Schaeffler erhöht Angebot für Vitesco-Aktien Schaeffler will mehr zahlen, fürs Vitesco-Gremium immer noch zu wenig

Von Susanne Braun 4 min Lesedauer

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Schaefflers Bemühungen zur Übernahme des Antriebstechnikspezialisten Vitesco gehen weiter. In beiderseitigem Einverständnis wurde ein Business Combination Agreement unterzeichnet. Gleichfalls wurde der Preis vonseiten Schaeffler pro ausstehender Vitesco-Aktie erhöht – doch der ist aus Vitesco-Sicht weiterhin nicht angemessen.

Vitesco Technologies bringt E-Power ins Offroad-Segment, für das ein starkes Wachstum prognostiziert wird.(Bild:  Vitesco Technologies)
Vitesco Technologies bringt E-Power ins Offroad-Segment, für das ein starkes Wachstum prognostiziert wird.
(Bild: Vitesco Technologies)

Es bleibt definitiv spannend im Schaeffler und Vitesco! Automobil- und Maschinenbauzulieferer Schaeffler hatte mit einem freiwilligen, öffentlichen Erwerbsangebot signalisiert, dass man den Automobilzulieferer für Antriebstechnologien, Vitesco Technologies, übernehmen wolle. Es gäbe im Automotive-Bereich Überschneidungen und nutzbare Synergien, mit derer gemeinsamen Nutzung sich eine führende Marktposition erlangen ließe.

Dafür will man vonseiten der Schaeffler AG die noch ausstehenden Aktien von Vitesco kaufen – fast die Hälfte der Wertpapiere gehören bereits Schaeffler. Bislang waren dafür 91 Euro pro Aktie geboten worden, und das Prüfungsgremium bei Vitesco, das nach dem Eingang des Erwerbsangebots gegründet wurde, sah diesen Preis mit Blick auf die Wertentwicklung der Vitesco-Aktien sowie auf die Zukunftsaussichten des Unternehmens kritisch. Zu gering seien 91 Euro pro Aktie. Infolgedessen haben die Verantwortlichen von Schaeffler nun aufgestockt und bieten 94 Euro pro Wertpapier.

Gremium von Vitesco nicht beeindruckt

Doch auch damit ist der Sonderausschuss von Vitesco nicht zufrieden: „Auf dieser Basis, vor dem Hintergrund der eigenen Einschätzung der aktuellen Lage sowie des Entwicklungspotenzials von Vitesco Technologies als auch der Gesamtumstände des Angebots, halten Vorstand und Aufsichtsrat auch den erhöhten Angebotspreis je Vitesco Technologies Aktie aus finanzieller Sicht für nicht angemessen“, heißt es aus Unternehmenskreisen via Pressemitteilung.

Allerdings, so wird auch betont, kann das neue Angebot vor allem den Anlegern, die bei Vitesco aussteigen wollten, eine günstige Transaktionsgelegenheit bieten, „auch wenn die angebotene Bargegenleistung den langfristigen Wert des Unternehmens nicht angemessen widerspiegelt.“ Wer das Angebot nicht annehmen will und die Wertpapiere nicht loswerden möchte, bleibt an Vitesco Technologies beteiligt und erhält bei vollzogener Verschmelzung Aktien am kombinierten Unternehmen. Das Umtauschverhältnis ist allerdings noch nicht bekannt. Pro Vitesco-Aktie (aktueller Wert, 27.11.2023, 17:35 Uhr: 93,55 Euro) werden angesichts aktueller Börsenwerte wahrscheinlich einige Schaeffler-Aktien (aktueller Wert, 27.11.2023, 17:35 Uhr: 5,04 Euro) fällig.

Business Combination Agreement unterzeichnet

Grundsätzlich stimmen die Verantwortlichen von Vitesco der Schaeffler-Ansicht zu, dass sich die Verschmelzung beider Unternehmen in gewissen Bereichen dank signifikanter strategischer Vorteile auszahlen kann - entsprechend wurde von beiden Seiten ein Business Combination Agreement unterzeichnet.

Dabei gehe es vor allem um Wachstum und eine langfristige Wertschöpfung, und nicht um den Abbau von Arbeitsplätzen oder Standortschließungen. Folgende zentrale Aussagen kommunizieren die Leute von Vitesco aus dem von Schaeffler und Vitesco unterschriebenen Vereinbarung:

  • Das kombinierte Unternehmen soll aus Herzogenaurach geführt werden. Die Aufteilung der übrigen sogenannten „Divisional Headquarters“ wird zwischen Vitesco Technologies und Schaeffler noch näher besprochen werden. Vitesco Technologies und Schaeffler sind sich der Bedeutung der Standorte von Vitesco Technologies für das kombinierte Unternehmen bewusst.
  • Das kombinierte Unternehmen wird aus vier fokussierten Divisionen bestehen, wobei in der Division E-Mobility die Kompetenzen von Schaeffler (E-Mobility) und Vitesco Technologies (Electrification Solutions Division) gebündelt werden.
  • Es wurde vereinbart, dass Vitesco Technologies und Schaeffler bei der Ausgestaltung der Organisationsstruktur im Rahmen der Umsetzung des Unternehmenszusammenschlusses die Erfolgsfaktoren des Vitesco-Konzerns im kombinierten Unternehmen berücksichtigen.
  • Die Beschäftigungsbedingungen der Mitarbeitenden von Vitesco Technologies, insbesondere ihre Vergütung oder ihr Anspruch auf andere Arbeitgeberleistungen, im kombinierten Unternehmen, bleiben als unmittelbare Folge des Vollzugs der Transaktion unverändert.
  • Es wurde vereinbart, dass im kombinierten Unternehmen die Sparte E-Mobility von dem Vitesco Technologies-Vorstand Thomas Stierle geführt werden soll. Es ist zudem beabsichtigt, die Zusammensetzung des Aufsichtsrats des kombinierten Unternehmens unter Berücksichtigung von dessen Anforderungen anzupassen.
  • Des Weiteren haben sich Vitesco Technologies und Schaeffler für die Divisionen E-Mobility und Powertrain & Chassis sowie für zentrale Funktionsbereiche im kombinierten Unternehmen auf gemeinsame Grundsätze zur Besetzung der Führungspositionen unterhalb des Vorstands geeinigt.

Konstruktive Begleitung des Prozesses

Auf Basis des Agreements betonen die Gremien von Vitesco Technologies die Umsetzung des Erwerbsangebots sowie des Unternehmenszusammenschlusses konstruktiv zu begleiten. „Um die im BCA festgelegten Grundsätze zu koordinieren, soll ein gemeinsames, paritätisch besetztes Integrationskomitee eingerichtet werden“, heißt es.

Aus der Veröffentlichung zum Business Combination Agreement von Schaeffler geht noch hervor, dass ein neunköpfiger Vorstand geplant sei und dass die Zukunftsvereinbarungen mit der IG Metall auch im kombinierten Unternehmen noch gültig sein werden. 2018 hatte die Schaeffler AG mit der IG Metall unter anderem Vereinbarungen zu Tarifbindungen und Standorten getroffen. Natürlich liegt es weiterhin im Bestreben der Schaeffler AG, die Gesamttransaktion zügig umzusetzen. Wir erinnern: Aktieninhaber der Vitesco Technologies haben bis zum 15. Dezember 2023 Zeit, das Angebot von Schaeffler anzunehmen.

Vonseiten Schaeffler wird im Februar 2024 eine außerordentliche Hauptversammlung geplant, in deren Rahmen Schaeffler-Aktionäre die Gelegenheit haben, über die geplante Umwandlung der nicht-stimmberechtigten Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien abzustimmen. Die im Anschluss geplante Verschmelzung der Vitesco Technologies Group AG auf die Schaeffler AG wiederum bedarf der Zustimmung der jeweiligen Hauptversammlungen beider Unternehmen. (sb)

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