Hochfrequenztechnik in Deutschland Georg Graf von Arco: Der Zündfunken für Telefunken

Von Antonio Funes 6 min Lesedauer

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Telefunken wurde gegründet, um die deutschen Interessen in der aufstrebenden Funktechnik zu bündeln und die Rivalität zwischen Siemens & Halske und AEG zu beenden. Das Unternehmen wurde schnell führend in der Funktechnik und leistete Pionierarbeit in der drahtlosen Kommunikation. Georg Graf von Arco trug einen wesentlichen Teil dazu bei. Wir beleuchten sein Leben und Werk.

Georg Graf von Arco (links) mit dem Physiker August Karolus.(Bild:  Bundesarchiv Bild 102-06332, George Graf von Arco, August Karolus /Okänd / CC BY-SA )
Georg Graf von Arco (links) mit dem Physiker August Karolus.

Dieses Mal blicken wir auf das Leben und Wirken des Physikers und Elektroingenieurs Georg Graf von Arco zurück, der der erste technische Direktor von Telefunken und ein wichtiger Faktor war, der die Firma rasch zu einem Weltkonzern aufsteigen ließ.

Telefunken wurde 1903 gegründet, um die Bestrebungen der AEG sowie der Firma Siemens & Halske bezüglich auf dem damals noch neuen Gebiet der Funktechnik zu bündeln, wobei vorwiegend militärische Zwecke im Fokus lagen. AEG forschte und entwickelte im Bereich der damals noch Funken-Telegrafie genannten Sparte für die Kaiserliche Marine, Siemens & Halske hingegen für das Deutsche Heer. Diese Trennung ging für eine Weile gut, aber es kam der Punkt, als sich beide Firmen um Patente stritten. Um für Ruhe zu sorgen, regte Kaiser Wilhelm II. die Gründung einer neuen gemeinsamen Firma an, die alle Arbeiten zur Funktechnik auf sich vereinigen sollte.

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Zum einen wurden die Streitigkeiten beigelegt, zum anderen entstanden bei Telefunken Synergien durch die Vereinigung von Entwicklern und Wissen beider Firmen. Georg Graf von Arco kam damals aus dem Team der AEG und war als Technischer Direktor hauptverantwortlich für das rasante Wachstum von Telefunken. Die Firma wuchs auch nach der Arco-Ära weiter, wobei sie nach dem Fokus auf eher militärische Produkte früh auch elektronische Haushaltsprodukte anbot.

Nach einer Fusion mit der AEG im Jahr 1967 steigerte Telefunken als Handelsmarke für Konsumentenprodukte den Bekanntheitsgrad und war noch einige Jahrzehnte vorrangig in Deutschland als Traditionsmarke angesehen. Doch zurück zu Georg Graf von Arco, dessen Leben wir nun ein wenig genauer ausleuchten wollen, wobei wir ab hier zur Vereinfachung nur den Namen Georg von Arco verwenden wollen.

Geburt und Studium

Am 30. August 1869 erblickte Georg von Arco, mit vollem Namen Georg Wilhelm Alexander Hans Graf von Arco, in Gorzyce das Licht der Welt. Der Ort liegt heute in Polen, nordöstlich der osttschechischen Stadt Ostrau. Damals befand er sich in der Provinz Schlesien des Königreichs Preußen und hieß Groß Gorschütz, wobei Georg von Arco auf einem Rittergut der adeligen Familie geboren wurde.

Das Interesse für technische Dinge war schon früh bei Georg von Arco erkennbar, der sich in seiner Kindheit und Jugend für Maschinen interessierte. Dass er später mit der praktischen Umsetzung von Geräten beruflich durchstarten würde, verwundert also nicht. Allerdings studierte er nach Abschluss seines Abiturs, welches er 1889 in Breslau ablegte, zunächst nur für kurze Zeit im Bereich der Physik und Mathematik, ohne einen Abschluss zu machen.

Er erfüllte dann die Erwartung des Vaters und startete eine Laufbahn als Offizier beim Militär. 1893 folgte er dann aber seinen Interessen und begann an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg ein Studium in den Bereichen Elektrotechnik und Maschinenbau.

Slaby als Mentor für Arcos Funktechnik-Wissen

Während des Studiums lernte Georg von Arco den gut 20 Jahre älteren Elektroingenieur Adolf Slaby kennen, der an der Hochschule als Professor tätig war und 1897 einer der wenigen Teilnehmer eines erfolgreichen Sendeversuchs des Funkpioniers Guglielmo Marconi war. Slaby war als Beobachter dabei, als Marconi nahe der britischen Stadt Bristol Signale über eine damals beeindruckende Distanz von etwa 15 Kilometern senden konnte.

Marconi entwickelte die Technik weiter, um sie auf Schiffen einsetzbar zu machen und baute in den Folgejahren ein finanziell erfolgreiches Monopol auf Funkgeräte für Schiffe auf. Adolf Slaby wiederum startete 1897, inspiriert durch Marconis Sendeversuche, zusammen mit Georg von Arco eigene Experimente und Versuche, um die damals noch neue Funktechnik zu verstehen. Der Glockenturm der Heilandskirche in Potsdam-Sacrow am Ufer der Havel diente dabei als Antenne. Im August 1897 schafften die beiden eine Signalübertragung über eine Distanz von etwa 1.600 Metern. Der Versuchsaufbau gilt als „die erste Deutsche Antennenanlage für einen drahtlosen Verkehr“, wie man noch heute auf einer Tafel an der Kirche nachlesen kann, auf der auch eine Szenerie mit Atlas zu sehen ist.

Schon ein Jahr später gelang dann eine Signalübertragung über eine Distanz von 60 Kilometern in das südlich von Potsdam gelegene brandenburgische Jüterbog. Somit kann man Slaby und von Arco als wichtige Pioniere der deutschen Funktechnik bezeichnen.

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Bei Telefunken zu Sendeanlagen mit Weltruf

Das Studium sowie die Versuche, die er mit Adolf Slaby durchführte, ebneten Georg von Arco den Weg als Ingenieur in einem Berliner Kabelwerk der AEG. Zunächst war er dort für die Prüfung von Kabeln zuständig, schaffte es aber mit ein wenig Überzeugungsarbeit und den Referenzen durch Professor Slaby, eine Abteilung für drahtlose Telegraphie bei AEG aufbauen zu dürfen.

Wie wir schilderten, arbeitete diese Abteilung im Bereich der Forschung zur Funktechnik für die Marine. Wegen der Streitigkeiten mit Siemens & Halske entstand im Jahr 1903 die „Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH, System Telefunken“, die schon bald nur noch als Telefunken bekannt war und deren erster Technischer Direktor Georg von Arco wurde. Eine erste wichtige Entscheidung war, die bis dato übliche Knallfunksender-Technik frühzeitig durch Löschfunksender zu ersetzen. Diese Technik war von Max Wien als Weiterentwicklung der Knallfunksender erfunden worden. Die Vorteile der Löschfunksender waren ein deutlich besserer Wirkungsgrad sowie ein schmaleres Frequenzband, sodass ein präziseres Funksignal ermöglicht werden konnte.

Sendeanlage Nauen verhilft Telefunken zum Weltruf

Im Jahr 1906 wurde unter der Leitung von Georg von Arco die Großfunkstelle Nauen (Brandenburg) in Betrieb genommen, zunächst noch als Versuchsanlage. Die damals noch neuen Löschfunksender kamen dort erst ab 1909 zum Einsatz, wodurch sich der Status von einer Versuchsanlage zu einer Funkstation mit regulärem Funkverkehr änderte. Dank der Sendeanlage war es sogar möglich, mit den damaligen deutschen Kolonien in Afrika zu kommunizieren.

Der große Erfolg der Sendeanlage verschaffte Telefunken weltweite Aufmerksamkeit und sorgte allgemein für einen großen Schub des Konzerns. Zum Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918 wurde in der Sendeanlage Nauen ein zehnmal stärkerer Maschinensender eingebaut; eine abermals neue Technik. Diese Art von Hochfrequenzsendern hatte eine vergleichsweise hohe Leistung und war ein weiterer Meilenstein der Funktechnik, an dessen Entwicklung auch Georg von Arco selbst beteiligt war. Die Sendeanlage Nauen ist die älteste noch erhaltene Sendeanlage der Welt. Ihre heute noch verwendeten Sendeantennen stammen aus den Jahren 1964 und 1997.

Ruhestand in unruhigen Zeiten und pazifistische Bestrebungen

Georg von Arco war in den Kreisen der Elektrotechnik spätestens mit der Sendeanlage Nauen hoch angesehen. Manfred von Ardenne, der als einer der Väter des Fernsehens gilt und zu dem wir bereits einen ausführlichen Artikel zusammengestellt hatten, beschrieb Georg von Arco Anfang als Leitbild für eine Generation von jungen Technikpionieren, die in den Anfängen der 1920er-Jahre entstand. Bis zum Jahr 1931 war Georg von Arco für Telefunken tätig und wurde dann von Emil Mayer abgelöst, der seine Position aber nur zwei Jahre lang wahrnehmen konnte. Denn Emil Mayer war Jude und wanderte 1933, dem Jahr der Machtübernahme der Nationalsozialisten, gezwungenermaßen in die USA aus.

Diese Machtübernahme dürfte Georg von Arco mit Argwohn verfolgt haben, denn er war neben seiner Tätigkeit als Elektroingenieur und Unternehmer auch politisch engagiert, wobei er der philosophischen Theorie einer einheitlichen Weltanschauung basierend klar pazifistische Bestrebungen verfolgte. Schon während des Ersten Weltkriegs war er Gründungsmitglied der damals bedeutendsten deutschen Pazifistenvereinigung „Bund Neues Vaterland“ und war in den 1920er-Jahren Vorsitzender des Deutschen Monistenbundes, der die eben beschriebene einheitliche, auf Wissenschaft basierende und pazifistische Weltanschauung vertrat. Ebenso war er 1923 Mitinitiator einer Gesellschaft, die für eine Freundschaft mit der 1922 neu gegründeten Sowjetunion eintrat. Im Alter von 70 Jahren verstarb Georg von Arco am 5. Mai des Jahres 1940 in Berlin. (sb)

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