Glamour und Genialität vereinten sich im Leben von Hedy Lamarr: In den 1930er-Jahren galt sie als „schönste Frau der Welt“ in Hollywood, zugleich entwickelte sie ein Patent, das zur Grundlage moderner Funktechnologien wie Bluetooth wurde. Wir beleuchten ihr Leben und Wirken.
Hedy Lamarr ist die Miterfinderin des Frequenzsprungverfahrens, wurde allerdings erst spät im Leben dafür geehrt.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
In der Filmbranche wimmelt es von kreativen Menschen, aber die Geschichte der Person, die wir näher betrachten wollen, ist besonders ungewöhnlich. Denn es geht um Hedy Lamarr, die nicht nur in den 1930er-Jahren ein Filmstar, sondern auch eine Erfinderin mit einer Idee war, die als eine Basis für Technologien wie Bluetooth gilt. Dies ist umso bemerkenswerter, da sie ihren Erfindergeist bereits im Alter von 26 Jahren mit einem Patent umsetzen konnte – und das in einer Zeit, in der technische Themen fast ausschließlich Männersache waren.
Wir werden heute das Leben von Hedy Lamarr behandeln, die am 9. November 1914 in Wien geboren wurde und kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs nach London zog. Zunächst starten wir aber mit der Geschichte der Erfindung, wegen der sie für den Themenbereich der Elektrotechnik als wichtige Persönlichkeit bezeichnet werden kann – und zu deren Entwicklung Hedy Lamarr durch die Schrecken des Zweiten Weltkriegs motiviert worden war.
Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Gut ein Jahr später, am 18. September 1940, versenkte ein deutsches U-Boot das britische Passagierschiff City of Benares, wobei fast 250 der über 400 Passagiere und Crewmitglieder ums Leben kamen. Unter den Opfern waren auch 77 Kinder, die nach Kanada evakuiert werden sollten.
Diese Nachricht erschreckte Hedy Lamarr, die nicht zuletzt wegen ihrer jüdischen Wurzeln eine Gegnerin des Nationalsozialismus war, so sehr, dass sie ihr bereits in der Kindheit gezeigtes Interesse an Technik kanalisierte. Diese Anekdote betreffend der City of Benaris wird häufig erzählt, ist aber nicht zweifelsfrei gesichert. Sicher ist aber: Lamarr war entsetzt über den Krieg und wollte helfen. Bei ihrer Idee ging es um eine Fernsteuerung für Torpedos per Funk. Zum einen wurden Torpedos damals nicht funkgesteuert, aber der bemerkenswertere Einfall war, dass die Funksteuerung wechselnde Funkfrequenzen vorsah.
Der Frequenzwechsel sollte die Ortung der Torpedos durch Feinde enorm erschweren. Eine technische Methode, dies durchzuführen, gab es damals aber bisher nicht. Entscheidend für die Idee des Frequenzsprungs sowie auch deren Lösung war die Arbeit von Hedy Lamarr in der Filmbranche.
Mechanische Klaviere als Vorlage
Hedy Lamarr arbeitete Ende der 1930er-Jahre zusammen mit dem Komponisten George Antheil an einem seiner Musikexperimente, dem Ballet Mécanique. Es galt, 16 mechanische Klaviere untereinander sowie mit einem Film zu synchronisieren. Die Gedankenspiele und Diskussionen rund um dieses Szenario brachten Hedy Lamarr schließlich im Jahr 1940 auf die entscheidende Idee, wie man den Frequenzwechsel beim Sender und beim Torpedo synchronisieren könnte.
Für die Klaviere wurden Rollen mit Lochstreifen genutzt, sodass die Melodien in einer gleichmäßigen Abfolge und somit gemäß der Gesamtkomposition synchron ertönten. Das Patent, das sie dann in mehreren Monaten Entwicklungsarbeit zusammen mit Antheil erstellte, sah vor, dass sowohl beim Sender als auch im Torpedo eine jeweils identische Rolle mit Lochstreifen – gewissermaßen wie ein Zeitplan – die Frequenzwechsel vorgab. Im Juni 1941 wurden die Pläne schließlich in den USA als Patent eingereicht, das Patent wurde im Jahr 1942 auch erteilt und der US Navy angeboten, die die Nutzung aber ablehnte.
Das Patent soll nicht wirklich eine praktikable Lösung aufgezeigt haben, zudem war eine Funksteuerung von Torpedos per se nicht vorgesehen. Es soll Gerüchten zufolge bei der Ablehnung auch flapsig gesagt worden sein, dass ein Klavier nicht in einen Torpedo passe und Hedy Lamarr lieber in ihrem beruflichen Metier bleiben solle. Letzteres tat sie dann auch und nutzt ihre Bekanntheit dafür, die Alliierten zu unterstützen.
Missachtetes Patent führt am Ende zum Frequenzsprungverfahren
Einige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann die US Navy schließlich doch, dem Patent mehr Beachtung zukommen zu lassen. Zwar wurde die Frequenzwechsel-Technik nicht eins zu eins umgesetzt, und auch Torpedos waren nicht das Thema. Vielmehr nutzte die US Navy den Frequenzwechsel über eine drehende Trommel für eine spezielle Boje zum Entdecken von U-Booten.
Damals waren die Patentrechte bereits abgelaufen, aber auch für die vorige Nutzung der Ideen bekamen weder Hedy Lamarr noch George Antheil jemals Geld, da Teile des Konzeptes schon in geheimen Patenten vorkamen. Unabhängig von der Umsetzung der Synchronisierung, die ja eher ein mechanisches Grundprinzip verfolgt, ist allein die Idee des Frequenzwechsels aber eine wichtige Grundlage für unsere heutige kabellose Kommunikation und unter dem Stichwort Frequenzsprungverfahren bekannt.
Stand: 08.12.2025
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Denn auch Techniken wie Bluetooth nutzen etwa den Wechsel von Frequenzen, damit möglichst viele Nutzer gleichzeitig mit so wenig Störungen wie möglich kommunizieren können. Nicht zuletzt deswegen war die Idee von Hedy Lamarr ein wichtiger Baustein in der Elektrotechnik. Erst im Jahr 1997 wurde die erfinderische Arbeit von Hedy Lamarr auch einer breiteren Öffentlichkeit in Form einer Ehrung, dem Electronic Frontier Foundation Pioneer Award, bekannt. Wie es im Leben von Hedy Lamarr damals sowie auch davor aussah, schildern wir nun noch mit ihrem Lebenslauf.
Mit 17 bereits ein kleiner Star
Wie wir schon zu Anfang erwähnten, wurde Hedy Lamarr am 9. November 1914 in Wien geboren – ihr Geburtsname war Hedwig Eva Maria Kiesler. Ihre Eltern waren jüdisch. Ihr in Lemberg (heute Lwiw, Westukraine) geborener Vater hieß Emil und war Bankdirektor. Ihre Mutter wurde in Budapest geboren und hieß Gertrud. Sie hatte eine Ausbildung als Konzertpianistin absolviert.
Bereits als Kind soll sich Hedy Lamarr für Technik interessiert und unter anderem im Alter von fünf Jahren eine Standuhr auseinandergebaut haben. Sie ging auf eine Privatschule und erhielt zudem Klavier- und Ballettunterricht. Sie brach mit 16 Jahren die Schule ab und arbeitete bei der Wiener Filmgesellschaft Sascha. Kurz danach wurde sie als Schauspielerin entdeckt, auch da sie als besondere Schönheit galt. Ihre erste Hauptrolle bekam sie im Jahr 1931, als sie noch keine 17 Jahre alt war und an der Seite von Heinz Rühmann und Hans Moser unter dem Namen Hedy Kiesler im Film „Man braucht kein Geld“ mitspielte.
Ehe mit Waffenhersteller Fritz Mandl
Für Aufsehen sorgte der Film „Ekstase“, der 1933 erschien. Bei den Dreharbeiten war Hedy Lamarr noch minderjährig, im Film war sie für einige Minuten nackt zu sehen. Im mittlerweile von den Nationalsozialisten regierten Deutschland wurde der Film erst im Jahr 1935 unter Protesten aufgeführt, während Hedy Lamarr in Wien im Bereich des Musiktheaters arbeitete und mehr und mehr zu einer Berühmtheit wurde.
Damals, genauer gesagt im August 1933, heiratete sie Fritz Mandl, einen schwerreichen Industriellen. Dieser stellte Waffen her und machte später auch Geschäfte mit dem Nazi-Regime sowie dem faschistischen Italien, obwohl sein eigener Vater Jude war. Im Vorfeld der Hochzeit war Hedy Lamarr, auch durch den Druck Mandls, zum Katholizismus übergetreten. Der 14 Jahre ältere Fritz Mandl versuchte sie zudem streng zu kontrollieren und verbot ihr das Weiterführen ihrer Filmkarriere, obwohl (oder vielleicht auch weil) sie von der Öffentlichkeit als kommender Hollywoodstar gesehen wurde.
Im Laufe der ersten Ehejahre wurde immer deutlicher, wie weit voneinander entfernt die liberal denkende Hedy Lamarr und der rechtskonservative Fritz Mandl waren, sodass sie ihn im Jahr 1937 verließ und über Paris als Zwischenstation nach London zog. Einen möglichen positiven Punkt hatte ihre Ehe aber. Wegen der Waffengeschäfte waren häufig andere Waffenhersteller und Kunden zu Gast im Haus Mandl, was dazu geführt haben könnte, dass Hedy Lamarr das ein oder andere technische Detail zu Waffentechniken mitbekam, das normalerweise nicht in der Öffentlichkeit bekannt war.
Von London aus zum Hollywoodstar
In London kam es schließlich dazu, dass Hedy Lamarr für die US-Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer unter Vertrag genommen wurde. In diesem Zuge erhielt sie den Namen Lamarr, der eine Reminiszenz an den 1926 verstorbenen Stummfilm-Star Barbara La Marr war, die auch „The too beautiful girl“ (Das zu schöne Mädchen) genannt wurde. MGM wollte damit wohl die Basis für eine Vermarktungsstrategie legen und Hedy Lamarr ebenfalls als eine besonders schöne Frau anpreisen. Man sprach gar von der „schönsten Frau der Welt“. Mit ihren dunklen Haaren und ihrer Frisur schuf Hedy Lamarr schließlich nach dem Erfolg ihres Films „Algiers“ aus dem Jahr 1938 in der Tat ein neues Schönheitsbild, dem viele Frauen und Mädchen nacheiferten.
Der wohl bekannteste Film, in dem Hedy Lamarr eine Hauptrolle spielte, war „Samson und Delilah“ aus dem Jahr 1949. In vielen Filmen war sie aber eher nur wegen ihrer Schönheit engagiert worden, ohne dabei besonders anspruchsvolle Rollen zu spielen. Sie selbst kritisierte dies indirekt, unter anderem durch den Spruch, dass ein Mädchen nur stillstehen und ein wenig dumm schauen muss, um bezaubernd zu sein.
Rückzug vom Filmgeschäft und Ehrungen als Erfinderin
Bis zum Jahr 1957 drehte Hedy Lamarr noch Filme und zog sich dann im Alter von 42 Jahren aus dem Filmbusiness zurück, erhielt aber 1960 noch einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Wie es dem Klischee einer Filmdiva entspricht, heiratete Hedy Lamarr mehrfach und soll auch viele Affären gehabt haben. Den Nachnamen ihres zweiten Ehemannes, Markey, verwendete sie übrigens für ihr Patent.
Nach dem Ende ihrer sechsten Ehe im Jahr 1965 gab es aber keine weitere Heirat mehr. Im Laufe ihrer Ehe bekam sie drei Kinder. Hedy Lamarr starb am 19. Januar 2000 in Casselberry, einer kleinen Stadt in Florida, drei Jahre nachdem sie erstmals für ihren Erfindergeist von der Electric Frontier Foundation geehrt worden war. Zwischen ihrer letzten Ehe und ihrem Tod zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück und soll vereinsamt verstorben sein. Ihr zu Ehren wurde der 9. November, der Geburtstag von Hedy Lamarr, im deutschsprachigen Raum zum Datum für den Tag der Erfinder erklärt.
Es gibt zudem unter anderem den Asteroiden 32730 Lamarr, nach ihr benannte Straßen und Plätze sowie mehrere Lamarr-Institute für maschinelles Lernen und KI, unter anderem in Dortmund und Bonn. Auch in der Popkultur wurde Hedy Lamarr verewigt. Die originale Voyager aus Star Trek gehört zur Intrepid-Klasse und hat Technologien aus dem Delta-Quadranten mitgebracht. Darauf basieren die Schiffe der Lamarr-Klasse aus der erweiterten Star-Trek-Lore, zu der unter anderem das Raumschiff Voyager-A gehört. (sb)