Anbieter zum Thema
Technische Parameter sind oft ungenau und unvollständig
Auch Gerd Reinhold kennt das Problem bestens: „Es fängt oftmals schon an, wenn man sich die Stücklisten ansieht. Als Distributor bekommen wir natürlich viele solche Ausschnitte aus Stücklisten und wenn wir Glück haben, steht sogar eine Lastkapazität dabei, aber in den meisten Fällen steht bei dem Quarz nur eine ppm-Angabe. Dann kann ich würfeln: Was ist es? Frequenz, Toleranz bei 25 °C oder Frequenzstabilität? Bei welcher Temperatur? Ich betone regelmäßig bei Kundenbesuchen, dass wir eine vernünftige Stückliste benötigen, mit den Mindestparametern, die wir alle brauchen, sonst macht das wenig Sinn für die Zukunft.“
Weiterbildung wäre für den Entwickler sinnvoll
Offensichtlich fehlt vielen Entwicklern das notwendige Knowhow. Warum das so ist, erklärt Stefan Hartmann so: „Es wird an den Hochschulen nicht gelehrt, wie ein Quarz funktioniert und wie komplex er ist. Viele denken: Ich nehme die zwei Anschlüsse, schließe die an und dann funktioniert das Ganze. Es gibt halt viele Kunden, gerade im Bereich IoT oder Industrie 4.0, die aus der rein mechanischen oder analogen Ecke kommen. Und nun soll derselbe Hersteller, der früher mechanische Zähler gebaut hat, ein elektronisches digital auslesbares E-Meter entwickeln, aber er hat dieses Knowhow nicht.
Er kauft sich dann entweder Kommunikationsmodule hinzu, dann ist er auf der sicheren Seite, sofern er den richtigen Partner hat, oder er entwickelt selber. Und wenn er selbst entwickelt, hat er natürlich ganz andere Anforderungen und das Design-Knowhow nicht.“ Schulungen könnten dieses Problem lösen, aber sie werden nicht angenommen, wie Jürgen Müller weiß: „Klassische Schulungen wären schon wichtig, werden aber oft nicht angenommen. Denn, wer teilnimmt, gibt ja schließlich zu, dass er nichts weiß.“
Auch Stefan Hartmann kennt das: „Die Bereitschaft für eine Schulung ist gar nicht vorhanden, denn man outet sich ja dann als Unwissender, wenn man teilnimmt. Eine solche Schulung wird nur angenommen, wenn es ein Problem gibt. Wenn also bei der Entwicklung etwas schiefgelaufen ist, hat der Entwickler ein Problem.
Und wenn wir mit dem Kunden diskutieren, um das Problem zu lösen, kommt schon mal die eine oder andere Frage. In solchen Fällen kann man eventuell eine Schulung dranhängen, aber nur dann. Ansonsten ist die Bereitschaft aus meiner Erfahrung extrem niedrig.“
Diese Angst, sich als unwissend zu outen, ist auch der Grund, weshalb viele Entwickler nicht beim Hersteller vorstellig werden oder beim Fachdistributor, sondern bei Großdistributoren mehr oder weniger anonym bestellen, wie Christian Dunger berichtet: „Wenn ein Kunde bei uns anruft und sagt, dass er 20 Muster braucht, dann stellt das gut geschulte Personal natürlich Fragen: Wie heißen Sie? Wo wohnen Sie? Was ist die Anwendung?
Diesem Fragenzyklus möchte sich der Entwickler gar nicht aussetzen, sondern er möchte im stillen Kämmerlein etwas ausprobieren. Er probiert also so lange, bis irgend etwas funktioniert. Da er im Internet bei einem Katalogdistributor inzwischen ebenfalls alles bekommt, bestellt er dort, weil er anonym bleibt. Ob er allerdings das Richtige bekommt, ist eine andere Sache, da die Bestellung ohne jede Beratung abläuft.“
(ID:44738623)