Vom Kleinunternehmen zum Großkonzern Robert Bosch: Sozial engagierter Unternehmer und Ingenieur

Von Antonio Funes 6 min Lesedauer

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Robert Bosch, Gründer des gleichnamigen Unternehmens, revolutionierte mit seiner Innovationskraft und seinem unternehmerischen Weitblick die Welt der Technik und Industrie. Sein Engagement für Qualität, soziale Verantwortung und technische Exzellenz prägt die Marke Bosch bis heute - wir werfen einen Blick auf sein Leben und Wirken.

Begutachtung einer Lehrlingsarbeit im Jahr 1936.(Bild:   / CC0)
Begutachtung einer Lehrlingsarbeit im Jahr 1936.
(Bild: / CC0)

Es gibt viele Persönlichkeiten der Elektrotechnik, die wichtige Erfindungen oder Erkenntnisse verantworten. In einigen Fällen geht damit ein großer finanzieller Erfolg einher, so wie auch bei Robert Bosch. Wir gehen auf sein Leben, seine wichtigen Erfindungen und natürlich auch auf die Entstehung des zum Weltkonzern gewachsenen Unternehmens Robert Bosch GmbH ein, aber auch auf seine ihn prägenden sozialen und politischen Einflüsse.

Mit seinem vollen Namen August Robert Bosch wurde er am 23. September 1861 einige Kilometer nordöstlich von Ulm geboren, und zwar in Albeck. Robert Bosch war das elfte von insgesamt zwölf Kindern seiner Eltern Servatius und Maria Margarethe Bosch, die ein Gasthaus betrieben. Boschs Vater zählte gesellschaftlich zur bäuerlichen Oberschicht und legte einen überdurchschnittlich hohen Wert auf eine gute Ausbildung seiner Kinder.

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Robert Bosch besuchte bis zum Jahr 1876 die Ulmer Realschule, durchlief danach für drei Jahre eine Lehre als Mechaniker und trat die damals noch üblichen Wanderjahre an, um durch die gewonnene Erfahrung eine Meisterprüfung ablegen zu können.

Wanderschaft als Geselle

Bei seiner Wanderschaft während des Jahres 1879 erlangte Robert Bosch viel zusätzliches Wissen, indem er sich als Anlaufstellen für seine Tätigkeiten Unternehmen aussuchte, die für den damaligen Stand hoch technisiert waren. Dazu zählte Wilhelm Emil Fein in Stuttgart, der unter anderem die erste elektrische Bohrmaschine und den ersten elektrischen Feuermelder erfand. Bei Hofjuwelier Friedrich Roediger in Hanau wurde eine voll automatisierte Produktion von Fuchsschwanzketten betrieben, bei denen zwei Glieder der Kette in das nächste Gliederpaar greifen. Robert Bosch verließ Roedigers Werkstatt, um im Herbst 1880 zu seinem im Sterben liegenden Vater zurückzukehren.

Danach verschlug es Robert Bosch nach Köln zur Firma Bosch & Haag, die von seinem Bruder sowie einem Schwager geführt wurde und bei der er im Rahmen seiner Wanderjahre für kurze Zeit tätig war. Nachdem er ab Oktober 1881 für ein Jahr beim Militär war, arbeitete er bis zum Jahr 1886 bei verschiedenen Unternehmen, darunter bei Edison in den USA sowie in London bei Siemens Brothers & Co. Dieses Unternehmen aus dem Bereich der elektronischen Fertigung wurde 1858 von Carl Wilhelm Siemens gegründet, einem Bruder von Werner Siemens (Siemens & Halske, später Siemens).

Ein Funke zündet: die Firma Bosch als Motor der Automobilbranche

Am 15. November 1886 legte Robert Bosch schließlich den Grundstein für den heutigen Weltkonzern Robert Bosch GmbH, indem er in Stuttgart die „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ ins Leben rief. Seine Belegschaft bestand damals lediglich aus Robert Bosch sowie einem Gesellen und einem Lehrling.

Den Durchbruch schaffte Bosch durch die Verbesserung eines Magnetzünders des Motorenherstellers Deutz für stationäre Gasmotoren, um das für die Kolbenbewegungen nötige Gasgemisch zu zünden. Durch diese 1887 vollendete technische Innovation sicherte sich Robert Boschs Werkstätte eine finanzielle Basis, die auch weitere Entwicklungen ermöglichte.

Zehn Jahre später war es der Mitarbeiter Arnold Zähringer, der die Zünder-Technik erfolgreich so veränderte, sodass sie den Einsatz in vergleichsweise schnell laufenden Automobil-Motoren ermöglichte. Die möglichst zuverlässige Zündung des Kraftstoff-Gemischs in Kraftfahrzeugmotoren war bis dahin noch ein großes Problem, auch da die Motoren ständigen Bewegungen durch das Automobil ausgesetzt waren, und wurde durch den neuartigen Magnetzünder revolutioniert.

Nach weiteren etwa vier bis fünf Jahren entwickelte der für Bosch arbeitende Ingenieur Gottlob Honold einen Magnetzünder auf Hochspannungsbasis, der es ermöglichte, immer höhere Drehzahlen für Motoren einzuführen. Die direkte Konkurrenz war damals die Schwungrad-Magnetzündung von Henry Ford. Bereits vor der Jahrhundertwende expandierte Robert Bosch sein Unternehmen ins Ausland. In den USA gab es ab dem Jahr 1906 eine Vertretung und ab dem Jahr 1910 eine erste Fertigungsstätte für Magnetzünder, heute unter dem Begriff Zündkerzen bekannt. Dabei verbesserten Bosch und seine Mitarbeiter die Technik der Zündkerzen ständig und sorgten auch für weitere Innovationen, unter anderem im Jahr 1927 für die Dieseleinspritzung.

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Um ein wenig mehr auf das Leben von Robert Bosch einzugehen, verzichten wir auf weitere Einzelheiten zum Unternehmen Robert Bosch GmbH. Denn Robert Bosch selbst zog sich während des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1938 bis 1939 immer weiter von der Unternehmensleitung zurück und wandelte dabei im Jahr 1937 die Firma in die auch heute noch bestehende Robert Bosch GmbH um. Bekanntermaßen hat sich die Firma inzwischen zu einem Mischkonzern mit einem Schwerpunkt auf elektrotechnische Produkte und einem Jahresumsatz von über 90 Milliarden Euro erweitert.

Ein sozialer Bosch bricht mit der Sozialdemokratie

Robert Bosch wurde 1880, während der Phase seiner Gesellen-Wanderschaft, Mitglied in einer Arbeiter-Gewerkschaft, nämlich bei den US-amerikanischen Knights of Labor. Nach der Gründung seiner Firma trat Robert Bosch den Verbänden Württembergischer Unternehmer und Württembergischer Metall-Industriellen bei. Als Arbeitgeber schlug in Robert Bosch aber weiterhin ein Arbeiterherz. Politisch gesehen war er lange Zeit ein Sozialdemokrat. Er entfernte sich aber von dieser politischen Ausrichtung, nachdem 1913 sein Werk in Feuerbach bestreikt wurde. Der Streik war offensichtlich rein politisch motiviert, um seitens radikalerer Sozialdemokraten ein Zeichen zu setzen, die sich das Bosch-Werk für den Start einer Streikwelle aussuchten.

Dabei war Robert Bosch ein für damalige Zeiten aus Sicht der Arbeiter eher vorbildlicher Unternehmer – er hatte sogar schon 1906 den Achtstunden-Arbeitstag eingeführt, obwohl neun und mehr Stunden pro Tag üblich waren. Ebenso erhöhte er die Gehälter seiner Arbeiter, wenn die Gewinne der Firma stiegen, und bezahlte ihnen deutlich mehr als andere vergleichbare Unternehmen. Als Reaktion auf den Streik schloss Robert Bosch das Werk und wandte sich von der Sozialdemokratie ab, die aus seiner Sicht zu sehr zu marxistischen und nicht in reformorientierten Bestrebungen tendierte.

Während des kurz danach gestarteten Ersten Weltkriegs ließ Robert Bosch von den Gewinnen seiner Firma den Neckarkanal bauen und gründete einige Stiftungen, die neben technischen Bereichen auch die Bildungspolitik betrafen und auch soziale Projekte förderten. Er blieb also weiterhin ein auch sozial engagierter Mensch. In einigen seiner Fabriken ließ er zudem Lazarette für verwundete Soldaten einrichten und bezahlte kriegsversehrten Arbeitern Prothesen und medizinische Hilfsmittel.

Zwei Kriege und ein im Untergrund agierender Bosch

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Beginn der Weimarer Republik stand Robert Bosch dem demokratischen Wandel in Deutschland sehr positiv gegenüber. Er setzte sich für das Wiederaufleben der deutsch-französischen Freundschaft ein, und zwar auch mit finanziellen Mitteln. Das Ziel war dabei nicht zuletzt, dass Robert Bosch auf ein friedliches Europa mit freiem Handel hoffte – er versuchte dabei, den 1933 zum Reichskanzler gewählten Adolf Hitler für seine Ideen zu gewinnen. Das dunkle Ende dieser Hoffnungen ist in Form des vom Hitler-Regime im Jahr 1939 begonnenen Zweiten Weltkriegs bekannt.

Während des Krieges wurde die Firma Bosch für Rüstungsproduktionen eingespannt, wobei auch Zwangsarbeiter zum Einsatz kamen. Ein Teil des Geländes einer Bosch-Tochterfirma diente im Laufe des Krieges als Außenlager für das Konzentrationslager Sachsenhausen. Schon vor Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte sich Robert Bosch, wie wir zuvor schilderten, aus der Unternehmensführung zurückgezogen und Bosch in eine GmbH umgewandelt.

Er unterstützte im Verborgenen den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, half Juden und anderen Verfolgten bei der Flucht aus Deutschland und hatte direkte Verbindungen zu der Gruppe rund um Graf von Stauffenberg, die 1944 ein Attentat auf Hitler verübte. Allerdings erlebte Robert Bosch das fehlgeschlagene Attentat nicht mehr, da er bereits am 12. März 1942 im Alter von 80 Jahren an den Folgen einer schweren Ohrenentzündung verstarb.

Die Nationalsozialisten nutzten die Bekanntheit Boschs und seines Unternehmens für ein großes Begräbnis, das der Staatspropaganda diente. Bosch war zu Lebzeiten zweimal verheiratet. Mit Anna Kayser hatte er die zwei Töchter Margarete und Paula sowie den 1921 verstorbenen Sohn Robert. Mit Margarete Wörz hatte Bosch den Sohn Robert jun. sowie Tochter Eva.

Da Robert Bosch in seinem Testament verfügte, dass seine Firma nach seinem Tod Gewinne für soziale Zwecke einsetzen sollte, engagierten sich auch seine Nachkommen in seinem Sinne. Es entstand zudem im Jahr 1964 die Robert-Bosch-Stiftung, die inzwischen über ein Kapital von über fünf Milliarden Euro verfügt. (sb)

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