AUFGEMERKT Rio500: Der Beginn einer neuen Medienkultur

Redakteur: Gerd Kucera

Als dritter Hersteller weltweit lancierte Diamond Multimedia Systems Inc 1998 in den USA den portablen MP3-Player Rio PMP300. Die Technik des Folgemodells Rio500 startete eine Branchenentwicklung, die kaum jemand vorhergesehen hat. Der PMP300 gilt heute als der erste kommerziell erfolgreiche digitale Audio-Player.

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Der MP3-Player Rio PMP300 kostete in den USA zur Markteinführung 200 US-$ und wurde in Deutschland Anfang 1999 für gut 400 DM verkauft. Es war die multimediale Weiterentwicklung des Walkmans und des seinerzeit aktuellen MiniDisc Players/Recorders, der 1991 von Sony vorgestellt wurde und ein magnetisch-optisches Speicherprinzip nutzte. Während die MiniDisk konstant mit etwa 1,3 m/s bei Aufnahme und Wiedergabe rotierte, gab es beim 70 Gramm leichten PMP300 keinerlei bewegliche Teile. Heftige Erschütterungen oder Stöße des Gerätes blieben also wirkungslos.

Damit wurde der boomende Internet-Musikmarkt mobil; mittels Parallel-Port konnte man den Rio an jeden Personal Computer anschließen und Musik sowohl aus dem Internet als auch von einer Audio-CD überspielen.

Soundeffekt-Optionen wie Jazz, Klassik und Rock und verschiedene Wiedergabe-Modi (Repeat One, Random, Repeat A-B, Repeat All sowie ein Intro-Mode) waren dem Gerät mitgegeben. Dirk Bilgram, damaliger Product Manager Diamond Multimedia Central Europe in Starnberg, erklärte zur Markteinführung: „Zum einen wird das Internet mehr und mehr zu einer wichtigen und nahezu unerschöpflichen Quelle von Musik. Und zum anderen ist Diamond Experte im Bereich PC-Entertainment. Bisher war die fehlende Portabilität die größte Hürde für die Massenverbreitung digitaler Musik gewesen. Sie wird von unserem neuen Gerät überwunden.“

Gesprochene Nachrichte und vertonte Bücher

Aber es ging nicht nur um Musik. Der interne 32 MByte Flash-Speicher reichte für bis zu 60 Minuten Musikwiedergabe hoher Qualität und für bis zu 16 Stunden Audio-Playback in Voice-Qualität. Das heißt neben Musik konnten im MP3-Format auch Nachrichtensendungen oder vertonte Bücher überspielt werden. Verlängerten Musikgenuß boten Flash-Memory-Erweiterungskarten mit Platz für 30 und 60 Minuten Musik. Eine Mignon-Batterie (AA-Typ) reichte für 12 Stunden, ein Lithium-Akku für 36 Stunden kontinuierlichen Betrieb. Die Steuer-Software des Rio PMP300 komprimierte Audio-Dateien automatisch auf 1/12 der ursprünglichen Größe ohne Qualitätsverlust. Über die Drag&Drop-Schnittstelle waren Playlisten erstellbar und Dateien ließen sich archivieren und verwalten.

Zum ersten Mal die CD-Musik selber grabben

Diamond hat in Sachen Rio PMP300 strategische Abkommen mit vielen Firmen vereinbart. Das Gerät beinhaltete beispielsweise für sechs Monate exklusiv die MP3-JukeBox-Software von MusicMatch Corporation und Xing Technology. Damit konnte der Musikfan CD-Musikstücke aus seiner CD-Sammlung mit Hilfe des PCs in das MP3-Format umwandeln und seinen speziellen Musik-Mix zusammenstellen, um ihn dann sowohl auf dem PMP300 als auch auf dem PC abzuspielen.

Mit der Z Company, die die Musik-Website MP3.com gegründet hat, vereinbarte Diamond gemeinsame Marketing-Aktivitäten. Musikstücke von MP3.com gab es im Bundle mit dem Rio PMP300, um die Website zu promoten; und umgekehrt hatte die Z Company ihren Besuchern den PMP300 nahegebracht. Ähnliche Vermarktungsstrategien gab es auch mit der Goodnoise Corporation, einem Internet-Musik-Anbieter. Goodnoise verkaufte online Musiktitel und bot Sample-Clips zum Downloaden im MP3-Format an. Der Erfolg des PMP300 mit insgesamt weit über 200.000 Geräten führte zum ersten Download-Service RioPort.

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