Interview Plath EFT „Sich auf reine Bestückung zu verlegen, ist wenig bedarfsorientiert“

Autor / Redakteur: Rainer Schoppe* / Franz Graser

Das Unternehmen Plath EFT ist seit 5 Jahren Dienstleister im Markt für hochqualifizierte Elektronikfertigung – und zieht Bilanz.

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Sieht die Entwicklung des E2MS-Unternehmens weiterhin in der Nische: Geschäftsführer Matthias Holsten im Bilanz-Gespräch zum fünfjährigen Bestehen der Plath EFT.
Sieht die Entwicklung des E2MS-Unternehmens weiterhin in der Nische: Geschäftsführer Matthias Holsten im Bilanz-Gespräch zum fünfjährigen Bestehen der Plath EFT.
(Bild: Plath EFT)

Im April 2007, als Elektronikfertiger mit Überkapazitäten massive Markteinbrüche zu überstehen hatten, machte sich die Norderstedter Plath EFT GmbH auf den Weg in die Selbstständigkeit. Geschäftsführer Matthias Holsten schildert, was ihn und seine Mannschaft dazu ermutigt hatte – und wie er die weitere Zukunft für das Unternehmen und die Branche sieht.

Muss man als Angestellter nicht allen Mut zusammennehmen, wenn man in einer schwierigen Marktlage seiner Geschäftsleitung die Empfehlung gibt, die Fachabteilung für elektronische Fertigung als eigenständiges Unternehmen auszubauen?

Von außen betrachtet, sah das nach einem hohen Einsatz aus, der auf eine Karte gesetzt wird. Die Pleite der Siemens-Tochter BenQ Mobile war symptomatisch für die Schwierigkeiten, die damals der EMS-Branche zu schaffen machten. Aus der Situation der heutigen Muttergesellschaft, der Hamburger Plath GmbH, sprach für mich jedoch Einiges dafür, diesen Schritt zu wagen. Das unbeständige Inhouse-Projektgeschäft zwang damals zwar zur Kurzarbeit, der zunehmende Umsatz des Drittgeschäfts forderte hingegen die Expansion.

Das war räumlich gesehen am Hamburger Standort nicht mehr möglich. Zwei aussichtsreiche Outsourcing-Projekte, die die komplette Elektronikfertigung für diese Kunden vorsahen, waren dann auch der Grund, warum wir uns auf der grünen Wiese niederließen. Einen Kunden davon, die Autoflug GmbH in Rellingen, haben wir erfolgreich generiert.

Das hört sich schlüssig und leicht umzusetzen an ...

Wir hatten gute Voraussetzungen: Die Plath GmbH ist eine anerkannte, solide Marke für Peiltechnik und Sensorik, vornehmlich in der Verteidigungs- und Messtechnik. Die Übernahme all jener Spezialisten aus der Muttergesellschaft, die die Layoutentwicklung, Konstruktion und Fertigung vorantrieben, brachte unserem Start Up-Unternehmen vom ersten Tag an ein mehr als 50-jähriges Know-how auf qualitativ höchstem Niveau.

Unser Anspruch, dem Kunden „Lösungen und Sicherheit, auf lange Sicht“ erarbeiten zu wollen, war damit glaubhaft belegt – ein Wettbewerbsvorteil, den andere Jungunternehmen sich erst mühsam erarbeiten müssen.

„Eine extreme Herausforderung“

Dennoch war das Ganze eine extreme Herausforderung: Schafft es unsere Belegschaft, sich nicht mehr als Inhouse-Fertiger, sondern als Dienstleister zu verstehen? Das verlangt nicht nur fachlich profundes Wissen. Weit wichtiger ist die Bereitschaft, sich flexibel auf sehr unterschiedliche Aufgaben und Kunden einzulassen. Früher fertigten wir zwei bis drei unterschiedliche Produkte pro Schicht, heute sind es fünf, sechs und mehr – und das bei sehr unterschiedlicher Dokumentenlage. Wir mussten lernen, mit dem Erfolg umzugehen, den gewaltigen Umsatzschub mit der erforderlichen Prozesssicherheit zu koordinieren. Die Umstellung auf eine durchgängige Chargenverwaltung, einschließlich einer Barcode-Identifikation durch die gesamte Prozesskette, ergibt sich da als notwendigen Schritt von selbst.

Der mentale Wandel, der damit verbunden war, war die eigentliche Herausforderung, der wir durch intensive Schulung und Hinwendung im Einzelfall begegnet sind. Wir sitzen mit unserem Betrieb nur einen Steinwurf vom Hamburger Flughafen entfernt. Wenn heute noch Mitarbeiter zum Himmel schauen und erzählen, dass der A 380 auch Baugruppen von uns enthält, klingt eine ganze Portion Stolz mit.

„Identifikation versetzt Berge“

Diese Identifikation versetzt Berge, mit der Bereitschaft, auch außer Plan engagiert zu arbeiten. Sie war und ist die treibende Kraft, mit der wir das wachsende Geschäft, das von Anbeginn bis heute anhält, bewältigen können. Das erklärt auch, warum die Fluktuation in unserem Hause über die Jahre erfreulich gering geblieben ist.

Bei wie vielen der schätzungsweise 450 bis 550 EMS-Dienstleister in Deutschland sehen Sie eine gute Chance, künftig im Wachstumssegment mit dabei zu sein?

Es dürften so an die 40 bis 60 Unternehmen sein, die bundesweit die fachlichen Voraussetzungen haben und auch die finanzielle Kraft mitbringen, in eine trag- und ausbaufähige Zukunft zu investieren. Das Automatisieren von Prozessen, um die Wettbewerbsfähigkeit auszubauen, erfordert frühzeitige Investitionen in die Technik. Wir hatten und haben das Glück zur Plath-Gruppe zu gehören. Finanziell den Rücken gestärkt zu bekommen, ist ein enormer Vorteil, wenn man vorne mitspielen will, das muss man ganz klar sagen.

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