resilientere Halbleiterindustrie aufzubauen, sowohl in Europa als auch (viel mehr) in den USA. Doch was bleibt? Europa muss sich auf seine Potenziale besinnen und seine Halbleiterlandschaft in eine zeitgemäße transformieren. Geld allein reicht hierfür nicht.

Um die deutsche Halbleiterindustrie zielgerichtet auszubauen, ist eine klare Strategie und darauf abgestimmtes Handeln notwendig.(Bild:  EP)
Um die deutsche Halbleiterindustrie zielgerichtet auszubauen, ist eine klare Strategie und darauf abgestimmtes Handeln notwendig.
(Bild: EP)

Die europäische Chip-Industrie muss ihren Weltmarktanteil im Halbleitersektor bis 2030 von 10 auf 20 Prozent erhöhen, steht im EU Chips Act. Damals große Worte, denen Subventionen und Taten folgen sollten. Deutschland war bei der Umsetzung im europäischen Vergleich an der Spitze und buhlte fleißig um neuen Halbleiter-Foundries.

Mit den auf unbestimmte Zeit verschobenen Ansiedlungen von Wolfspeed und ZF (Projektkosten: 3 Mrd. Euro) und Intel (Projektkosten: 30 Mrd. Euro) in Deutschland liegen allerdings zwei der vier deutschen EU-Chips-Act-Projekte und ihre Förderungen vorerst auf Eis. Es bleiben: Infineon (Projektkosten: 5 Mrd. Euro) und ESMC, das Konsortium von TSMC, NXP, Infineon und Bosch, (Projektkosten: 10 Mrd. Euro) im Silicon Saxony.

Damit sind 33 der 48 Milliarden aus dem EU Chips Act in Deutschland erst einmal auf Eis gelegt. Und auch das erklärte EU-Ziel von 20 Prozent Weltmarktanteil dürfte sich in Luft auflösen. Europa verliert weiter Marktanteile an Asien und die USA.

Aber auch der US Chips Act könnte seine Ziele verfehlen. Denn die neue Regierung in den USA dürfte eher auf hohe Zölle als auf mehr Subventionen setzen. Das birgt das Risiko höherer Preise – sowohl für die inländischen Chips als auch durch Unterbrechungen der weltweiten Lieferkette.

Zudem dürfte sich der „Kalte (Technologie-)Krieg“ mit China verschärfen. Auf jeden Fall zu erwarten sind strengere Exportkontrollen für moderne Halbleitertechnologien und ein erhöhter Druck auf chinesische Tech-Firmen. Inklusive Taiwan.

Die Folgen sind dramatisch: eine noch höhere Zersplitterung des globalen Tech-Ökosystems und weniger internationale Zusammenarbeit. Gegenreaktionen seitens China sind vorprogrammiert. Erinnern Sie sich an das Embargo für Speicher-Chips von Micron im Jahr 2023, das eine direkte Reaktion Chinas auf die damaligen US-Exportkontrollen und Tech-Sanktionen war.

Das wiederum birgt Chancen für Europa. Um aber die europäische und speziell die deutsche Halbleiterindustrie zielgerichtet auszubauen oder auch zu transformieren, ist eine klare Strategie und darauf abgestimmtes Handeln aller beteiligten Parteien notwendig.

Leistungshalbleiter sind ein Bereich, der großes Potenzial hat. Was wie funktionieren kann, zeigt das Silicon Saxony. Und auch beim Nachbarn Tschechien passiert viel. Da wird ein nationales Kompetenzzentrum für die Chip-Industrie (mit Mitteln aus dem EU Chips Act) errichtet und eine nationale Halbleiter-Roadmap für 2030+ gerade finalisiert.

Onsemi will eine End-to-End-Siliziumkarbid-Produktion für moderne Leistungshalbleiter in Tschechien errichten. TSMC plant dort eine internationale Ausbildungsoffensive für Fachkräfte für die Chip-Industrie. Die sächsische Keimzelle zieht weitere Akteure an und das Cluster wächst. Das ist gut so.

Hoffen wir, dass noch mehr derartiger Impulse folgen, denn 2025 soll der Halbleitermarkt, so die Prognose, wieder anziehen. Es wird Zeit, dass wir Europäer unsere Zukunft wieder selbst planvoll, umsichtig und strukturiert in die Hand nehmen. Und nicht einfach nur hoch subventionierte Fabs auf eine grüne Wiese setzen.(kr)

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