Handelsrestriktionen Seltene Erden und Hochtechnologien: China setzt auf strategische Symbolpolitik

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Es ist bekannt, dass China 90 Prozent der globalen Verarbeitungskapazitäten für seltene Erden dominiert. Als Antwort auf neueste US-Maßnahmen gegen die chinesische Halbleiterindustrie nimmt die Regierung abermals Exportregeln für seltene Erden und Hochtechnologien ins Visier.

China würde gerne den Export von Waren kontrollieren, die ab 0,1 Prozent Seltenerd-Produkte der Volksrepublik enthalten.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
China würde gerne den Export von Waren kontrollieren, die ab 0,1 Prozent Seltenerd-Produkte der Volksrepublik enthalten.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Im Handelskrieg zwischen den USA und China geht es weiterhin hin und her. Nachdem herausgekommen war, dass chinesische Chipproduzenten Schlupflöcher gefunden hatten, um weiterhin westliches Chipfertigungs-Equipment zu kaufen, empfahlen US-amerikanische Regierungsmitglieder eine weitere Verschärfung der Chip-Exportregeln. Nun preschte laut Berichten von EE Times China (via Trendforce) die Regierung der Volksrepublik vor, um neue Exportkontrollen auf Produkte betreffend der nationalen Sicherheit anzukündigen.

Im Detail sind seltene Erden und Hochtechnologien betroffen. Besonders brisant: Künftig benötigen auch Produkte, die außerhalb Chinas hergestellt und zu mindestens 0,1 Prozent chinesische seltene Erden enthalten, eine Exportlizenz. Das ist freilich kaum zu kontrollieren, zeigt aber, dass China mit Symbolpolitik versucht, ähnliche Wege zu gehen, wie die USA.

Chinas neue Exportrestriktionen

Am 9. Oktober 2025 kündigte das Handelsministerium in Peking neue Vorschriften an, die künftig nicht nur Chips und KI-Technologien, sondern eben auch seltene Erden und deren Weiterverarbeitung betreffen. Exportanträge für 14-nm- und kleinere Logikchips, 256-Layer-Speicher, zugehörige Fertigungsanlagen sowie KI-Systeme mit potenzieller militärischer Nutzung müssen künftig einzeln geprüft und genehmigt werden.

Nach den neuen Bestimmungen müssen künftig auch Produkte, die zu mindestens 0,1 Prozent chinesische seltene Erden enthalten, eine Exportlizenz beantragen – selbst wenn sie außerhalb Chinas hergestellt wurden. Damit dehnt Peking seine Kontrollen erstmals auf Produkte und Technologien im Ausland aus, sofern diese auf chinesischen Rohstoffen oder Verfahren basieren. Betroffen sind unter anderem Materialien wie Neodym, Samarium oder Cerium, die in Magneten für Elektromotoren, Windturbinen und Festplatten eingesetzt werden. Teile der Regelung traten sofort in Kraft, andere gelten ab dem 1. Dezember 2025.

Juristisch komplex, politisch klar

Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich, wenn China versucht, Exportrestriktionen auf Produkte anzuwenden, die gar nicht im Land gefertigt wurden. Tatsächlich handelt es sich um eine „extraterritoriale“ Kontrollklausel – ein Prinzip, das bislang vor allem die USA nutzen, um den Transfer von Technologie zu begrenzen. Auch China beansprucht damit das Recht, zu bestimmen, wie seine Rohstoffe und Technologien global verwendet werden dürfen.

Praktisch bedeutet das: Jedes Unternehmen, das chinesische seltene Erden oder entsprechende Verfahren nutzt, könnte künftig verpflichtet werden, Herkunftsnachweise zu führen und Exportlizenzen zu beantragen, wenn seine Produkte in bestimmte Länder oder Sektoren gehen. Damit schafft Peking die Grundlage, um die globale Lieferkette seltener Erden zu überwachen und selektiv zu regulieren, ohne formell ein Embargo zu verhängen.

Diese Regelung erinnert stark an das US-Modell der Chiprestriktionen, bei denen auch außerhalb der USA hergestellte Produkte den Exportauflagen unterliegen, sobald US-Technologie zum Einsatz kam. In beiden Fällen geht es weniger um administrative Kontrolle als um strategische Machtausübung entlang internationaler Wertschöpfungsketten.

Ein geopolitisches Druckmittel

Nicht nur dominiert China den Markt für seltene Erden, sondern auch nahezu die gesamte Produktion magnetischer Werkstoffe auf Basis von Neodym und Samarium. Diese Materialien sind unverzichtbar für Elektrofahrzeuge, Windkraftanlagen, Festplattenlaufwerke und militärische Sensorik. Durch die neuen Regeln verlagert Peking seinen Einflussbereich von der reinen Rohstoffförderung hin zu Technologien und geistigem Eigentum. Damit positioniert sich die Volksrepublik als Gatekeeper für Schlüsselmaterialien der Energiewende und Digitalisierung.

Beobachter werten die Maßnahme daher als politisches Signal und als Spiegelmanöver zu den US-Sanktionsmechanismen im Halbleitersektor. Während Washington den Export modernster Chiptechnologien einschränkt, demonstriert Peking, dass es seinerseits kritische Materialströme steuern und strategische Abhängigkeiten sichtbar machen kann.

Kontrolle oder Machtdemonstration?

Die praktische Umsetzung solcher extraterritorialer Regeln bleibt allerdings fraglich. Es ist kaum möglich, in jedem verarbeiteten Magneten oder Sensor nachzuverfolgen, ob und in welchem Umfang chinesische seltene Erden enthalten sind. Doch genau das ist womöglich gar nicht der Punkt: Die neuen Vorschriften sollen Unsicherheit erzeugen, Investitionsentscheidungen beeinflussen und Verhandlungsdruck auf westliche Regierungen und Unternehmen aufbauen.

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China muss die Regeln nicht konsequent durchsetzen, um Wirkung zu entfalten. Allein die Möglichkeit einer Lizenzpflicht oder Exportverzögerung reicht, um Lieferketten zu verlangsamen und Kosten zu erhöhen. Damit verschiebt sich der Fokus von der reinen Rohstoffkontrolle hin zu einem Instrument geopolitischer Einflussnahme, das gezielt dort greift, wo Abhängigkeiten am größten sind. (sb)

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