Serie Projektmanagement, Teil 4

Risikomanagement in Software-Projekten

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Schritt 2: Risiken bewerten

Im zweiten Schritt gilt es nun, für jedes identifizierte Risiko dessen Eintrittswahrscheinlichkeit und die mögliche Schadenshöhe zu ermitteln bzw. abzuschätzen.

Qualitative Risikoanalyse: Statt konkrete Prozentwerte oder die genaue Schadenshöhe in Euro anzugeben, ist es zunächst sinnvoller, jeweils nur wenige Abstufungen zu verwenden. Das Ermitteln exakter Zahlenwerte ist meist nicht möglich bzw. würde eine Genauigkeit vorspiegeln, die es (zunächst) nicht gibt.

Die Verwendung weniger Abstufungen vermeidet langwierige Diskussionen über die anzugebenden Werte. Dies können z.B. die Abstufungen „kein“, „sehr niedrig“, „niedrig“, „mittel“, „hoch“ und „sehr hoch“ sein.

Bild 3: Beispiel einer Risikoliste. Die Risiken werden nach ihrer Priorität absteigend sortiert. (Method Park)
Bild 3: Beispiel einer Risikoliste. Die Risiken werden nach ihrer Priorität absteigend sortiert. (Method Park)
Für die Ermittlung der Priorität bzw. Wichtigkeit eines Risikos ordnet man zunächst den Abstufungen der Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe entsprechende Werte zu, hier die Zahlenwerte 0 für „kein“ bis 5 für „sehr hoch“. Multipliziert ergibt dies eine Risikokennziffer bzw. die Priorität oder Wichtigkeit eines Risikos. Nach dieser Priorität lässt sich nun die Risikoliste absteigend sortieren. Wichtige Risiken erscheinen somit oben auf der Liste.

Quantitative Risikoanalyse: In einem weiteren Schritt werden die wichtigsten Risiken näher untersucht. Dabei können z.B. die Monte-Carlo-Simulation oder Entscheidungsbäume helfen, um sowohl für die Eintrittswahrscheinlichkeit als auch für die mögliche Schadenshöhe eine genauere Einschätzung zu erhalten.

Schritt 3: Maßnahmen planen

Für die bewerteten Risiken werden nun Maßnahmen geplant, verantwortliche Personen und ggf. Termine festgelegt. Als Art der Maßnahmen zur Risikobewältigung unterscheidet man:

  • Vermeidung:Risiken oder deren Auswirkungen sollen durch eine geänderte Vorgehensweise möglichst vermieden werden. Dies kann sowohl das gewählte Vorgehen betreffen, als auch die im Aktivitätenzeitplan ausgeplanten Tätigkeiten.
  • Transfer:z.B. Durchführung bestimmter Tätigkeiten durch ein dafür spezialisiertes Unternehmen, welches die Risiken bzw. die Auswirkungen besser beherrscht. Wichtig: Die Risiken selbst sind damit nicht unbedingt verschwunden.
  • Abschwächung:Durch frühzeitige Maßnahmen versucht man, die Eintrittswahrscheinlichkeit oder die Auswirkungen von Risiken zu reduzieren (Mitigation). Es ist häufig sinnvoller, Aktivitäten zur Reduzierung der Eintrittswahrscheinlichkeit durchzuführen, als die Auswirkungen im Vorfeld eindämmen zu wollen.
  • Akzeptanz: Wenn z.B. keine Gegenmaßnahme möglich ist oder das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Gegenmaßnahme ungünstig ist, geht man ein Risiko bewusst ein. Dafür werden Rücklagen z.B. im Budget (Risikozuschlag) oder zeitliche Reserven eingeplant. Ggf. wird ein Notfallplan vorbereitet.

Die Risikoliste kann schnell sehr lang werden. Richten Sie vor allem Ihr Augenmerk auf die zehn wichtigsten Risiken. Diese gehen Sie zuerst an und definieren dafür Maßnahmen.

Zu jedem Risiko sollten sich in der Risikoliste nun folgende Daten finden:

  • Kurzbezeichnung des Risikos,
  • klare, unmissverständliche Beschreibung des Risikos, seiner Ursachen und der damit verbundenen Konsequenzen,
  • Eintrittswahrscheinlichkeit,
  • Auswirkungen bei Eintritt des Risikos,
  • Maßnahmen zur Umgehung eines Risikos,
  • Maßnahmen zur Reduzierung der Eintrittswahrscheinlichkeit oder Auswirkungen eines Risikos,
  • Maßnahmen, die bei Eintritt eines Risikos zu ergreifen sind,
  • Benennung der für die Risikoverfolgung und Maßnahmen verantwortlichen Personen,
  • ggf. ein Termin, bis zu dem eine Maßnahme durchgeführt werden soll.

Schritt 4: Risiken verfolgen

Das beste Risikomanagement nützt nicht viel ohne eine kontinuierliche Verfolgung der Risiken. Dies kann z.B. als Teil der üblichen Projektmeetings erfolgen, in denen für die Top 10 der Risiken die Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkungen kontrolliert und ggf. neu bewertet werden. Wurden neue Risiken identifiziert, sind diese aufzunehmen, zu bewerten und mit Maßnahmen zu versehen.

Bild 4: Darstellung der Risiken im Statusbericht. Das beste Risikomanagement nützt nicht viel ohne eine kontinuierliche Verfolgung der Risiken. (Method Park)
Bild 4: Darstellung der Risiken im Statusbericht. Das beste Risikomanagement nützt nicht viel ohne eine kontinuierliche Verfolgung der Risiken. (Method Park)
Genauso wie die Identifikation ist die Verfolgung der Risiken keine alleinige Aufgabe des Projektleiters. Während der Projektleiter die Top 10 auf alle Fälle im Auge behält, kann die Verfolgung der anderen Risiken an Teammitglieder delegiert werden.

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