Elektroschrott Pilotanlage soll DES-Verfahren zur Metallrückgewinnung aus Elektroschrott validieren

Von Susanne Braun 2 min Lesedauer

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Aus Millionen Tonnen Elektroschrott ließen sich große Mengen wertvoller Metalle zurückgewinnen, doch viele Verfahren sind teuer, umweltschädlich und ineffizient. Das australische Start-up Iondrive Limited will das ändern.

Mit einem solvometallurgischen Verfahren will Iondrive Limited effizienter Metall zurückgewinnen, als mit pyrometallurgischen oder hydrometallurgischen Verfahren. Eine Pilotanlage soll das unter Beweis stellen.(Bild:  Iondrive Limited)
Mit einem solvometallurgischen Verfahren will Iondrive Limited effizienter Metall zurückgewinnen, als mit pyrometallurgischen oder hydrometallurgischen Verfahren. Eine Pilotanlage soll das unter Beweis stellen.
(Bild: Iondrive Limited)

Am 14. Oktober 2025 erinnert der Tag des Elektroschrotts abermals daran, wie verschwenderisch unsere Gesellschaft mit den abgelegten elektrischen und elektronischen Produkten ihres Konsums umgeht. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) jüngst erst berichtete, werden pro Jahr fast eine Million Tonnen Elektroschrott an entsprechenden Annahmestellen abgegeben. Mehr als 80 Prozent davon werden recycelt – im Jahr 2023 waren das fast 750.000 Tonnen.

Aber nur 2,1 Prozent der abgegebenen Geräte werden so behandelt, dass ihre Komponenten beziehungsweise Materialien wiederverwendet werden können. Angesichts dessen, dass entscheidende Metalle für die Elektronikbranche zwangsläufig zu seltenen Ressourcen werden, ist das ein erschreckend niedriger Prozentsatz.

Recycling und Wiederverwertung: Selten ergiebig, selten lukrativ

Das hat wiederum damit zu tun, dass konventionelle, hydrometallurgische Verfahren für die Rückgewinnung der Metalle teuer in der Anschaffung und im Betrieb sind. Kurz gesagt: Die Bemühungen, die verbauten Metalle zurückzugewinnen, sind oftmals nicht wirtschaftlich. Es gibt allerdings viele Unternehmen und Projekte, die versuchen, das zu ändern. Diverse chemische Ansätze und Prozesse zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Rückgewinnung der Metalle bei gleichzeitig niedrigen Investitionskosten in die Anlagen.

Die ETH Zürich probiert die Rückgewinnung von seltenen Erden und anderen Metallen auf Laborebene, das neuseeländische Unternehmen Mint Innovation ist da bereits ein Stück weiter und versucht, die eigens entwickelten modularen Recyclinganlagen weltweit bekannt zu machen. Irgendwo zwischen diesen beiden Schritten steht das australische Unternehmen Iondrive Limited.

Pilotanlage für chemische, umweltverträgliche Prozesse

Das australische Start-up arbeitet an einer Methode, um Metalle aus Elektroschrott und Batterien effizienter und umweltfreundlicher zurückzugewinnen. Grundlage ist eine eigens entwickelte Deep-Eutectic-Solvent-Technologie (DES). Dabei handelt es sich um ein chemisches Verfahren, das mithilfe spezieller Lösungsmittel Metalle wie Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer oder Gold aus Abfällen löst. Die eingesetzten Lösungsmittel gelten als wenig toxisch, biologisch abbaubar und wiederverwendbar, was sie zu einer möglichen Alternative zu herkömmlichen, oft umweltschädlichen Verfahren macht.

Iondrive will die Technik in drei Bereichen erproben: beim Recycling von Batterien (zur Rückgewinnung von Lithium und Kobalt), beim E‑Schrott-Recycling (etwa zur Extraktion von Gold und seltenen Erden) und bei der Trennung gemischter Hydroxidfällungen in einzelne Metallsalze. Das Verfahren entstand aus einem Forschungsprojekt der University of Adelaide und wird durch staatliche Förderung sowie Kooperationen mit Industriepartnern unterstützt.

Eine erste Pilotanlage soll Anfang 2026 in Australien den Betrieb aufnehmen und die Skalierbarkeit prüfen. Parallel testet Iondrive seine Technologie in Kooperation mit dem US-Unternehmen Colt Recycling und in einem europäischen Konsortium mit der RWTH Aachen. Ziel ist es, zu zeigen, dass aus recycelten Rohstoffen hergestellte Batterien die gleiche Leistungsfähigkeit erreichen können wie solche aus Primärmaterialien. (sb)

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