Archäologie Radar widerlegt These von Geheimkammern im Tutanchamun-Grab
Gibt es eine oder mehrere verborgene Kammern im Grab des ägyptischen Pharaos Tutanchamun? Und ist dort vielleicht sogar die berühmte Nofretete begraben? Radarmessungen im Pharaonengrab haben diese Vermutung fürs Erste ad acta gelegt.

Im vergangenen Jahr schlug eine Hypothese des englischen Ägyptologen Nicholas Reeves in Fachkreisen ein wie eine Bombe. Der Forscher, der sich unter anderem mit dem jung verstorbenen Pharao Tutanchamun (Regierungszeit ca. 1332 - 1323 v. Chr.) beschäftigte, vermutete, dass es im 1923 entdeckten Grab des Kindkönigs noch weitere, bisher unbekannte Kammern geben müsse. In einer dieser Kammern sei die berühmte Königin Nofretete bestattet, so die These.
Zu diesem Schluss war der Ägyptologe durch hochauflösende Scans der Wände der sogenannten Kammer J des Tutanchamun-Grabes gekommen. In dieser Kammer hatte sich der Sarkophag des Pharaos befunden. Unter dem antiken Verputz vermutete Reeves vermauerte Zugänge zu einem weiteren Raum – dem Grab der Nofretete.
Nofretete war die Große Königsgemahlin des Pharaos Echnaton (Regierungszeit ca. 1351 - 1334 v. Chr.) gewesen, der in Ägypten den Monotheismus eingeführt und nur noch den Sonnengott Aton anerkannt hatte. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war sie die Stiefmutter des Königs Tutanchamun, der bereits im zarten Alter von neun oder zehn Jahren den Thron des Nillandes bestiegen hatte. Einige Ägyptologen glauben überdies, dass Nofretete die eigentlich treibende Kraft hinter dem radikalen Bruch mit der traditionellen Vielgötter-Religion des alten Ägypten und der einflussreichen Priesterschaft gewesen sei.
Nofretete habe somit eine Stellung eingenommen, die über die einer Königsgemahlin ihrer Zeit weit hinausgegangen sei. Daher sei es auch durchaus denkbar, dass Nofretete im Tal der Könige begraben worden sei, das den männlichen Pharaonen des sogenannten Neuen Reiches vorbehalten war, und nicht im eigentlich dafür vorgesehenen Tal der Königinnen.
Um die These von Reeves zu erhärten oder zu widerlegen, war es notwendig, zu prüfen, ob sich im Tutanchamun-Grab noch weitere Hohlräume befinden. Radarmessungen des japanischen Ingenieurs Hirokazu Watanabe im November vergangenen Jahres schienen dies zu bestätigen. Der damalige ägyptische Antikenminister Mamdouh Eldamaty sprach zwischenzeitlich von einer „90-prozentigen Wahrscheinlichkeit“, dass eine verborgene Kammer existiere.
Allerdings drangen keine weiteren Informationen mehr darüber an die Öffentlichkeit, so dass das US-Magazin National Geographic im März eine zweite Radar-Untersuchung organisierte. Diese Messreihe konnte jedoch die Räume, die der Japaner Watanabe entdeckt haben wollte, nicht bestätigen. Die Rohdaten der Radarmessung wurden an verschiedene Experten in Ägypten und den USA verschickt. Deren einhelliges Urteil lautete: Keine Hinweise auf geheime Hohlräume.

„Wenn es einen Hohlraum gäbe, dann müsste es eine starke Reflexion geben. Aber sie ist nicht da“, erläutert Dan Goodman, Experte für Ground-Penetrating Radar (GPR) und Entwickler der Analysesoftware GPR-SLICE im Gespräch mit National Geographic.
Sein japanischer Kollege Watanabe blieb davon unbeeindruckt. Allerdings hatte der Japaner die Rohdaten seiner Messungen nicht offengelegt. Außerdem behauptet Watanabe, er habe seine Ausrüstung in den vergangenen vierzig Jahren so stark modifiziert und personalisiert, dass außer ihm niemand etwas mit den gewonnenen Daten anfangen könne.
Für Zahi Hawass, den früheren Leiter der ägyptischen Antikenverwaltung und prominentesten Kenner der Ausgrabungsstätten des Landes, ist die Sache hingegen klar: „Wenn es ein Mauerwerk oder eine Trennmauer gäbe, dann hätte das Radarsignal ein Bild anzeigen sollen. Das war nicht der Fall. Das bedeutet, dass da nichts ist“, so Hawass gegenüber National Geographic. Ob es weitere Tests geben wird, ist derzeit noch offen.
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