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Wer für die Abschaffung ist und wer dagegen
Bei der diesjährigen Weltfunkkonferenz der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) im November in Genf werden die Kritiker erneut einen Versuch starten. Vor allem die USA und Frankreich befürworteten eine Abschaffung der Schaltsekunden, sagt Bauch. Zu den Ländern, die sie beibehalten wollen, zählten Großbritannien, Russland, China und Kanada. «Deutschland präferiert derzeit die Abschaffung der Schaltsekunde», sagt Netzagentur-Sprecher Wulff. «Vorausgesetzt, dass das keine technischen Probleme verursacht.» Bei Abstimmungsrunden solle nun eine einheitliche europäische Position für die anstehende Tagung gefunden werden – was allerdings nur schwer zu erreichen sein dürfte.
Hauptargument für eine Abschaffung der Schaltsekunden sei, dass Fehlerrisiken und Mehraufwand wegfielen, erklärt Dick. «Allerdings ist auch klar: Irgendwann muss man korrigieren, schon eine Stunde Differenz ist im Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen deutlich spürbar.» Denkbar sei das Einschieben einer Schaltminute alle 100 Jahre oder einer Schaltstunde nach entsprechend längerer Frist. «Allerdings wüsste nach so langer Zeit niemand mehr, wo überall es ein Problem geben könnte und Anpassungen in Systemen nötig sind», ist Dick überzeugt.
Die Briten stemmen sich auch deshalb gegen eine Abschaffung, weil dann ein Nationalheiligtum weiter an Bedeutung verlöre: der Greenwich-Meridian, dessen mittlere Sonnenzeit lange maßgeblich für die Weltzeit war. Er würde dann rasch nicht mehr mit 0.00 Uhr übereinstimmen. Ein weiteres ebenfalls eher philosophisches Argument in der Debatte: Die Abschaffung der Schaltsekunden hieße, dass das Leben zum ersten Mal in der gesamten Menschheitsgeschichte von der Sonnenzeit abgekoppelt würde. «Unsere Zeit bezöge sich nicht mehr auf die Erde, sondern auf Schwingungen in einem Atom», sagt Dick.
Im Moment seien die Lager von Gegnern und Befürwortern etwa gleich groß. Für eine Änderung des Weltzeit-Systems müssten sich aber alle einig sein. Dick ist darum überzeugt: «Ein einstimmiger Beschluss wird im November nicht durchzusetzen sein.»
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