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Rio500: Der Beginn einer neuen Medienkultur

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Erster Handel mit auswählbaren Musikstücken

Die US-Firma Amplified.com war weltweit der erste Digital-Distributor und bot der Musikindustrie zahlreiche Internet-Dienste vom Encoding bis hin zur kundenspezifischen CD-Produktion inklusive einem Netzwerk von Online-Musikhändlern sowie zuverlässigen Zahlungsabwicklungsmöglichkeiten an. RioPort Inc. traf mit dem Unternehmen ein Abkommen, das ihren Kunden u.a. den Zugriff auf die umfassende Musik-Bibliothek von Amplified.com erlaubt. Gegen geringes Entgelt war es möglich, sich eine nach Wunsch zusammengestellte CD mit ausgewählten Inhalten der RioPort-Website und Partner-Homepages von Amplified erstellen zu lassen. Auch konnte man alternativ Titel online erwerben und direkt downloaden oder sich eine Auswahl von Musiktiteln auf CD per Post zusenden lassen.

Gesprochene Audio-Inhalte

Eines der interessantesten Einsatzgebiete des Rio, das in Begriff war stark an Poppolarität zu gewinnen, war die Wiedergabe gesprochener Inhalte wie Buchlesungen, Sprachkurse oder Nachrichten. Für solche Anwendungen hatte Rio 500 speziell hierfür entwickelte Feature-Sets einschließlich einer Bookmark-Steuerung. Rio-Anwender mit Windows-95/98-Software konnten beispielsweise mehr als 16.000 Stunden gesprochener Inhalte von Audible Inc abspielen, zum Beispiel ausgewählte Novellenlesungen, Audio-Zeitungen, Reden und sonstige Lektüre. Auf der RioPort-Website stand in Sachen gesprochener Audio-Inhalte noch vieles mehr zur Auswahl.

Rio und die angebliche Urheberrechtsverletzung

Im Zusammenhang mit ihrer Rio-Serie sah sich Diamond Multimedia mit gerichtlichen Verfahren und Vorwürfen wegen angeblicher Verletzung des Urheberrechts konfrontiert. Es zeichnete sich aber ein gütliches Ende dieser Verfahren ab. Diamond Multimedia, die RIAA (die Interessensvereinigung der US-amerikanischen Musikindustrie) und AARC trafen eine Regelung aller noch schwebenden Verfahren im Zusammenhang mit der portablen Audio-Player-Serie Rio. Alle drei Parteien stoppten die in Gang gesetzten rechtlichen Schritte, um einen Vergleich bei allen noch offenen Streitfragen anzustreben.

Ron Moore, Berater von Diamond Multimedia, sagte damals: „Wir sind über das sich nun abzeichnende Ende der Rechtsstreitigkeiten sehr erfreut und arbeiten zusammen mit der Musikindustrie weiter an der Entwicklung sicherer E-Commerce-Musikangebote durch die SDMI (Secure Digital Music Initiative). Nur unter diesen Voraussetzungen können wir unsere Marktführerschaft bei den Digital-Audio-Technologien weiter ausbauen und den Konsumenten legale Zugriffsmöglichkeiten bei den entsprechenden Musikangeboten bieten. Wir waren eines der ersten SDMI-Mitglieder aus dem Technologiebereich und sehen diese industrieübergreifende Initiative auf dem besten Wege, sehr schnell eine technische Lösung anzubieten, die sowohl die Wahrung der Urheberrechte garantiert wie auch den Konsumenten neue Zugriffsmöglichkeiten bietet.“

Die Konkurrenz Apple wurde immer stärker

Noch vor dem Europa-Start des Players Rio 600 übernahm der Grafikkartenspezialist S3 den Konkurrenten Diamond Multimedia. S3 wolle durch den Zukauf sein bislang sehr spezielles Sortiment erweitern und künftig eine Schlüsselrolle bei Internet Appliances und Heimnetzwerken einnehmen.

Am 29. Juni 2000 kündigte die Rio Division von S3 den europäischen Start des Rio 600 an. Seiner Zeit voraus setze sich der MP3-Player an die Spitze einer neuen Familie der digitalen Rio Audio-Player im Taschenformat.

Schallplatten-Labels indes bewegten sich beständig in die gleiche Richtung, um ebenfalls den abzusehenden Erfolg des Rio 600 zu nutzen. Die zur Walt Disney Co gehörenden Hollywood Records waren eine Partnerschaft mit S3 eingegangen und spielten die Musik von „Mission: Impossible-2“ auf die Rio 600, bevor diese ausgeliefert wurden. „Wir sind vom neuen Design des Rio 600 ebenso beeindruckt wie von seiner Unterstützung sicherer Musikformate“, sagte damals Ken Bunt, Direktor des digitalen Marketings für Hollywood Records. Die Industrie hätte geduldig auf ein benutzerfreundliches Abspielgerät mit einem ansprechenden Design gewartet. Hollywood Records sei froh über die Partnerschaft mit Rio und die Möglichkeit, digitale Musik ihrer vielversprechenden neuen Künstler anbieten zu können.

Nach dem Erwerb der Diamond Multimedia und der Übertragung der Grafik-Chip-Aktivitäten an ein Joint-Venture-Unternehmen startete S3 als ein Unternehmen für digitale Medien neu. Doch im Oktober 2001 präsentierte Apple den ersten iPod mit 5-GByte-Festplatte. 2002 folge die zweite Generation, 2003 die dritte Generation, 2004 die vierte Generation. Die Konkurrenz Apple wurde immer stärker, der Marktanteil der Rio-Player sank stetig. Schließlich wurde 2005 die Produktion der Rio-Player eingestellt.

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