Initiative für Open-Source ISA RISC-V: Bosch, Infineon, Nordic Semi, NXP und Qualcomm gründen Unternehmen

Von Michael Eckstein 3 min Lesedauer

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Die Halbleiterhersteller Bosch, Infineon, NXP, Nordic Semiconductor und Qualcomm wollen gemeinsam in ein Unternehmen investieren, das die Verbreitung des RISC-V-Ökosystems weltweit vorantreiben soll. Das in Deutschland ansässige Unternehmen soll sich zunächst auf den Automobilmarkt konzentrieren, später auf die Bereiche Mobilgeräte und IoT.

Wollen die Open-Source-ISA RISC-V vorantreiben: Bosch, Infineon, NXP, Nordic Semi und Qualcomm gründen ein gemeinsames Unternehmen.(Bild:  Qualcomm)
Wollen die Open-Source-ISA RISC-V vorantreiben: Bosch, Infineon, NXP, Nordic Semi und Qualcomm gründen ein gemeinsames Unternehmen.
(Bild: Qualcomm)

Mit einem gemeinsamen Unternehmen wollen die Branchengrößen Robert Bosch GmbH, Infineon Technologies AG, Nordic Semiconductor, NXP Semiconductors und Qualcomm Technologies, Inc die Verbreitung der freien Befehlssatzarchitektur RISC-V in künftigen kommerziellen Produkten beschleunigen. Das Joint Venture hat noch keinen Namen, soll aber in Deutschland gegründet werden und beheimatet sein. Laut Pressemitteilung wird es „eine einzige Quelle für kompatible RISC-V-basierte Produkte sein, Referenzarchitekturen bereitstellen und dazu beitragen, dass sich die Lösungen in der Branche durchsetzen“.

Als erstes soll sich das Unternehmen auf RISC-V-Anwendungen in der Automobilindustrie fokussieren – einem Markt mit vielen Sicherheitsanforderungen. In diesem Umfeld gilt der Einsatz der Open-Source-ISA als echte Herausforderung, da strenge Spezifikationen und Compliance-Anforderungen einzuhalten sind. Ziel sei es, „vollständig zertifizierte RISC-V-basierte IP und Architekturen zunächst für die Automobilindustrie“ zu entwickeln, sagt Lars Reger, Executive Vice President und Chief Technology Officer bei NXP Semiconductors. Die Schaffung eines „One-Stop-Shop-Ökosystems, in dem Kunden schlüsselfertige Anlagen auswählen können, wird die Einführung von RISC-V in vielen europäischen Branchen fördern“, ist er überzeugt. Vorne dabei sind die Felder Mobilgeräte und IoT, auf die man die Aktivitäten der Initiative ausdehnen später will.

Fahrzeuge werden zunehmend durch Software definiert und Anforderungen an die Zuverlässigkeit steigen – beispielsweise aufgrund von Elektrifizierung und Konnektivität, aber auch durch Trends wie autonomes Fahren. Daher besteht laut Peter Schiefer, Division President der Automotive Division von Infineon, ein allgemeiner Bedarf an Standardisierung und Kompatibilität des Ökosystems in der gesamten Branche: „CPUs haben in diesem Ökosystem IP-seitig eine zentrale Bedeutung. Wir werden dazu beitragen, dass sich vertrauenswürdige RISC-V-basierte Automotive-Produkte in der Automobilbranche mit dieser Initiative etablieren.“ Er ist überzeugt, dass durch das Wissen und die Expertise der beteiligten Unternehmen das volle Potenzial von RISC-V im Automobilsektor zur Anwendung kommt.

Eintrittsbarrieren senken, Skalierbarkeit erhöhen

Im Kern fördere „RISC-V Innovationen, indem es jedem Unternehmen die Möglichkeit gibt, auf der Grundlage eines Open-Source-Befehlssatzes modernste, kundenspezifische Hardware zu entwickeln“. Die weitere Verbreitung der RISC-V-Technologie wird nach Ansicht der beteiligten Konzerne eine noch größere Vielfalt in der Elektronikindustrie fördern, indem sie die Eintrittsbarrieren für kleinere und aufstrebende Unternehmen senkt und etablierten Unternehmen eine bessere Skalierbarkeit ermöglicht.

Laut Jens Fabrowsky, Executive Vice President bei Bosch und verantwortlich für das Halbleitergeschäft, ist Bosch davon überzeugt, dass Initiativen zur Förderung der offenen RISC-V-Spezifikationen den globalen Mobilitätsmarkt einen bedeutenden Schritt voranbringen werden: „Die jetzt geplante Initiative wird wesentlich dazu beitragen, ein zuverlässiges und effizientes EU-basiertes Halbleiter-Ökosystem zu etablieren.“

Innovative RISC-V-Mikroprozessor-IP für Embedded-MCUs

Für Nordic sei es entscheidend, ständig Zugang zu effizienten und leistungsfähigen Embedded-Mikroprozessoren zu haben, sagt Svein-Egil Nielsen, CTO/EVP R&D and Strategy, Nordic Semiconductor. Eine offene Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Unternehmen zur kontinuierlichen Verbesserung innovativer RISC-V-Mikroprozessor-IP und zur Gewährleistung einer robusten und zuverlässigen Versorgung mit der Technologie sei die ideale Antwort auf diese Herausforderung.

Qualcomm investiert nach Angaben von Ziad Asghar, Senior Vice President of Product Management, seit mehr als fünf Jahren in RISC-V und habe RISC-V-Mikrocontroller seitdem in viele seiner kommerziellen Plattformen integriert. „Wir glauben, dass der Open-Source-Befehlssatz von RISC-V die Innovation fördern wird und das Potenzial hat, die Branche zu verändern“, sagt Asghar. Gemeinsam mit anderen Akteuren der Branche wolle man „den Ausbau des RISC-V-Ökosystems durch die Entwicklung der nächsten Hardware-Generation vorantreiben“.

Das Unternehmen ruft Industrieverbände, führende Unternehmen und Regierungen auf, diese Initiative gemeinsam zu unterstützen, die dazu beitragen wird, die Widerstandsfähigkeit des gesamten Halbleiter-Ökosystems zu erhöhen. Die Gründung des Unternehmens unterliegt den behördlichen Genehmigungen in verschiedenen Rechtsordnungen. (me)

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